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DVD-Besprechung - Der schwarze Korsar (2 Disc Edition)

Story:
Der rote und der grüne Korsar werden von dem Fürsten Van Gould (Mel Ferrer) umgebracht. Ihr Bruder, der schwarze Korsar Emilio (Kabir Bedi) will sich an Van Gould rächen, doch er verliebt sich unversehens in dessen Tochter (Carole André), die er bei einem Raubzug als Gefangene nimmt. Als er erfährt, wer sie ist, trennt er sich von ihr und segelt nach Maracaibo, wo ihn Van Gould erwartet.

Meinung zum Film:
Der Film "Der schwarze Korsar" entstand in einer Zeit, in der Piraten- und Korsarenfilme eigentlich schon lange nicht mehr gedreht wurden. Außerdem war Salgaris Korsaren-Zyklus bereits vielfach verfilmt worden. Doch beflügelt durch den großen Erfolg des Fernsehmehrteilers "Sandokan", bei dem die beiden Hauptdarsteller bereits einmal zusammen gespielt hatten, wollte Sergio Sollima ("Der Gehetzte der Sierra Madre") einen komplett anderen Film drehen. Herausgekommen ist ein Werk, das jeden Korsaren- und Piratenliebhaber mehr als nur befriedigen wird. Der Film, der hier zum allerersten Mal in der vollen Länge vorliegt, hat alles, was dieses Genre so gut macht. Es gibt exotische Schauplätze, herrliche Degenkämpfe, zum Teil wunderbar verschrobene Charaktere und eine spannende Geschichte, die den Zuschauer bis zur allerletzten Einstellung nicht loslässt.

Der Film wurde in der kolumbianischen Hafenstadt Cartagena gedreht. Dabei stand eine Kulisse zur Verfügung, die perfekt zur Geschichte passt und nie hätte künstlich aufgebaut werden können. Immerhin war Cartagena im 17. Jahrhundert ein realer Schauplatz von Kämpfen zwischen Seeräubern und feindlichen Staaten. Es mag möglich sein, die Geschichte insoweit zu kritisieren, dass hier eines der typischen Klischees von Piratenfilmen verwendet wurde. Junge Fürstin verliebt sich in den Korsaren ihrer Wahl, der zufällig noch der Held des Films ist und weit gebildeter und eloquenter ist als seine Kameraden. Doch das ist nur die Rahmenhandlung und der Rest des Films ist überraschend, durchaus sozialkritisch - durch die Kritik an der Behandlung der Einheimischen in der Karibik - und ist dadurch nicht langweilig, ganz im Gegenteil.

Der Film lebt ganz besonders von seinen charismatischen Hauptdarsteller. Kabir Bedi ("Octopussy") als schwarzer Korsar mimt absolut glaubhaft den von seinen eigenen Rachegefühlen zerrissenen Korsaren. Carole André ("Von Angesicht zu Angesicht") ist nicht nur eine überaus schöne Frau, sondern sie kann ihre Rolle als kühle und dennoch leidenschaftliche Fürstin sehr gut ausfüllen. Und dann wäre noch Mel Ferrer ("Brannigan"), den der Zuschauer so richtig schön hassen kann und dem man ein baldiges Ableben von ganzem Herzen wünscht. Trotz aller finanzieller Probleme der Produktionsfirma ist ein Film entstanden, der auch heute noch zeitlos wirkt.

Digitale Aufarbeitung:
Wenn man sich einmal die Super-8-Fassung auf der zweiten DVD anschaut, wird einem schnell klar, wie gut das Bild auf der restaurierten Fassung der ersten DVD ist. Kontraste und Farben sind perfekt gesetzt, weder Fussel noch sonstige Alterserscheinungen eines 30 Jahre alten Films stören die Wiedergabe. Der Sound liegt in beiden Sprachen (Deutsch und Italienisch) in Dolby Digital 2.0 vor, reicht aber von der Dynamik vollkommen aus. Dabei ist die deutsche Fassung einen Tick dynamischer als die Originalfassung.

Sollima selbst erzählt im Hauptteil der Specials, der Featurette "Sollima & die Piraten" von den Dreharbeiten zu "Der schwarze Korsar". In rund 33 Minuten muss man einige Geduld haben, da er sehr langsam und natürlich in Italienisch spricht. Wer dieser Sprache nicht mächtig ist, muss sich mit dem Untertitel begnügen, der hier nicht abschaltbar ist. Insgesamt ist dieses Featurette aber interessant. Die Super-8-Fassung ist aufgeteilt in drei Teile, wie man es von damals gewohnt war. Denn ein Film passte damals nicht auf eine Rolle. Hier ist es interessant, den Unterschied zwischen der neu digitalisierten Version und dieser Version zu sehen. Und dieser Unterschied ist gewaltig. Daneben gibt es den englischen und italienischen Kinotrailer. Vom alternativen Vorspann aus der ehemaligen Tschechoslowakei sollte man sich wirklich nicht viel erwarten. Es handelt sich wirklich nur um die damals übliche Auflistung der Crew, die zu Beginn des Films gezeigt wurde. Das hätte man sich sparen können. Außerdem gibt es eine kurze Bildergalerie und die DVD Credits. Insgesamt nicht schlecht ausgestattet.

Fazit:
"Der schwarze Korsar" ist ein Korsarenfilm, der noch immer zeitlos wirkt und zwei Stunden herrliche Karibikunterhaltung bietet. Wem dieses Genre zusagt, ist hier bestens aufgehoben und sollte zugreifen. Für den Rest gilt: Vielleicht kann dieser Film sogar jemanden zu einem Piratenliebhaber machen. Wer weiß...

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
2,35:1
2,35:1
117:24 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Italienisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Featurette "Sollima & Die Piraten"
  • Super-8-Fassung
  • Italienischer Kinotrailer
  • Englischer Kinotrailer
  • Alternativer Vorspann aus der ehemaligen Tschechoslowakei
  • Bildergalerie
  • DVD Credits
Der schwarze Korsar (2 Disc Edition) - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Der schwarze Korsar
Il Corsaro Nero

Bild unseres Mitarbeiters Bernd Glasstetter
Echte Piraten, echte Beute


Autor der Besprechung:
Bernd Glasstetter

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Italien, 1976
Regie:
Sergio Sollima
Drehbuch:
Alberto Silvestri, Sergio Sollima
Darsteller:
Kabir Bedi, Carole André, Mel Ferrer, Angelo Infanti, Sonja Jeannine, Sal Borgese, Franco Fantasia, Edoardo Faieta

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
11.01.2008