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DVD-Besprechung - Berlin Alexanderplatz (Arthaus Premium)

Story:
Franz Biberkopf (Heinrich George) wird im Jahr 1928 nach 4 Jahren Haft wegen Totschlags an seiner ehemaligen Geliebten aus dem Zuchthaus Berlin-Tegel entlassen. Er hat beschlossen, von nun an ein ehrlicher Mensch zu sein. Nach einer kurzen Karriere als Straßenverkäufer gerät er jedoch schon wieder in die Fänge des kriminellen Reinhold (Bernhard Minetti), der ihn unwissend für einen Beutezug einspannt. Diese Bekanntschaft nimmt für Franz Biberkopf einen denkbar tragischen Verlauf und von einem Dasein als unbescholtener Bürger will er schon bald nichts mehr wissen.

Meinung zum Film:
"Berlin - Alexanderplatz" beruht auf dem gleichnamigen Roman von Alfred Döblin aus dem Jahr 1929. Das Buch gilt als Roman der klassischen Moderne, ist aber auch ein experimenteller Text und ein Vertreter der "Neuen Sachlichkeit", also am damaligen Zeitgeschehen orientiert. Der Text ist allerdings in gewisser Weise inhomogen, da er auch expressionistische Motive einfließen lässt. Ein spezielles Merkmal des Romans ist die verwendete Montagetechnik, besonders der Einbau zeitgenössischer Sachtexte, wie Plakate, Verordnungen, etc. Der Roman wurde im Jahr 1980 im Auftrag des WDR erneut verfilmt, diesmal von Rainer Werner Fassbinder ("Satansbraten") als Mammutprojekt in 13 Teilen plus Epilog mit einer Gesamtlaufzeit von beinahe 15 Stunden.

"Berlin - Alexanderplatz" kann mit Heinrich George ("Metropolis") einen der profiliertesten deutschen Theater- und Filmschauspieler seiner Zeit aufbieten, dem die Rolle des Franz Biberkopf nicht nur optisch auf den Leib geschrieben zu sein scheint. Der Zuschauer empfindet viel Zuneigung für den einfach gestrickten, aber äußerst sympathischen Biberkopf und nimmt aufgrund Georges grandioser Vorstellung großen Anteil an seinem tragischen Schicksal. Der Film bietet neben einem sehr lebhaften Eindruck der zeitgenössischen, modernen Großstadt Berlin auch einiges an humorvollen Szenen.

Vergeblich sucht man in dem Film jedoch nach der Charaktertiefe der literarischen Vorlage, dessen verwendeter Montagetechnik oder gar der hervorgehobenen Konfrontation der völlig unterschiedlichen Charaktere Biberkopf und Reinhold. Überhaupt ist die Geschichte des Romans extremen Kürzungen, sowie diversen Detailveränderungen unterworfen worden, die der literarischen Vorlage nicht mehr wirklich gerecht werden können. Besonders schwer wiegt jedoch der abgeänderte Romanausgang. Das Filmende wirkt schlichtweg extrem naiv und optimistisch, hier wird der ernste Unterton der Vorlage scheinbar völlig über Bord geworfen, womit sich der Regisseur Piel Jutzi ("Der Fremde mit der Teufelsfratze") keinen Gefallen getan hat.  

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild des Films überrascht zunächst positiv mit guter Schärfe und nur sehr wenigen Verschmutzungen und Beschädigungen. Ein deutliches Bildrauschen ist aber ebenso vorhanden wie Laufstreifen, das größte Manko sind jedoch zahlreiche Jump-Cuts. Für einen S/W-Film aus dem Jahr 1931 kann das Bild aber insgesamt überzeugen. Weniger positiv fällt das Fazit jedoch im Bereich Ton aus. Die Tonspur weist beinhaltet Knacken und Rauschen, die Tonspur klingt dumpf und scheppert teilweise, zudem gibt es auch immer wieder Schwankungen in der Lautstärke. Insgesamt leidet die Verständlichkeit des Films unter diesen Mankos ein wenig, so dass die Untertitel nicht nur für Hörgeschädigte eine interessante Alternative darstellen.

