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DVD-Besprechung - Art of Revenge (Limited Gold-Edition)

Story:
Der Profikiller Tae-Soo (Ji Jin-hee) ist auf der Suche nach seinem vermissten Zwillingsbruder Tae-Jin (Ji Jin-hee). Als er Tae-Jin, der mittlerweile als Polizist arbeitet, jedoch endlich ausfindig machen kann, wird dieser bei ihrem ersten Treffen direkt vor seinen Augen durch einen Kopfschuss getötet. Tae-Soo verscharrt die Leiche und übernimmt fortan die Identität seines Zwillingsbruders. Er tritt auch dessen Stelle bei der Mordkommission an, zu der dieser kurz vor seinem Tod versetzt werden sollte. Während Tae-Soo die Mörder seines Bruders zur Strecke bringen will, regen sich beim Chef der Mordkommission, sowie Tae-Jins Freundin jedoch größere Zweifel an seiner Identität.

Meinung zum Film:
Regisseur Yoichi Sai ("Blood & Bones"), der in westlichen Gefilden noch längst nicht das Ansehen genießt wie in Asien, schrieb bei "Art of Revenge" auch das Drehbuch, und zwar in Zusammenarbeit mit den Debütanten Lee Joon-il und Lee Seung-hwan. Nun ist Yoichi Sai eigentlich kein Regisseur, den man mit einem knallharten Actionfilm in Verbindung bringen würde, steht sein Name doch eher für dramatische, tiefgründigere Kost. Jedoch gab es offensichtlich, wie auch anhand von Äußerungen innerhalb des Making Of erkennbar ist, bezüglich der Konzeption von "Art of Revenge" große Meinungsverschiedenheiten zwischen Yoichi Sai und seinen Produzenten. Während Yoichi Sai einen deutlich längeren Film mit mehr dramatischen Elementen drehen wollte, hatten die Produzenten offensichtlich einen ziemlich actionlastigen Rachefilm im Sinn, quasi "Ein Mann sieht Rot" auf koreanisch. Somit mußte Yoichi Sai einige faule Kompromisse eingehen, z.B. eine deutliche Straffung der Handlung und der Wegfall diverser Szenen, was leider im Endergebnis unübersehbar ist.

Laut Regisseur ist "Art of Revenge" ein Drama mit Action-Elementen. Koreanische Rachedramen haben ja spätestens seit Park Chan-wooks Trilogie zu diesem Thema ("Sympathy for Mr. Vengeance / "Oldboy" / "Lady Vengeance") einen guten Ruf, u.a. durch ihre radikale Herangehensweise. Radikal ist "Art of Revenge" zumindest in einem Punkt, in der Härte des gesamten Films. Tae-Soo bewegt sich in einer gewalttätigen, finsteren Welt, in der Gewalt nicht nur die Ursache aller Probleme ist, sondern auch gleichzeitig deren Lösung. Diese Gewalt als Ausdrucksform wird in "Art of Revenge" auch in keinster Weise in Frage gestellt, sondern beispielsweise in Zeitlupenaufnahmen regelrecht zelebriert. Die Actionszenen sind extrem roh und gefühlskalt, eine sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen Tae-Soo und Tae-Jins Freundin wird folgerichtig, schon im Ansatz in Blut und Tränen erstickt. Diese völlige Gefühlskälte des Hauptprotagonisten führt jedoch auch zu einer vergeblichen Suche des Zuschauers nach Sympathiefiguren. Die "KJ" hat sich der Film jedenfalls redlich verdient. Bereits zu Beginn wird mit entsprechender Tonkulisse das Bein eines Mannes mehrfach von einem Auto überrollt, im Zweikampf reißt Tae-Soo seinem Gegner einfach ein Ohr ab, und wem das alles noch nicht blutig genug ist, der kann sich auf einen gnadenlosen Showdown freuen, bei dem die Gegenspieler durch ein Meer von Blut waten.

Was hinter all diesen Härten leider zurückstecken muß, ist eine schlüssige Handlung inklusive nachvollziehbarer Motivationen der Hauptpersonen. Viele Nebenhandlungsstränge verlaufen im Nichts, Rückblenden von der gemeinsamen Kindheit der Zwillingsbrüder werden genauso schnell wieder fallengelassen, wie sie angerissen wurden, und bei so manchem Fortschreiten der Handlung gibt es üble Löcher im Drehbuch. Überhaupt wird in vielen Szenen schlichtweg so dick aufgetragen, dass der ernsthafte Charakter des Films durch die nicht sehr reichhaltigen, aber extrem auf das spektakuläre Element setzenden Actionszenen extrem in den Hintergrund gestellt wird. Tae-Soo kämpft stets gegen eine weit überlegene Anzahl von Gegnern und erleidet in jedem Kampf üble Verletzungen. Trotzdem steigt er immer wieder wie Phoenix aus der Asche und ringt mit letzter Kraft jeden Gegner nieder, wobei diese Kämpfe keinerlei Kampfkunst bieten, sondern eher wie der verzweifelte Überlebenskampf wilder Tiere ohne Regeln anmuten.  

Digitale Aufarbeitung:
Die DVD überzeugt mit guter Schärfe, sowie kräftigen Farben. Die Kontrastwerte sind ebenfalls sehr ausgewogen, das leichte Bildrauschen fällt kaum ins Gewicht. Der Ton ist solide ausgefallen, aber selten spektakulär, eine gute Verständlichkeit ist aber jederzeit gewährleistet.

Die Ausstattung dieser Limited Gold Edition ist verhältnismäßig spärlich. Neben einem ordentlichen Making Of (31:00), das den Schwerpunkt aber ganz klar auf die Entstehung der Actionszenen legt, und in dem nur der Regisseur und der männliche Hauptdarsteller zu Wort kommen, gibt es lediglich noch einige verzichtbare Deleted Scenes (17:31), sowie zwei Trailer zum Film.

Fazit:
"Art of Revenge" ist ein fauler Kompromiss zwischen Drama und Action, der dem Rachegenre keine neuen Impulse gibt, dafür jedoch viel Leerlauf und eine äußerst holprige Handlung aufweist. Die Actionszenen sind hart, aber in ihrer unwidersprochenen Roh- und Wildheit eher befremdlich. Die DVD ist technisch gelungen und die Extras sind nicht gerade reichhaltig, dafür aber durchaus brauchbar geraten.


Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 18
2,35:1
2,35:1
117:37 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Koreanisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Making Of
  • Deleted Scenes
  • 2 Trailer
Art of Revenge (Limited Gold-Edition) - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Art of Revenge
Soo

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Auch die Gewalt als einzige Lösung kann hier den faulen Kompromiss aus Drama und Action nicht auflösen


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Südkorea, 2007
Regie:
Yoichi Sai
Drehbuch:
Lee Joon-il, Lee Seung-hwan, Yoichi Sai
Darsteller:
Ji Jin-hee, Kang Seong-yeon, Moon Seong-keun, Lee Ki-young, Oh Man-seok

Label Deutschland :
Splendid Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
25.01.2008