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DVD-Besprechung - Beste Zeit

Story:
Kati (Anna Maria Sturm) wird gerade 17 Jahre alt und auch wenn sie eigentlich eine Familie hat, so ist sie doch immer wieder alleine. Ihr Vater (Andreas Giebel) versteht sie schon lange nicht mehr, denn sie ist für eine Bauerntochter nicht gerade das Idealbeispiel. Sie denkt nach, sie will ins Ausland und die Grenzen des eigenen Dorfes sind eigentlich viel zu klein. Gut, dass sie noch Jo (Rosalie Thomass) hat, ihre allerbeste Freundin, mit der sie abhängen kann, mit der sie dem Alltag entfliehen kann. Doch als sie die Nachricht bekommt, dass sie ein Auslandsjahr wahrnehmen kann und sie sich doch gerade verliebt hat, bricht das große Chaos über ihr Leben herein. Wie soll sie sich entscheiden? Ins Ausland und der Liebe ade sagen? Oder doch hier bleiben und ewig in den vorgegebenen Grenzen leben? Eine Situation, in der auch ihre Freundin kaum eine Hilfe sein kann…

Meinung zum Film:
Wenn man als Städter aufgewachsen ist, dann ist man wohl kaum Bauern und deren Umgebung gewöhnt. Vielleicht fährt man einmal durch ein paar Dörfer hindurch und stellt sich dabei vor allem eine Frage: Wie kann man in einem solche Kaff bloß überleben? Wie kann man diese Einsamkeit ertragen und vor allem: Wie können es die Jugendlichen ertragen? Wenn man sich die Zahlen in Sachen Landflucht insbesondere bei den jungen Menschen anschaut, dann wird diese Frage vermutlich bereits beantwortet, denn Viele zieht es in die Großstadt, aus der der Städter kommt, der sich diese Frage gestellt hat. Offenbar ist es eben nur schwer zu ertragen. Und Regisseur Marcus H. Rosenmüller („Schwere Jungs“) stellt letztendlich dieses Thema in den Mittelpunkt seines Films. Katis junges Leben ist eben nicht geordnet, sie ist nicht das Musterbeispiel einer Bauerstochter und das ist auch gut so. Denn gerade und insbesondere aus ihren Konflikten bezieht der Film seinen inneren Zusammenhalt und Schwung.

Sicher wird man Rosenmüller auch vorwerfen können, dass sein Film nicht sonderlich ereignisreich ist und die Tatsache, dass Kati einen alten VW-Bulli in den Graben fährt, mithin die spannendste Szene ist. Doch das interessiert ja auch gar nicht. Er will ja keinen Film drehen, der voller Action steckt. Er will den Menschen unter die Hutschnur schauen und ihr Innerstes nach außen kehren. Und das gelingt ihm, ganz besonders gut dabei mit Kati. Anna Maria Sturm spielt in ihrer ersten Rolle alle Mitdarsteller gnadenlos an die Wand. Sie schafft es dank Rosenmüllers kongenialer Führung all die Verzweiflung eines Teenagers auf dem flachen Land auszudrücken und den Zuschauer mitzureißen. Sie bestimmt den Film und den Weg, den er geht. Und sie lässt es egal erscheinen, dass immer mal wieder bayrischer Dialog gesprochen wird. Sie beherrscht die ruhigen, die witzigen und die traurigen Momente und das mit einer Routine, die man einer Neuabsolventin einer Schauspielschule nicht zugetraut hätte. Dass sie dabei auch noch einige wirklich gute Talente des deutschen Films zur Seite hat, wertet den Film zusätzlich auf.

Am Ende des Films wird wohl fast jeder vor der Frage stehen: Ja, und was nun? Man fühlt sich ein wenig im Stich gelassen vom Regisseur, denn man würde schon gerne wissen, wie es mit Kati und Jo so weiter geht. Die Frage muss man noch ein wenig hinten an stellen, aber wenigstens hat sich Marcus H. Rosenmüller („Schwere Jungs“) auch diese Frage gestellt und wird sie 2008 noch beantworten. Dann kommt der Sequel mit dem Titel „Beste Gegend“ in die Kinos und dort sind dann wieder alle mit von der Partie. Ob das so gewollt war, ist unbekannt. Aber immerhin: Wäre es nicht schade, wenn Rosenmüller eine Frage beantworten würde, die sich der Zuschauer gar nicht gestellt hat?

Digitale Aufarbeitung:
Ein harmonisches Bild mischt sich mit einem ebensolchen Ton, der in Dolby Digital 5.1 und dts sehr gut vorliegt und einen guten Raumklang erzeugt. Für Sehbehinderte liegt eine Hörfilmfassung in Dolby Digital 2.0 bei.

Die Special Features sind eher ein mäßiger Witz, als wirklich ausführlich vorhanden. Vier Minuten B-Roll ohne Ton sind zu sehen, dazu rund 23 Minuten Interviews, bei denen sich die Darsteller aber gerne einmal wiederholen, da wohl auch die Fragen nicht eng genug abgesteckt worden waren. Daneben gibt es noch Texttafeln mit Darstellerinfos und eine Karte mit den Drehorten des Films, die man dadurch einmal selbst besuchen kann. Insgesamt sind die Special Features damit zweitklassig gegenüber einem erstklassigen Film. Immerhin gibt es noch eine Vorschau auf das Sequel zu sehen. Das entschädigt ein wenig.  

Fazit:
"Beste Zeit" ist keine vertane Zeit. Den Film kann man sich gerne mehrmals ansehen und er wird durch hervorragende Schauspielerarbeit getragen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
1,78:1
1,78:1
91:00 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial:
  • Drehorte
  • Hinter den Kulissen
  • Interviews
  • Darstellerinfos
  • Filmtipp: Beste Gegend
Beste Zeit - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Beste Zeit
Bild unseres Mitarbeiters Bernd Glasstetter
Beste Zeit ist keine vertane Zeit


Autor der Besprechung:
Bernd Glasstetter

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2007
Regie:
Marcus H. Rosenmüller
Drehbuch:
Karin Michalke
Darsteller:
Andreas Giebel, Anna Maria Sturm, Ferdinand Schmidt-Modrow, Florian Brückner, Johanna Bittenbinder, Peter Mitterrutzner, Rosalie Thomass, Stefan Murr, Volker Bruch

Label Deutschland :
Constantin Film
Verkaufsstart Deutschland :
31.01.2008