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DVD-Besprechung - The Room
Story:
Melinda (Caroline Veyt) wohnt mit ihren fast 30 Jahren noch zu Hause und kümmert sich um ihren Bruder Alex (Pascal Duquenne), der am Down-Syndrom leidet und außerdem am Rollstuhl gefesselt ist. Keine Hilfe ist für sie ihr kleiner Bruder John (Henri Luyckx), der sich lieber über Alex lustig macht, anstatt mitzuhelfen. Die Eltern Max (Philippe Résimont) und Marie (Françoise Mignon) haben nichts für Alex übrig und haben genug mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen: Marie fühlt sich von ihrem Mann ungeliebt, der seit Jahren erfolglos versucht, eine Musikerkarriere zu beginnen und so gefrustet ist, dass er auch vor häuslicher Gewalt nicht zurückschreckt. Kurz vor dem endgültigen Auszug Melindas entdeckt die Familie eine seltsame Tür im Haus und der kleine John verschwindet dahinter spurlos.
Meinung zum Film:
Giles Daoust drehte 2004 „Last night on earth“ und liefert mit „The Room“ erst seine zweite Arbeit ab, für die er als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent in Personalunion tätig war. Der dato gerade mal 27-jährige Daoust kann mit seinem „Room“ dabei ein Werk vorweisen, das durch seinen Inhalt, seine schwer in ein Genre einzuordnende Art, durch seine Konzentration auf das Wesentliche und nicht zuletzt durch eine tolle Kameraarbeit einen dauerhaften und nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer hinterlassen kann.
Zuerst fällt Daousts offensichtlich tief ausgeprägte Liebe zu Stanley Kubricks “Shining“ auf, denn sein „Room“ beginnt mit dem berühmten Zitat „All work and no play makes Jack a dull boy“, bzw. in der deutschen Fassung des Horrorklassikers „Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“. Es geht im Anschluss gleich weiter mit Alex, der vor dem Fernseher sitzt und eine Zeichentrickvariante von „Shining“ betrachtet. Nicht zuletzt ist dann noch der Soundtrack auffällig, der sich mehrmals bei Kubricks Horrorfilm bedient. Dies alles hat den DVD-Verleih wohl dazu getrieben, dem „Room“ auf dem Rückentext der DVD-Hülle zu bescheinigen, die „belgische Antwort auf The Shining“ zu sein. Leider weckt dies beim Zuschauer eine Erwartungshaltung, die der Film weder einhalten kann noch will. Viel mehr ist er ein schwer verdauliches Drama über eine vollständig zerrüttete Familie, die sich gegenseitig nur noch mit Sarkasmus und Gewalt begegnet. Die 30-jährige Melinda, die sich als einzige um ihren am Down-Syndrom erkrankten älteren Bruder gekümmert hat, ist schwanger und möchte daher das Elternhaus verlassen. Damit wäre die einzige noch „normale“ Person der Familie nicht mehr da. Doch als zunächst der Freund von Melindas kleinem Bruder John im ersten Stock des Hauses eine seltsame Tür entdeckt und gleich darauf spurlos verschwindet, bricht das ohnehin nicht vorhandene Familienidyll komplett zusammen. John verschwindet ebenfalls hinter der Tür, es kann niemand mehr das Haus verlassen und der am meisten von allen gefrustete Vater ist vollkommen von der Rolle. Zwischen allem stehen Melinda und ihr behinderter Bruder, über die wir in Schwarz-Weiß gehaltenen Rückblenden mehr erfahren. Überhaupt spielen die Farben eine große Rolle in Daousts Film, denn meist überwiegt ein steriles Blau im Wechsel mit roten Gegenständen, die aus dem Schwarz-Weiß einiger Szenen stets hervorstechen.
Wie eingangs erwähnt kann man diesen Film schwer in ein Genre einordnen, am Ende bleibt der Zuschauer mit einem Mix aus seltsamen Gefühlen zurück, die durch die besondere Optik des Films, durch den bedrohlichen Soundtrack und durch die erschreckende Art, wie degeneriert vor allem die Eltern der Familie miteinander umgehen, hervorgerufen wird. Keinesfalls sollte man sich auf einen reinen Horrorthriller freuen, denn außer durch die Geschichte mit der Tür und einer unappetitlichen Szene gegen Ende zieht der Film seinen Horror eher durch das Verhältnis der Familienmitglieder untereinander. Die Darsteller, die hierzulande komplett unbekannt sind, machen ihre Arbeit dabei ebenfalls sehr gut, vor allem bleibt Philippe Résimont als Max in Erinnerung, der hier reichlich beabsichtigtes Overacting betreibt und damit überzeugen kann. Fast schon nebensächlich ist dann der Story-Twist am Ende, den man tatsächlich nur beiläufig zur Kenntnis nimmt, zu sehr ist man durch die knapp 75 Minuten Nettolaufzeit von „Room“ noch eingenommen von dem zuvor Gesehenen und Gehörten. Insgesamt ist dieser Film ein klares „Nein!“ für Horrorfreunde, die sich einfach nur unterhalten lassen wollen, dafür aber ein lautes „Ja!“ für alle diejenigen, die sich gern mal auf etwas anderes einlassen möchten.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist sehr gut geworden und die meist sterile Optik dieses Films wurde sehr gut auf das Medium DVD übertragen. Die Schärfe, die Farbgebung und der Kontrast geben keinen Anlass zum Klagen. Der deutsche Ton liegt wahlweise in Dolby Digital 2.0 oder Dolby Digital 5.1 vor. Die 5.1er-Spur bietet gelegentliches Futter für die hinteren Lautsprecher, ein Effektefeuerwerk sollte allerdings nicht erwartet werden. Die Dialogverständlichkeit ist stets gut.
An Extras gibt es lediglich den deutschen und den französischen Trailer, sowie eine kleine Bildergalerie mit Artwork zum Film. Ein Making of wäre bei diesem Film sehr interessant gewesen.
Fazit:
„The Room“ wird fälschlicherweise als reiner Horrorfilm beworben, was dem Film selbst aber nicht gerecht wird. Viel mehr gibt es hier ein schwer verdauliches Familiendrama zu sehen, welches einige Gruselelemente bietet und durch seinen visuellen und akustischem Stil für eine längere Nachhaltigkeit beim Zuschauer sorgt. Für Freunde des anderen Kinos ist dieser Film eine klare Empfehlung, Fans des gepflegten Horrorfilms sollten jedoch lieber etwas anderes einschalten.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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79:15 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Deutsch Dolby Digital 2.0 | Französisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Deutscher und französischer Trailer
- Bildergalerie
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The Room
The Room
Ein ungemütliches Familiendrama mit leichtem Horroreinschlag
Autor der Besprechung:
Andreas Schultz
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Belgien, 2006 Regie: Giles Daoust Drehbuch: Giles Daoust Darsteller: Pascal Duquenne, Maximilien Jouret-Maron, Henri Luyckx, Françoise Mignon, Philippe Résimont, Caroline Veyt
Label :
Atomik Films
Verkaufsstart : 13.03.2008
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