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DVD-Besprechung - Die Welle

Story:
„Ihr seid also der Meinung, dass ‘ne Diktatur heute in Deutschland nicht mehr möglich wäre.“ Unter diesem Motto startet Gymnasiallehrer Rainer Wenger (Jürgen Vogel) während einer Projektwoche ein folgenschweres Experiment. Er möchte seinen Schülern die Herrschaftsform der Diktatur und deren Entstehung näher bringen und greift dabei zu schuluntypischen Mitteln. Was recht harmlos mit Begriffen wie Disziplin und Gemeinschaft beginnt, entwickelt schon bald als eine Bewegung namens "Die Welle" eine gefährliche Eigendynamik, die niemand mehr zu kontrollieren vermag.

Meinung zum Film:
"Die Welle" von Morton Rhues ist seit über 20 Jahren der Jugend- und Schullektürenklassiker schlechthin. Es ist ein Roman, der jedoch keine Fiktion ist: Denn der an der Filmproduktion beteiligte Geschichtslehrer Ron Jones führte genau dieses Experiment 1967 im kalifornischen Palo Alto an der Cubberley Highschool durch. Noch Jahre danach beschäftigt dieses Experiment, das so schnell außer Kontrolle geriet und nach fünf Tagen abgebrochen werden musste, Schulklassen weltweit. 1981 wurde der amerikanische Fernsehfilm "Die Welle" erstmals aufgeführt und sorgte schon damals für Aufregung. Selbst Pädagogen zeigten sich beunruhigt darüber, wie erschreckend einfach es ist, Jugendliche für autoritäre Strukturen zu begeistern.

Der deutsche Regisseur Dennis Gansel ("Napola") verfilmte das Buch für das Kino neu. Jürgen Vogel ("Wo ist Fred?") spielt die zentrale Rolle des Geschichtslehrers Rainer Wenger und zeigt von Beginn an eine herausragende schauspielerische Leistung. Die sicherlich größte Veränderung im Bezug auf die Buchvorlage ist, dass das Geschehen nach Deutschland verlegt wurde. Ob ein Experiment mit derartigen Auswirkungen hierzulande überhaupt genehmigt werden würde, sei einmal dahingestellt. Im Film läuft es schleppend an, die Schüler sind zunächst irritiert von den Ideen ihres Lehrers. Doch schon am zweiten Tag beginnt sich die Losung "Macht durch Gemeinschaft" durchzusetzen. Weiße Hemden werden als Uniform eingeführt und dienen als Erkennungsmerkmal für die Mitglieder der Welle untereinander. Das Experiment greift auch auf die Theater-AG und den Wasserballverein über. Statt gegeneinander wird plötzlich miteinander gearbeitet. Während einer Nacht-und-Nebel-Aktion sprühen die Schüler das Zeichen der Welle in der ganzen Stadt, plötzlich werden immer wieder Grenzen überschritten und Gefahren eingegangen. Auch Rainer Wenger sieht dies, doch kann er die Welle nun noch stoppen?

Der Film regt zu Diskussionen an, was mit Sicherheit auch so beabsichtigt ist. Aber was will die Handlung vermitteln? Vielleicht, dass gewisse Entwicklungen einen unvorhersehbaren, rasanten Verlauf nehmen können und so etwas dann noch aufzuhalten vielleicht nicht mehr möglich ist. "Die Welle" zeigt auf, wie das Experiment einer Diktatur ablaufen könnte und kommt damit der Wirklichkeit wahrscheinlich sehr nahe. Scheinbar positive Dinge wie Gemeinschaftssinn, Disziplin, Anerkennung und klare Regeln sind es, aus denen sich der fast blinde Gehorsam der Schüler gegenüber ihrem Lehrer entwickelt. Vor allem für Schulklassen gehört dieser Film daher eigentlich zum Pflichtprogramm.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist einer aktuellen Produktion angemessen gut gelungen und weiß ohne nennenswerte Höhen oder Tiefen zu gefallen. Der gelungene deutsche Ton in wahlweise Dolby Digital 5.1 oder dts macht sowohl über den Soundtrack als auch über die Effekte immer wieder passend auf sich aufmerksam und sorgt dabei für ein gutes Räumlichkeitsgefühl. Als zusätzliche Tonspur gibt es eine Hörfilmfassung für Blinde in Dolby Digital 2.0.

Bereits die Single-Disc-Version von „Die Welle“ hält interessantes Bonusmaterial bereit. Den Beginn macht ein Audiokommentar mit Regisseur Dennis Gansel, Drehbuchautor Peter Thorwarth, Hauptdarsteller Jürgen Vogel, Produzent Christian Becker und der ausführenden Produzentin Nina Maag, der sich in erster Linie mit der Filmtechnik und den Sets beschäftigt. Das Making Of zum Film ist eine Kurzversion der Fassung, die es auf der Premium Edition zu finden gibt. Hierbei gibt es von den Machern einiges über die Hintergründe zu erfahren, unter anderem auch von Ron Jones über die von ihm initiierte „Third Wave“. Es folgt ein sehr interessantes, knapp 30-minütiges Videotagebuch von Regisseur Dennis Gansel, das den Weg von der Idee über die Premiere bis hin zur Vorstellung bei amerikanischen Produktionsfirmen zeigt. Abschließend gibt es noch Teaser und Trailer zu „Die Welle“ und die von Constantin bekannten, knappen Darstellerinfos. (MT)

Fazit:
"Die Welle" behandelt ein brisantes, aktuelles Thema und gibt dieses sowohl zeitgemäß als auch jugendgerecht wieder. Die schauspielerischen Leistungen sind hervorragend und aufgrund seines pädagogischen Wertes empfiehlt sich der Film (oder das Buch) inbesondere für Schulklassen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
102:25 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Untertitel:
Deutsch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar mit Regisseur Dennis Gansel, Drehbuchautor Peter Thorwarth, Hauptdarsteller Jürgen Vogel, Produzent Christian Becker und der ausführenden Produzentin Nina Maag
  • Making Of (Kurzfassung)
  • Videotagebuch von Dennis Gansel
  • Teaser & Trailer
  • Darstellerinfos
Die Welle - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Die Welle
Die Welle

Bild unseres Mitarbeiters Sabine Hut
Ein erschreckend guter Film


Autor der Besprechung:
Sabine Hut

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2007
Regie:
Dennis Gansel
Drehbuch:
Dennis Gansel, Peter Thorwarth
Darsteller:
Jürgen Vogel, Frederick Lau, Max Riemelt, Jennifer Ulrich, Christiane Paul, Elyas M'Barek, Cristina Do Rego, Jacob Matschenz, Maximilian Mauff, Ferdinand Schmidt-Modrow

Label Deutschland :
Constantin Film
Verkaufsstart Deutschland :
09.10.2008