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DVD-Besprechung - Black Snake Moan

Story:
In den Südstaaten der USA, genauer in Tennessee, fristet der ehemalige Blues-Musiker Lazarus (Samuel L. Jackson) sein kärgliches Dasein als Farmer. Seine Frau Rose (Adriane Lenox) hat ihn verlassen und ist nun ausgerechnet mit seinem ehemals besten Freund zusammen. Der ehemals sehr gläubige Lazarus sucht nun sein Seelenheil in der Flasche. Eines Tages findet er jedoch mitten auf der Straße vor seinem Haus die übel zugerichtete Rae (Christina Ricci). Er beginnt sie aufopfernd zu pflegen. Als er jedoch erfährt, dass es sich bei ihr um die örtliche "Dorfschlampe" handelt, sieht er es zudem als seine göttliche Prüfung an, Rae wieder auf den Pfad der Tugend zu bringen. Im Verlauf dieser Mission entwickelt er dabei einen beinahe religiösen Wahn.  

Meinung zum Film:
Regisseur und Drehbuchautor Craig Brewer machte zuletzt mit seinem ernsten Ghetto-Musikdrama "Hustle & Flow" auf sich aufmerksam, der u.a. 2006 mit dem Oscar für die beste Filmmusik ausgezeichnet wurde und z.B. auch bei den "Image Awards" und den "Black Movie Awards" einige Auszeichnungen abräumen konnte. Für die männliche Hauptrolle konnte man mit Samuel L. Jackson ("Snakes on a Plane") einen absoluten Charakterkopf mit Kultfigurpotential verpflichten, der wohl spätestens seit seinem Auftritt in Tarantinos "Pulp Fiction" jedem Filmfreund ein Begriff sein dürfte. An seiner Seite spielt in der weiblichen Rolle Christina Ricci ("Monster"), die karrieretechnisch seit ihrem Gruselthriller-Hit "Sleepy Hollow" eher auf Sparflamme kochte und hier auch völlig gegen ihr Image gecastet wurde. Zu den beiden gesellt sich mit Justin Timberlake ("Alpha Dog") ein weiteres prominentes Gesicht, das aber hier einen ganz schwachen Eindruck hinterlässt, aber glücklicherweise auch nicht viel Spielzeit für sich reklamieren kann. "Black Snake Moan" eilte in der Presse teilweise ein Ruf voraus, der bei ernsthafter Betrachtung des Films schwerlich haltbar sein dürfte, so war sich z.B. "Welt Online" nicht zu schade, die Kinobesprechung des Films unter der Überschrift "Fessel-Sado-Sex mit Christina Ricci" zu präsentieren.

Keine Frage, Samuel L. Jackson nimmt man die Rolle des gealterten Bluesmusikers ohne Vorbehalte ab und seine Bildschirmpräsenz dürfte wohl auch unbestritten sein. Außerdem dürfte Christina Ricci in dieser äußerst mutigen Rolle, inklusive viel Textilfreiheit und völlig gegen ihr Image besetzt, ihren Kritikern erstmal den Wind aus den Segeln nehmen. Aber wer hat bloß außer Acht gelassen, dass man für einen guten Film auch ein anständiges Drehbuch benötigt und nicht nur ein paar leere Seiten mit Bildern zum Ausmalen. Die vorliegende Konzeptions- und Inhaltslosigkeit ist wahrlich erschreckend, ohne dass direkt von einem schlechten Film gesprochen werden kann. Der provokative Charakter des Films erschöpft sich aber schon komplett in der Figur der Rae. In der Kindheit mehrfach missbraucht macht sie nun für jeden Kerl die Beine breit und darf sich später auch noch leicht bekleidet und lasziv in Ketten räkeln.

Auf der inhaltlichen Ebene ist der Film jedoch zutiefst unentschlossen und wenig ausformuliert. Im weitesten Sinne geht es um mehrere, vom Leben gebeutelte Charaktere, die sich gegenseitig Halt geben. Hier spielen auch die Motive Liebe und Vergebung eine große Rolle. So ist dann auch die Rolle des Lazarus als Vaterersatz für die junge Rae angelegt, der religiöse Fanatismus dieses Charakters wird aber nur angedeutet und schließlich wieder komplett zurückgenommen. Um einen Bluesfilm handelt es sich hier aber mit Sicherheit auch nicht. Die Musikeinlagen sind nicht so zahlreich wie man denken könnte, und weder diese Auftritte noch die südstaatliche Location sind das eigentliche Zentrum des Films. Überhaupt verliert sich der Film in seiner völlig überzogenen Spieldauer zwischenzeitlich schonmal im Nirgendwo und kann sich beispielsweise mit seinem zuckersüßen Ende auch nicht annähernd als ernstzunehmendes Drama profilieren.  

Digitale Aufarbeitung:
Die Schärfe der DVD ist sehr überzeugend ausgefallen und bietet viele Details. Bei der Farbgebung kommen zwar einige Stilmittel zum tragen, insgesamt kann man aber immer noch von einer größtenteils kräftigen und natürlichen Einfärbung sprechen. Das minimale Bildrauschen ist kaum auszumachen. Die Dialoge des Films sind zu jeder Zeit klar und gut verständlich. Die Musikpassagen können klanglich ebenfalls überzeugen, insgesamt ist der Film aber doch stark frontlastig ausgefallen.

Das interessanteste Extra auf der DVD ist sicherlich der Audiokommentar von Regisseur und Drehbuchautor Craig Brewer, der einige interessante Hintergrundinformationen zum Film zu bieten hat und zudem auch über deutsche Untertitel verfügt. "Im Konflikt: Das Making Of von Black Snake Moan" (27:56) kann hingegen deutlich weniger überzeugen. Zwar kommen einige Verantwortliche zu Wort, mit Lob für alle Beteiligten wird aber nicht gespart, während man zur Entstehungsgeschichte des Films vor allem die gängigen Worthülsen präsentiert bekommt. "Black Snake Moan" (9:05) befasst sich ausschließlich mit der Entstehung der Szene, in der der titelgebende Song zum Tragen kommt, während "Wurzeln des Blues" (12:41) vor allem für Freunde der Filmmusik durchaus interessant sein dürfte. Den Abschluss der Extras bilden fünf entfernte Szenen (11:57), sowie eine Fotogalerie. Lobenswerterweise verfügen alle Extras über zuschaltbare deutsche Untertitel.  

Fazit:
"Black Snake Moan" ist ein eher seichtes Drama mit zwei absolut überzeugenden Darstellern, aber einem völlig enttäuschenden Drehbuch ohne Tiefgang, Dramatik und Tempo, da können auch einige humorvolle Einlagen nicht mehr helfen. Die DVD selbst ist dagegen technisch sehr gut und auch die Extras können sich insgesamt durchaus sehen lassen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,40:1
2,40:1
110:00 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Türkisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch, Englisch, Türkisch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar von Regisseur/Drehbuchautor Craig Brewer
  • Im Konflikt: Das Making-Of von "Black Snake Moan"
  • "Wurzeln im Blues"
  • "The Black Snake Moan"
  • Entfernte Szenen
  • Fotogalerie
Black Snake Moan - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Black Snake Moan
Black Snake Moan

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Kein kontroverser Film, sondern eher ein gutes Beispiel für ein ganz schwaches Drehbuch


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2007
Regie:
Craig Brewer
Drehbuch:
Craig Brewer
Darsteller:
Samuel L. Jackson, Christina Ricci, Justin Timberlake, S. Epatha Merkerson, John Cothran Jr., David Banner

Label Deutschland :
Paramount Home Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
14.02.2008