Der Premium-Edition von "Berlin - Alexanderplatz" liegt eine gesonderte Audio-CD mit dem ebenfalls auf dem Roman basierenden Hörspiel "Die Geschichte vom Franz Biberkopf" (81:52) aus dem Jahr 2007 bei. Es basiert auf dem Originalhörspielmanuskript von Alfred Döblin aus dem Jahr 1930 und wurde vom SWR, dem RBB und dem Bayrischen Rundfunk zum 50. Todestag des Autors produziert. Trotz namhafter Sprecher, wie z.B. Florian Martens oder Rolf Zacher leidet das in Berliner Mundart gehaltene Stück jedoch unter einigen konzeptionellen Schwächen. Trotz professioneller Sprecher wirkt gerade Andreas Leupold in der Rolle des Franz Biberkopf rein stimmlich fehl besetzt, die Dialogregie wirkt trotz Textnähe ein wenig verschlafen und die Atmosphäre wirkt zu steril und studiohaft. Eher schauderhaft sind zudem "modernisierte" Sprechgesangseinlagen, sowie Teile der Geräuschkulisse, bei der z.B. die Motorengeräusche aktueller Fahrzeuge, mehr schlecht als recht, Verwendung fanden. Das Highlight im Bonusbereich ist sicher die sehr detaillierte und bewegende Dokumentation über den Hauptdarsteller Heinrich George "Wenn sie mich nur spielen lassen" (65:08) aus dem Jahr 1996. Neben ausführlichen biographischen Details und zahlreichen Film- und Theaterausschnitten liegt ein besonderer Schwerpunkt der Dokumentation in der Aufarbeitung von Leben und Werk Heinrich Georges in der Zeit des Nationalsozialismus, sowie den persönlichen und beruflichen Folgen für Heinrich George nach Kriegsende. Abgerundet werden die Extras durch filmhistorische Dokumente im DVD-ROM-Bereich (14 Seiten), eine Fotogalerie, eine Biographie von Heinrich George (7 Seiten), sowie ein beiliegendes 12-seitiges Booklet mit interessanten Details.  

Fazit:
"Berlin - Alexanderplatz" lebt vor allem von der grandiosen Leistung Heinrich Georges und sticht als Spiegelbild des zeitgenössischen Berlins hervor. Einem Vergleich mit der literarischen Vorlage kann der Film jedoch in keinster Weise standhalten, auch wenn er einige Elemente des Romans auf die Leinwand herüber rettet. Die Premium-Edition des Films brilliert mit überzeugender Bildqualität und einigen interessanten Extras, bei der Tonqualität müssen allerdings einige Abstriche gemacht werden.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
83:29 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial:
  • Hörspiel von 2007 "Die Geschichte vom Franz Biberkopf" (Audio-CD)
  • Heinrich-George-Dokumentation "Wenn sie mich nur spielen lassen"
  • Fotogalerie
  • Biographie von Heinrich George
  • Filmhistorische Dokumente (DVD-ROM-Bereich)
  • 12-seitiges Booklet
Berlin Alexanderplatz (Arthaus Premium) - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Berlin - Alexanderplatz
Berlin - Alexanderplatz

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein genialer Heinrich George in einer Literaturverfilmung, die ihrer Vorlage nicht ganz gerecht wird


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 1931
Regie:
Piel Jutzi
Drehbuch:
Karl Heinz Martin, Hans Wilhelm, Alfred Döblin (basierend auf dem Roman von Alfred Döblin)
Darsteller:
Heinrich George, Maria Bard, Margarete Schlegel, Bernhard Minetti, Gerhard Bienert, Albert Florath

Label Deutschland :
Arthaus
Verkaufsstart Deutschland :
22.02.2008