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DVD-Besprechung - Postal (Limited Special-Edition)
Story:
Der Postal Dude (Zack Ward) ist ein arbeitsloser Loser und fristet sein Dasein in einem armseligen Trailer Park zusammen mit seiner verfetteten Ehefrau, die für jeden X-Beliebigen die Beine breit macht. Um seiner verkorksten Existenz zu entfliehen, wendet er sich an seinen Onkel Dave (Dave Foley), den Anführer einer Weltuntergangssekte mit lockerer Sexualmoral. Zusammen planen sie den lukrativen Raub einer Wagenladung "Krotchy-Dolls" aus "Little Germany". Aber auch die Taliban sind heiß auf die Puppen, enthalten sie doch den gefährlichen Vogelgrippevirus.
Meinung zum Film:
Uwe Boll ("House of the Dead") ist der absolute Fachmann für in den Sand gesetzte Videospielverfilmungen. Egal, wie hoch das Budget auch sein mag und wieviele abgebrannte Schauspielpromis er auf der Leinwand versammelt, ein Scheitern ist bereits vorprogrammiert. Nicht zuletzt deshalb, weil Boll wohl so ziemlich der einzige ist, der seine Filme ernst nimmt und sich für ein verkanntes Genie hält. Das erste "Postal"-Videospiel versetzte den Spieler seinerzeit in einen Amokläufer und war neben der problematischen inhaltlichen Ebene auch wegen der gewalttätigen Präsentation mehr als umstritten. Spielerisch verfügte "Postal" allerdings über keinerlei Qualitäten und war voller Bugs. Die Filmadaption von Uwe Boll ist allerdings äußerst frei interpretiert und versteht sich lieber als politisch inkorrekte Satire im Stil einer Realfilmvariante von "South Park". Insofern bestand im Vorfeld von "Postal" durchaus die Hoffnung, Boll könnte einen qualitativen Sprung nach vorne machen, deutete diesmal doch alles auf eine weniger bierernste Angelegenheit hin.
Mit "Postal" liefert Uwe Boll allerdings eine Pseudosatire ab, die keineswegs kontrovers ist, sondern schlichtweg geschmacklos. Im Audiokommentar fachsimpelt Uwe Boll dann auch auf bestem Stammtischniveau über die Weltpolitik und sieht "Postal" gar schon als Politsatire. Dabei beginnt der Film gar nicht mal so schlecht. Zack Ward ("Transformers") spielt den Postal Dude als sympathischen Loser und trifft auf allerlei schräge Gestalten, die ihm alle nur das Leben zur Hölle machen. Spätestens mit der Massenschießerei im Arbeitsamt wird jedoch deutlich, dass sich "Postal" nur knapp über dem Niveau eines Amateurfilms bewegt und wohl die deutsche Antwort auf die amerikanischen Troma-Produktionen darstellen soll. Handwerklich ist der Film jedenfalls eine Katastrophe, besonders die Actionszenen sind einfach grausam geschnitten und soundtechnisch mitleiderregend vertont. Wer hier ein echtes Gemetzel erwartet, wird ebenfalls enttäuscht werden, zwar gibts ein paar blutige Einschüsse, das ganze sieht aber handwerklich einfach so bescheiden aus, dass wohl sogar die FSK mit ihrer Altersfreigabe ab 16 Jahren ihr Mitleid bezeugte.
Auch die Schauspieler sind größtenteils völlig talentfreie Gesellen, am nervtötendsten gerät die Darstellung von Chris Coppola ("BloodRayne 2: Deliverance"), als penetrantes homosexuelles Faktotum ohne jedes Gefühl für Komik. Der Humor des Films ist eh problematisch und glänzt vor allem mit eher derb-platten Einlagen, leider aber ohne jedes Gefühl für Timing und Pointen. Da wird schonmal eine Katze als Schalldämpfer missbraucht, man klebt sich lustige Hitlerbärtchen an oder erfreut sich an Puppen, die aussehen wie männliche Geschlechtsteile. Der Tiefpunkt sind Bolls Gastauftritte als Selbstdarsteller. Hier gesteht Boll unter Vortäuschung von Selbstironie die Finanzierung seiner Filme durch Nazigold und erwidert in den Deleted Scenes einer über den Nazi-Themenpark entrüsteten Frau, sein Vater wäre auch in Auschwitz gestorben, er sei nämlich vom Wachturm gefallen. Herzlichen Glückwunsch, Herr Boll, viel geschmackloser geht es wohl nicht mehr, da dürfte mit der Goldenen Himbeere bereits der erste große Filmpreis in Reichweite geraten sein!
