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DVD-Besprechung - Das wahre Leben
Story:
Sybille (Katja Riemann) und Roland Spatz (Ulrich Noethen) führen ein gutbürgerliches Vorstadtdasein auf gehobenem Wohlstandsniveau. Als jedoch Roland Spatz seinen Job verliert, weil ausgerechnet der Pharmakonzern, den er selbst an die Börse gebracht hat, zum Übernahmekandidaten wurde, gerät das geordnete Familienleben der Spatzens aus den Fugen. Roland Spatz hat offensichtlich keine Ahnung von dem, was in den letzten 14 Jahren in seiner Familie gelaufen ist, während eben jene Familie ihn im trauten Heim nur noch als störenden Fremdkörper wahrnimmt.
Meinung zum Film:
"Das Wahre Leben" ist der dritte Langfilm des eidgenössischen Regisseurs Alain Gsponer ("Rose"). Wie auch schon bei "Rose" war Alex Buresch ("Such mich nicht") für das Drehbuch verantwortlich, diesmal wurde er aber von Matthias Pacht ("Der Rattenkönig") unterstützt. Die deutsch-schweizerische Koproduktion entstand u.a. mit der Unterstützung des Bayrischen Rundfunks, des Südwestrundfunks und des Schweizer Fernsehens. Zudem wurde der Film durch die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg sowie den FilmFernsehFonds Bayern gefördert. In den Hauptrollen finden sich bekannte deutsche Schauspieler wie Ulrich Noethen ("Silberhochzeit") oder Katja Riemann ("Ich bin die Andere") und talentierte Nachwuchsdarsteller wie Volker Bruch ("Beste Zeit") oder Hannah Herzsprung ("Vier Minuten").
Im Zusammenhang mit "Das Wahre Leben" fällt nicht umsonst häufiger der Name von Sam Mendes Meisterwerk "American Beauty". Beide Filme zielen darauf ab, einen Blick hinter die heile Fassade der Vorstadt zu werfen und der typischen Vorzeigefamilie die Maske des Biedermanns vom Gesicht zu reißen. Allerdings realisiert das deutsche Gegenstück von "American Beauty" nur wenig von dem, was dem großen Vorbild so vortrefflich gelingt. Dem pointierten Humor begegnet man in "Das Wahre Leben" ebensowenig wie den vielschichtigen, schillernden Charakteren am Rande des Wahnsinns, die dem Zuschauer in "American Beauty" so ans Herz wuchsen. Stattdessen wirkt die gesamte Inszenierung des Films ähnlich bieder und gelangweilt wie die Strukturen, die er eigentlich hinterfragen möchte. Gerade bei den handelnden Figuren ist man sich leider für kein Klischee zu schade, die frustrierte Ehefrau, der rund um die Uhr arbeitende Ehemann und Karrieremensch oder die junge, trotzige Rebellin, die sich aufgrund der Vernachlässigung durch ihre reichen Eltern in Alkohol und Drogen flüchtet.
Diese aufgrund ihrer Schlichtheit unglaubwürdig wirkenden Charaktere schmälern dann auch die teilweise wirklich professionellen Leistungen der Darsteller. Besonders Ulrich Noethen vollzieht hier den mit Bitterkeit und Humor durchsetzten Wandel vom Workaholic zum Familienmenschen auf äußerst gelungene Art und Weise. Leider stimmt die Chemie zwischen Ulrich Noethen und Katja Riemann überhaupt nicht. Es wirkt überhaupt nicht glaubwürdig, wenn ausgerechnet Katja Riemann, die wie ein emotionaler Gefrierschrank agiert, plötzlich ihr Mutterherz für die Nachbarstochter entdeckt oder das Drehbuch den Zuschauer glauben machen möchte, Sybille hätte jemals Rolands Liebe erwidert. Provokativ ist der Film leider gar nicht, auch wenn man beim Finale offensichtlich sehr intensiv das Vorbild studiert hat, mit einem schwulen und einem bombenbauenden Sohn gelingt einem jedenfalls nicht der Sprung aus der Durchschnittlichkeit. Leider ist der Film auch mindestens 20 Minuten zu lang geraten und versucht am Ende noch auf Teufel komm raus, rührselig zu werden, obwohl in den 80 Minuten zuvor kaum mal eine wirklich emotional an die Substanz gehende Sequenz aufgefahren wurde.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild weist leider ein ziemlich starkes Rauschen auf, darunter leidet naturgemäß auch die Schärfe. Der Kontrast und die Farbsättigung sind aber stets zufriedenstellend. Die deutsche Tonspur des Films ist zu jeder Zeit gut verständlich, eine besonders spektakuläre Soundkulisse sollte man bei diesem dialoglastigen Film aber nicht erwarten.
Die Extras auf der DVD sind sehr spärlich ausgefallen. Highlight im Bonusbereich ist noch das Interview mit Regisseur Alain Gsponer sowie den Darstellern Josef Mattes und Volker Bruch (14:51). Das Interview wirkt recht lebendig, wenn auch etwas unmoderiert, und es gibt die eine oder andere Anekdote oder Hintergrundinformation zu den Dreharbeiten bzw. zum Casting. Man wird aber nicht gerade mit Informationen erschlagen und teilweise schweift die Runde doch ein wenig zu sehr ab. Ansonsten gibt es lediglich den Trailer zum Film, eine Kurzbiographie von Alain Gsponer (2 Bildschirmseiten), eine Fotogalerie und den Soundtrack zum Film (1:28), der lediglich aus dem Menü abspielbar ist.
Fazit:
"Das Wahre Leben" hat sich thematisch mit der Nähe zu "American Beauty" viel vorgenommen und bietet auch zu Beginn keinen schlechten Einstieg in die Materie. Die klischeehaften Charaktere und die dröge Inszenierung ohne eine starke emotionale Bindung an die Charaktere zerstören jedoch den guten Eindruck und lassen den Film irgendwo in der Durchschnittlichkeit versumpfen. Technisch ist die DVD eher zufriedenstellend als gut, zudem sind die Extras zum Film extrem spärlich ausgefallen.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,78:1
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103:08 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch für Hörgeschädigte |
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Bonusmaterial:
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- Trailer
- Interview mit Regisseur Alain Gsponer und den Darstellern Josef Mattes und Volker Bruch
- Biographie von Alain Gsponer
- Fotogalerie
- Soundtrack zum Film
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Das Wahre Leben
Das Wahre Leben
Leider kein "German Beauty", dafür aber viele Klischees und wenig Tiefgang oder Emotionalität
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland / Schweiz, 2006 Regie: Alain Gsponer Drehbuch: Alex Buresch, Matthias Pacht Darsteller: Katja Riemann, Ulrich Noethen, Hannah Herzsprung, Josef Mattes, Volker Bruch, Alexander Thorsten Held
Label :
Arthaus
Verkaufsstart : 22.02.2008
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