 |
DVD-Besprechung - Frankensteins Ungeheuer
Story:
Nachdem das Labor von Baron Frankenstein (Peter Cushing) wieder mal von Fanatikern zerstört wurde, beschließt er, zusammen mit seinem Assistenten Hans (Sandor Elès) in seine alte Heimat Karlstadt zurückzukehren. Zunächst gelingt es ihm tatsächlich, unerkannt zu bleiben und zu seiner eigenen Überraschung stößt er auf die Kreatur, die er einst zum Leben erweckte, und die vor mehr als 10 Jahren von den Dorfbewohnern zu Tode gehetzt wurde. Um das Monster (Kiwi Kingston) wiederauferstehen zu lassen, benötigt Frankenstein allerdings die Hilfe des Hypnotiseurs Professor Zoltán (Peter Woodthorpe). Dieser verfolgt jedoch seine eigenen Pläne mit der Kreatur.
Meinung zum Film:
"Frankensteins Ungeheuer" aus dem Jahr 1964 ist der dritte Teil der Frankenstein-Reihe aus den Hammer-Studios. Diese Episode ist aber innerhalb der Serie in beinahe jeder Hinsicht eine Besonderheit. Zwar spielt Peter Cushing ("Dracula und seine Bräute") erneut Baron Frankenstein, Regie führte aber nicht Terence Fisher ("Der Fluch von Siniestro"), der zu dieser Zeit mit einem anderen Projekt beschäftigt war, sondern Freddie Francis ("Die Todeskarten des Dr. Schreck"). Rein stilistisch schlägt der Film ebenfalls einen völlig anderen Ton an als der Rest der Serie. Statt dem klassischen englischen Gothic-Horror Marke Hammer wirkt der Film viel eher wie ein Versuch, die Universal-Horrorfilme der 30er- und 40er-Jahre in die farbige Neuzeit hinüberzuretten. In den USA konnte dieser "amerikanischste" Frankenstein der Reihe dann auch durchaus punkten, fiel aber in England beim Publikum gnadenlos durch. Die drei nachfolgenden Frankenstein-Filme mit Peter Cushing folgten daher auch wieder dem bewährten Muster der ersten beiden Filme. Beim Monsterdesign lehnte man sich ebenfalls an Karloffs alte Maskerade an. Das Ergebnis ist ein erbärmlich schlechtes, viereckiges Pappmachè-Design ohne jede Ausdruckskraft, unter dem der neuseeländische Wrestler Kiwi Kingston ("Hysteria") seinen Dienst versieht.
"Frankensteins Ungeheuer" ist nicht nur der unbritischste und schwächste Film der Frankenstein-Reihe, er ist auch für sich betrachtet ein unterdurchschnittlicher, altmodischer Horrorfilm. Selbst die Darstellung von Peter Cushing, das einzige Highlight des Films, leidet unter den mangelhaften Konturen seines Charakters. Frankenstein ist hier so friedlich wie nie, tut keiner Menschenseele etwas zu Leide und erscheint hier vielmehr als verkanntes Genie, das ständig auf der Flucht zu sein scheint. Cushing darf hier weder diabolisch noch eiskalt sein und auch seine kultivierte Arroganz bleibt völlig auf der Strecke. Passend dazu bleibt das Monster, das schon unter seinem lächerlichen Design schwer zu leiden hat, ohne jede Persönlichkeit und ruft beim Zuschauer lediglich ein Gefühl der Distanz hervor. Unsäglich sind aber auch die Kulissen des Films und die Spezialeffekte. Billigste Rückprojektionen, ein völlig unnatürlicher und farblich viel zu poppiger Studiolook, lachhafte Tötungsszenen oder ein Schloss, das Modell- und Malereielemente kombiniert, zerstören bei den Fans angesichts ihrer Lieblosigkeit jegliches Aufkommen der klassischen Hammer-Atmosphäre.
Die Story ist ebenfalls ein unlogisch anmutendes Konglomerat aus unpassend verknüpften einzelnen Versatzstücken, das sich durch zahllose Anschlussfehler und eine Extraportion Langeweile auszeichnet. So stellt Frankenstein z.B. in einer Szene fest, dass das Hirn seiner Kreatur zerstört wurde, ein paar Sätze später ist das Gehirn nach seiner Aussage plötzlich völlig intakt. Der Hypnotiseur hingegen schickt die Kreatur hasserfüllt auf seine einstigen Peiniger, als er das tödliche Ergebnis seiner Taten realisiert, ist er dann aber zutiefst erschüttert, nur um kurz danach wiederum Frankenstein mordlustig mit Mord zu drohen. Auch das taubstumme Mädchen, das sich rührend um die Kreatur kümmert, wurde wohl mit großen Hintergedanken in die Story eingebaut, leider wurde dieser dann aber wohl während des Films fallengelassen und die Figur wirkt einfach vollkommen überflüssig.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist für einen mehr als 40 Jahre alten Film wirklich hervorragend und überzeugt mit sehr guter Schärfe und knalligen Farben. Das Bildrauschen ist nur minimal und auch der Kontrast ist bis auf wenige Überstrahlungen sehr ausgewogen. Auch die beiden Tonspuren sind qualitativ über jedne Zweifel erhaben und bieten eine sehr gute Verständlichkeit.
Bei den Extras sieht es eher spärlich aus. Außer dem interessanten, aber nicht sehr ausführlichen 16-seitigen Booklet gibt es lediglich den englischen Kinotrailer sowie eine Bildergalerie mit seltenem Werbematerial.
Fazit:
"Frankensteins Ungeheuer" ist der absolute Tiefpunkt innerhalb der Hammer-Frankensteinreihe mit Peter Cushing. Die Story ist langatmig, konstruiert und ohne jede Atmosphäre in Szene gesetzt, die Tricks sind lieblos und unfreiwillig komisch, während Peter Cushing in der Hauptrolle hoffnungslos unterfordert wirkt. Hammer-Fans sollten diesen Film besser meiden, auch wenn er hier erstmals in Deutschland mit einer sehr guten Bild- und Tonqualität vorliegt.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
1,85:1
|
83:09 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 2.0 | Englisch Dolby Digital 2.0 |
|
Untertitel:
|
|
Keine Untertitel vorhanden. |
|
Bonusmaterial:
|
- 16-seitiges Booklet
- Englischer Kinotrailer
- Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
|
|  |
Frankensteins Ungeheuer
The Evil of Frankenstein
Im schwächsten Teil der Frankenstein-Reihe kommt leider überhaupt kein Hammer-Feeling auf
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien, 1964 Regie: Freddie Francis Drehbuch: Anthony Hinds Darsteller: Peter Cushing, Peter Woodthorpe, Duncan Lamont, Sandor Elès, Kiwi Kingston, Katy Wild
Label :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart : 22.02.2008
|