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild überzeugt mit kräftigen Farben, guter Schärfe und einem ausgewogenen Kontrast. Die englische Originaltonspur ist nicht vorhanden, die Verständlichkeit der deutschen Tonspur ist aber gut geworden. Lachhaft sind allerdings die Schussgeräusche in den Actionszenen, die bestenfalls Erinnerungen an Platzpatronen wachwerden lassen.
Auf der DVD befindet sich eine Featurette (12:23), die vor allem Filmszenen recycelt und ansonsten lediglich den Darstellern die Möglichkeit gibt, oberflächliche Aussagen zum Film, inklusive penetranter Werbebotschaft, zu tätigen. Ansonsten gibt es noch ein paar Deleted Scenes (5:33) und ein Behind the Scenes-Feature (9:09), das genauso unkommentiert wie überflüssig ist. Weiterhin liegen auf der DVD noch diverse Musikvideos (24:11) vor, u.a. von Blind Guardian und Hammerfall. Den Abschluss der Extras bildet der wahlweise deutsche oder englische Audiokommentar von Regisseur Uwe Boll, den dieser in seiner sattsam bekannten Mischung aus Selbstüberschätzung und Realitätsverzerrung förmlich zelebriert und mit allen Ungläubigen abrechnet, die die Göttlichkeit seiner Person nicht zur Kenntnis nehmen wollen. Wahrlich befremdlich sind allerdings noch einige Äußerungen zur NS-Zeit und einer jüdischen Beinahe-Verschwörung in den höchsten Hollywood-Studioetagen, die Boll das Leben schwer macht, nur weil er Deutscher ist... Das Metalpak der Limited Special-Edition ist verarbeitungstechnisch mal wieder eine Katastrophe, verbeult leicht und macht einen extrem instabilen Eindruck. Die Stoffhalterung hinterlässt zudem regelmäßig einen schönen Fusselfilm auf der DVD und es gilt, die DVD vor jedem Abspielen sorgfältig zu reinigen. Insgesamt hat Splendid in diesem Bereich also jegliche Kritik geflissentlich ignoriert.
Fazit:
"Postal" wäre gerne ein Realfilm-"South Park", die Komik ist aber einfach nur derb geraten und wird ohne jedes Gefühl für Timing oder Hintergründigkeit präsentiert. Handwerklich ist der Film ein Offenbarungseid und hinterlässt den Eindruck Timo Rose hätte versucht, den Toxic Avenger zu "teutonisieren". Während Zack Ward sich offensichtlich in den falschen Film verlaufen hat, taugen die anderen Darsteller nichtmal für "Richterin Barbara Salesch". Splatterfreaks sind hier außerdem ebenso an der falschen Adresse wie Leute, die sich von den leicht beschürzten weiblichen Sidekicks großartige Freikörperkulturszenen erwarten. Technisch ist die DVD gelungen, die Extras kann man sich aber sparen, Fans von Uwe Boll werden aber zumindest den Audiokommentar lieben.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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102:29 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Featurette
- Deleted Scenes
- Behind the Scenes
- Musikclips
- Audiokommentar von Regisseur Uwe Boll
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Postal
Postal
Nicht jeder Tabubruch wie das Erschießen von Kindern oder die "Dr. Mengele First Aid Station" bürgt auch automatisch für Komik...
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland / Kanada / USA, 2007 Regie: Uwe Boll Drehbuch: Uwe Boll, Bryan C. Knight Darsteller: Zack Ward, Dave Foley, Chris Coppola, Michael Benyaer, Jackie Tohn, Erick Avari
Label :
Splendid Entertainment
Verkaufsstart : 14.03.2008
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