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DVD-Besprechung - Damals nach dem KRIEG
Story:
Nach dem Kriegsende 1945 steht Deutschland vor einer ungewissen Zukunft und einem Berg von Problemen. Schlagworte wie Trümmerlandschaften, Freigelassene, Heimatlose, Besatzer, Hunger oder Entnazifizierung bestimmen das tägliche Leben. Die siegreichen Alliierten, in dieser Frage selbst uneins, müssen den Wiederaufbau Deutschlands einleiten, jedoch unter dem Vorbehalt, dass sich die schrecklichen Ereignisse der Vergangenheit nicht wiederholen können. Mit Hilfe von Zeitzeugen werden verschiedene Aspekte des Alltags nach dem Ende des Krieges aufgearbeitet und illustriert.
Meinung zum Film:
"Damals nach dem KRIEG" ist eine vierteilige Dokumentation aus dem Jahr 2007. Die Reihe ist eine Koproduktion des MDR, des WDR und der LOOKS Film & TV GmbH und wurde von der Mitteldeutschen Medienförderung mit Unterstützung des MEDIA Programms der Europäischen Union gefördert. Die Serie wurde vom 11.2. bis zum 3.3.2008 wöchentlich in der ARD ausgestrahlt. Bereits 2005 war das Team um Serienregisseur Karsten Laske und Produzent Gunnar Dedio für die mittlerweile zehnteilige Dokumentation "Damals in der DDR", ebenfalls eine Koproduktion von MDR, WDR und LOOKS, mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet worden.
Konzeptionell setzt auch "Damals nach dem KRIEG" sehr stark auf Zeitzeugen, die ja seit der Ägide des populärwissenschaftlichen ZDF-Chefhistorikers Guido Knopp ("Hitlers Helfer") im Bereich des sogenannten "Histotainment", der Verknüpfung von historischen Fakten und Unterhaltung, zum guten Ton gehören. Die Kernelemente der Reihe sind Zeitzeugenberichte aktuellen Datums, diverses Propagandamaterial aus verschiedenen in- und ausländischen Wochenschauen, sowie der Illustration dienende Spielszenen. Dieses montierte Material wird zudem von einem Sprecher aus dem Off kommentiert. Die Dominanz der Zeitzeugen ist offensichtlich bewusst gewählt. Die Verantwortlichen setzen innerhalb dieser Reihe vor allem auf mainstream-taugliche Geschichtsaufarbeitung, das heißt, es ist zwar keinerlei Hintergrundwissen erforderlich, um den Ereignissen auf dem Bildschirm zu folgen, es wird aber auch beim Konsum der Bilderwelten so gut wie kein Hintergrundwissen vermittelt. Der Zeitzeuge als Quelle ist an sich schon problematisch für einen fundierten zeitgeschichtlichen Beitrag, kann aber, je nach Gewichtung des restlichen Materials, mehr oder weniger fundiert einbezogen werden. Grundsätzlich muß aber durch den großen zeitlichen Abstand der Geschehnisse, dem Aufbau des menschlichen Gedächtnisses und der Veränderung sowie Standardisierung der Erinnerungen, z.B. durch die öffentliche Meinung, immer von einer "verfälschten" Darstellung ausgegangen werden. "Damals nach dem KRIEG" nimmt diese Einschränkungen der Präsentation aber bewusst im Kauf und möchte beim Zuschauer vor allem eine emotionale Bindung zu den Vertretern dieser Generation herstellen, die mit den illustrierenden Spielszenen weiter vertieft werden soll.
Die Dokumentation scheitert aber sowohl auf der emotionalen, als auch auf der wissenschaftlichen Seite. Die Zeitzeugenberichte wirken teilweise völlig austauschbar und nicht zeitspezifisch, über ihre Biographien erfährt der Zuschauer beinahe nichts und die Studio-Erzählsituation wirkt alles andere als anregend oder authentisch. Enttäuschend ist aber vor allem das ansonsten verwendete Material, das sich fast ausschließlich auf sattsam bekanntes Wochenschau-Propagandamaterial stützt und hin und wieder durch ebenfalls mittlerweile gut bekanntes Farbmaterial aus Privataufnahmen ergänzt wird. Bereits die Spielszenen wirken furchtbar deplaziert und stellen ein Zugeständnis an ein dokumentarisch-desinteressiertes Publikum dar, schwerer wiegt jedoch die Unterschlagung des politischen Rahmens der alltäglichen Nachkriegsgeschehnisse. So sind wichtige historische Ereignisse wie die Potsdamer Konferenz oder die Nürnberger Prozesse bestenfalls in Nebensätzen versteckte Fußnoten, während der Kommentator gebetsmühlenartig seine predigtartigen Worthülsen absondert und in mindestens jedem dritten Satz die nervtötende Phrase "so war das damals nach dem Krieg" fallen lässt. Das tonale, aufgesetzt melodramatische Klaviergeklimper als Unterlegung und Betonung der bebilderten, tragischen Ereignisse ist ein weiteres nicht zu vernachlässigendes Ärgernis.
Digitale Aufarbeitung:
Die Dokumentation wartet mit einer überzeugenden Bildqualität gehobenen Niveaus auf. Das eingefügte Archivmaterial fällt naturgemäß qualitativ ein wenig ab, wurde aber ebenfalls ansprechend aufbereitet. Die deutsche Tonspur ist zu jeder Zeit, also auch bei dem historischen Archivmaterial, gut verständlich.
Die beiden DVDs werden in einem optisch ansprechenden Digipak mit Pappschuber ausgeliefert. Das "Making Of" (11:20) lässt vor allem die Verantwortlichen der Dokumentation zu Wort kommen und liefert ein paar Informationen zur Konzeption der vierteiligen Dokumentation. Weiterhin gibt es lediglich eine Bildergalerie, ein paar Deleted Scenes (4:07), sowie vollkommen überflüssige Outtakes (2:28).
Fazit:
"Damals nach dem KRIEG" bietet kaum wirkliche Fakten, besitzt dafür aber zahlreiche konzeptionelle Schwächen, wie z.B. den wenig eigenständigen Montagestil oder die Überbetonung von Zeitzeugen und Propagandamaterial, versagt aber auch auf der emotionalen Ebene. Die DVD-Ausgabe von Polyband überzeugt mit schickem Design und guter Technik. Die Extras sind zwar eher spärlich, allerdings bei Dokumentationen dieser Art an sich schon eine löbliche Ausnahme.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,78:1
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4 Folgen à ca. 43 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine Untertitel vorhanden. |
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Bonusmaterial:
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- Making Of
- Fotogalerie
- Deleted Scenes
- Outtakes
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Damals nach dem KRIEG
Damals nach dem KRIEG
Populärwissenschaftliche Dokumentation mit vielen konzeptionellen Schwächen und wenig Konzentration auf Fakten
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2007 Regie: Karsten Laske, Steffen Schneider, Mathias Haentjes Drehbuch: Steffen Schneider, Mathias Haentjes
Label :
Polyband
Verkaufsstart : 22.02.2008
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