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DVD-Besprechung - Taxidermia - Friss oder stirb

Story:
Großvater Morosgovanyi (Csaba Czene), Vater Kalman (Gegely Trocsanyi) und Sohn Lajos (Marc Bischoff) sind nicht nur einfach drei Generationen, sondern auch drei Einzelschicksale. Drei groteske Männer, die ihren Leidenschaften frönen, auch wenn diese alles andere als normal oder gesund sind. Die Tragik liegt darin, dass die alle in ihrem Leben scheitern, was nicht zuletzt an ihren etwas unglücklichen Verquickungen zu Sexualität, „Leistungssport“ und Filigranarbeit liegt.  

Meinung zum Film:
„Taxidermia“ ist eine Groteske und fernab jeglicher Realität. Sicherlich darf auch noch eine gewisse Portion an Drama und Komödie nicht vergessen werden, denn diese würzen die teilweise etwas befremdlichen Fantasien des Drehbuchs. Der Humor ist morbid und wirkt wie eine Kombination aus „Das große Fressen“ und Monty-Python-Humor, was die Reihen eines möglichen Publikums doch sicherlich lichten wird. Wer allerdings diesen Humor mag, wird ordentlich unterhalten, denn hier findet eine Abrechnung mit dem russisch kontrollierten Sozialismus statt und zudem mit der aktuellen Gesellschaft und der in ihr befindlichen Gleichgültigkeit der Menschen untereinander. Aber keine Bange, die Gesellschafts- und Regimekritik ist lediglich ein Transportvehikel für die verschiedenen Absurditäten. Hier ein kleiner Hinweis zum Titel des Films, der deutsch mit „Taxidermie“ übersetzt wird und, kurz gefasst, nichts anderes als die Tätigkeit der Tierpräparation beinhaltet.

Blutrünstige Bilder fallen anhand dieses Hintergrundes allerdings weitgehend aus. Drei Männerschicksale teilen sich die Laufzeit und es beginnt mit einem braven Soldatenburschen, der bei seinem Offizier auf dem Hof quasi als Knecht missbraucht wird. Der gehorsame Mann ist aber einsam und frönt der Selbstbefriedigung auf eine teilweise recht besorgniserregende Weise. Heißes Wachs ginge ja noch, aber ein Zungenkuss mit der Flamme ist da etwas heftiger. Ja auch ein Astloch, mit etwas Stoff und Getriebefett versehen, führt ihn fast bis ans Ziel, doch der Hahn auf der anderen Seite des Loches findet diesen fetten Wurm zu schmackhaft und anpickenswert. Sein Sohn hingegen landet im Kader der ungarischen Fressmannschaft, einem Team, das darauf trainiert wird, möglichst viel in sich hinein zu stopfen. Von Suppe bis Sülze vertilgen die Athleten raue Mengen, um diese daraufhin wieder von sich zu geben.

Der Magensportler zeugt auch einen Sohn, der allerdings seinem Vater so gar nicht ähnelt, denn er ist ein blasser, magerer Mann. Und mit dem Essen hat er es auch nicht so ganz, vielmehr widmet er sich intensiv seinem Beruf als Präparator. Für eine entsprechende Bezahlung bearbeitet er auch mal etwas anderes als nur Tiere. Neben den großen Absurditäten werden immer wieder kurze Ungeheuerlichkeiten gezeigt, die einen den Kopf schütteln lassen. Das Leben der drei Männer wird innerhalb einer Festrede erzählt, was zwischendurch zwar verloren geht, doch der Schluss der fast eineinhalb Stunden greift dies logisch wieder auf und bringt es zu einem ordentlichen Ende. Zuschauer, die etwas zart besaitet sind und schon Probleme mit lauten Rülpsern haben, sollten hier nicht zugreifen, denn hier wird mehr als nur Luft abgelassen.

Digitale Aufarbeitung:
Die optischen Eindrücke der DVD sind durchweg positive und das Bild präsentiert sich in gut abgestimmten Farben. Darüber hinaus ist klar und nur in der zweiten Geschichte unterstreicht ein grünlicher Ton den straffen Drillcharakter der Ausbildung zum Wettesser. Der Kontrast ist ebenfalls vollkommen in Ordnung.

Das Making Of umfasst rund 42 Minuten und ist auf Ungarisch. Das ist aber nicht weiter tragisch, da ebenfalls deutsche Untertitel den Zuschauer beim Verständnis unterstützen. Es ist interessant, sehenswert und bringt gut die Intentionen der Macher herüber. Hinzu kommt noch der Trailer.

Fazit:
„Taxidermia“ ist ein schräger Film, der gezielt mit Extremen arbeitet um aufzufallen, zu polarisieren und zu unterhalten. Dass die gezeigten Ereignisse am Rande des guten Geschmacks sind bzw. deutlich daran vorbei schlittern, gibt dem Film seine ganz eigene Note. Wer extremen britischen Humor verträgt, der ist hier gut aufgehoben. Die technische Umsetzung stimmt ebenfalls.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
90:29 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Ungarisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Making Of
  • Trailer
Taxidermia - Friss oder stirb - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Taxidermia – Friss oder stirb
Taxidermia

Bild unseres Mitarbeiters Jörg Hesse
Es muss nicht immer politisch korrekt sein


Autor der Besprechung:
Jörg Hesse

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Ungarn/ Österreich/ Frankreich, 2006
Regie:
György Palfi
Drehbuch:
Lajos Parti Nagy, György Palfi
Darsteller:
Csaba Czene, Gergely Trocsanyi, Piroska Molnar, Adel Stanczel, Marc Bischoff

Label Deutschland :
I-On New Media
Verkaufsstart Deutschland :
25.01.2008