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DVD-Besprechung - Ghosts of Cité Soleil
Story:
Das Haiti des Jahres 2004 ist ein Land im Bürgerkrieg. Es wird nur noch mühsam durch die Gewaltherrschaft des gewählten Präsidenten Jean-Bertrand Aristide zusammengehalten, der mit Hilfe der Gangs von Cité Soleil, den sogenannten "Chimären", seine politischen Gegner ausschaltet und sich somit eine zweite bewaffnete Exekutive geschaffen hat. Allerdings hat sich längst eine Rebellenarmee aus ehemaligen Weggefährten Aristides formiert, die den Marsch auf den Präsidentenpalast und die Ablösung Aristides anstrebt.
Meinung zum Film:
"Ghosts of Cité Soleil" ist eine Dokumentation des dänischen Filmemachers Asger Leth, die unter Lebensgefahr an Originalschauplätzen auf Haiti, genauer in der Hauptstadt Port-au-Prince, im namensgebenden Viertel Cité Soleil, entstanden ist. Einer der Produzenten der Dokumentation war der aus Haiti stammende, weltbekannte Musiker Wyclef Jean, der neben seiner Solokarriere vor allem als Mitglied der Fugees berühmt wurde und auch den Soundtrack zum Film beisteuerte. Asger Leth wurde im Jahr 2008 für die Dokumentation mit dem "DGA Award" der Directors Guild of America als "Outstanding Directorial Achievement in Documentary" ausgezeichnet.
"Ghosts of Cité Soleil" lebt als Dokumentation von ihrer Dynamik und dem unverfälschten, authentischen Blick auf ein Land im Ausnahmezustand. In der Dokumentation liegen Verzweiflung und Hoffnung sowie menschliche Stärken und Schwächen eng beieinander. Asger Leth gelang es inmitten der instabilen Verhältnisse dieser Zeit, die beiden Brüder und gegensätzlichen Gangleader der "Chimären", 2Pac und Bily, hautnah mit der Kamera zu begleiten. Der Unberechenbarkeit der Verhältnisse folgend setzt die Dokumentation auf eine moderne, sehr dynamische Bildsprache unter besonderem Einsatz der Handkamera. Die dabei entstandenen Bilder wirken unverfälscht und sehr eindringlich. Tod, Verzweiflung und Hunger prägen das Leben der verarmten Bevölkerungsschichten. In den Ghettos der Stadt herrschen die Gangs der "Chimären", die sich die Stadt untereinander aufgeteilt haben. Aber auch sie sind nur Marionetten auf dem Schachbrett von Präsident Aristide, der die Gangs dazu benutzt, seine politischen Rivalen in Angst und Schrecken zu versetzen. Geraten die Gangmitglieder jedoch in Schwierigkeiten, lässt Aristide sie nur allzu häufig einfach im Stich oder spielt sie gegen andere Parteien aus. So nährt Aristide schließlich die Wurzeln seines eigenen Untergangs, viele unzufriedene, ehemalige Weggefährten formieren sich zu einer Rebellenarmee.
Asger Leth zeichnet in seiner Dokumentation ein düsteres Bild verzweifelter Menschen als Produkt der zerrütteten Umstände, in die sie hineingeboren wurden. Die Stadt steht unter Waffen, Gewalt ist an der Tagesordnung und während Bily Aristide die Treue hält, träumt 2Pac von einer Karriere als Musiker. "Ghosts of Cité Soleil" gelingt es dabei weder, das Leben der beiden Gangleader zu glorifizieren, noch ihre Lebensweise zu verdammen. Beide Männer reden viel über den Tod, markieren oft den starken Mann, thematisieren aber auch den Teufelskreis aus Armut und Gewalt und zeigen, wie z.B. 2Pac gegenüber seinem Kind auch ihre menschlichen Seiten. Die Dokumentation liefert zudem Hintergrundinformationen über die allgemeine Situation im Land und die näherrückende Rebellenarmee, während die Lage für die Gangs von Cité Soleil in der Zwischenzeit immer aussichtsloser wird. Was der Dokumentation bei aller Authentizität und der Vielschichtigkeit ihrer Darstellung leider ein wenig abgeht, ist ein durchgehender roter Faden und eine tiefergehende Befragung der Hauptpersonen. Das ist zwar sicherlich der gefährlichen Situation und den besonderen Drehbedingungen geschuldet, hinterlässt aber auch einiges an Fragezeichen beim interessierten
Zuschauer. Die Dokumentation liefert somit beklemmende Bilder aus einer ungewöhnlichen Perspektive und sehr lebhafte Impressionen aus einer absoluten Ausnahmesituation, hin und wieder wird "Ghosts of Cité Soleil" aber ein Opfer seiner eigenen Dynamik. Der Zuschauer wird mitgerissen, weiß aber nicht immer, in welche Richtung und wird oft schon wieder weitergetragen, ohne die Eindrücke wirklich verarbeiten oder einordnen zu können.
Digitale Aufarbeitung:
Die Dokumentation verwendet einige Stilmittel, deshalb wirkt das Bild verfremdet und weist teilweise einen sehr steilen Kontrast auf. Die Schärfe bewegt sich eher im zufriedenstellenden Bereich zudem weist das Bild häufiger ein deutliches Rauschen auf. Auf der DVD befinden sich zwei deutsche Tonspuren, den Originalton sucht man hingegen vergeblich. Glücklicherweise ist die deutsche Synchronisation aber professionell und zu jeder Zeit gut verständlich, auch das Voice-over-Verfahren wirkt sich hier nicht nachteilig aus. Die Songtexte wurden sinnigerweise im Original belassen und Deutsch untertitelt.
Auf der DVD befindet sich lediglich der deutsche Kinotrailer zum Film.
Fazit:
"Ghosts of Cité Soleil" ist eine ungewöhnliche Dokumentation mit großer Dynamik und sehr interessanten Einblicken in eine Welt jenseits der täglichen Nachrichten. Insofern ist es verzeihlich, wenn der rote Faden hin und wieder ein wenig verloren geht oder die Eindrücke der Bilder den eigentlichen Inhalt überlagern. Technisch ist die DVD zufriedenstellend, nennenswerte Extras gibt es allerdings nicht.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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85:23 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Deutsch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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Ghosts of Cité Soleil
Ghosts of Cité Soleil
Beklemmende Bilder aus einer anderen Welt - Ein Land im Ausnahmezustand
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Dänemark / Haiti / USA, 2006 Regie: Asger Leth, Milos Loncarevic Drehbuch: Asger Leth
Label :
MFA+
Verkaufsstart : 13.03.2008
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