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DVD-Besprechung - King of California

Story:
Die 16-jährige Miranda (Evan Rachel Wood) kommt mit ihrem Job bei McDonald`s gerade so allein über die Runden. Ihre Mutter hat sie bereits vor einiger Zeit verlassen und ihr Vater Charlie (Michael Douglas) saß zwei Jahre in der Psychatrie, wird eines Tages jedoch aus der Klinik entlassen und kehrt zu ihr zurück. Das ist für beide zunächst keine einfache Situation, was vor allem daran liegt, dass Charlie in seiner gewohnt schrulligen Art Mirandas Nervenkostüm auf eine harte Probe stellt. Charlies neuester Tick ist eine Schatzsuche nach verschollenen spanischen Golddublonen aus dem 17. Jahrhundert. Was für Miranda zunächst nur eine typische Spinnerei Charlies ist, beginnt jedoch auch sie immer stärker in ihren Bann zu ziehen.  

Meinung zum Film:
"King of California" ist das Debüt von Mike Cahill als Regisseur und Drehbuchautor. Bei den Verantwortlichen des Films findet sich auch der diesmal als Produzent agierende Alexander Payne ("Sideways"), der besonders als Regisseur der eindrucksvollen Tragikkomödie "About Schmidt" mit Jack Nicholson in der Hauptrolle von sich Reden machte. Und auch vor der Kamera konnte Cahill auf einen erfahrenen Recken zurückgreifen, Michael Douglas ("Falling Down") darf hier nach jahrelanger Durststrecke mit uninspirierten Verkörperungen abgedroschener Charaktere mal wieder seine Wandlungsfähigkeit demonstrieren. An seiner Seite agiert die talentierte, zwanzigjährige Evan Rachel Wood ("Dreizehn"), die bereits im Jahr 2004 bei den Golden Globes als beste Darstellerin in einem Drama nominiert war.

"King of California" ist eine Tragikomödie, die ein wenig an eine moderne Interpretation von "Don Quichote" erinnert. Michael Douglas spielt hier den liebenswert-sympathischen Querulanten Charlie, mit Zottelbart und kindlichem Glanz in den Augen, der in seiner ganz eigenen Realität lebt und sich offensichtlich nicht ohne weiteres mit der Gesellschaft arrangieren kann. Folgerichtig scheut er auch nicht davor zurück, direkt nach seiner Entlassung aus der psychiatrischen Klinik in Kalifornien auf die Suche nach einem spanischen Goldschatz zu gehen. Das Motiv des liebenswerten Irren, der beinahe fanatisch einer fixen Idee hinterherjagt, ruft unweigerlich Erinnerungen an Terry Gilliams "König der Fischer" hervor. Aber gerade in dieser Hinsicht treten schon diverse Unterschiede der beiden Filme, aber auch Schwächen von "King of California" hervor. Charlie bedient sich nämlich bei seiner Schatzsuche modernster Technik und wissenschaftlicher Methoden, auch wenn die Schatzsuche selbst also zunächst zumindest ein wenig merkwürdig anmutet, wirkt gerade deren rationale Durchführung äußerst kontraproduktiv für den ironischen-toleranten Unterton des Films. Denn Charlie ist hier als Irrer vor allem liebenswert, die problematische Jugend von Miranda wird einfach zu wenig thematisiert und die Problematik der belasteten Vater-Tochter-Beziehung wird ebenso leichtfertig beiseite geschoben wie Charlies psychische Probleme.

Besonders schade an dem Film ist, dass die reizvolle Personenkonstellation des kammerspielartig anmutenden Zwei-Personen-Stücks einfach nicht genug ausgereizt wird, um eine glaubwürdige Chemie zwischen den beiden talentierten und überzeugend aufspielenden Darstellern aufzubauen. Die Schwächen des Films sind vor allem sein geringes Erzähltempo, fehlende dramaturgische Höhepunkte und ein extrem schlichtes Drehbuch. Auch wenn der Film Ansätze zeigt, aus dem Mainstream ausbrechen zu wollen, wirkt das Endergebnis letztendlich eher wie handzahme Familienunterhaltung, denn bissigen oder subversiven Humor sucht man hier vergebens. Die Gags des Films wirken erschreckend harmlos und die Dialoge gehen normalerweise einer Pointe zielsicher aus dem Weg. So gewinnt der Film seinen Reiz fast ausnahmslos aus den beiden sympathischen Hauptdarstellern und dem vielversprechenden Ausgangspunkt der Geschichte, die jedoch Begehrlichkeiten wecken, die das bieder ausgestaltete Drehbuch und die phantasielose Erzählweise des Films nicht annähernd befriedigen können.

Digitale Aufarbeitung:
Die DVD bietet insgesamt eine ordentliche Bildqualität, die sich in den Bereichen wie Schärfe, Kontrast und Farbsättigung im guten Bereich bewegt, ohne irgendwo Referenzqualitäten aufzuweisen. Ein leichtes Bildrauschen fällt nicht besonders ins Gewicht. Die Tonqualität ist ausgewogen und stets gut verständlich, meistens geht es im Film allerdings eher ruhig zu.

Die Extras sind leider sehr spärlich ausgefallen. Neben dem Originaltrailer, wahlweise in deutscher oder englischer Sprache, und einer Bildergalerie gibt es lediglich ein kurzes Making Of (9:55) im O-Ton mit deutschem Voice-over. Hier gibt es allerdings neben Filmszenen lediglich kurze Kommentare der Hauptdarsteller und Verantwortlichen, sowie ein paar nichtssagende Bilder von den Dreharbeiten.  

Fazit:
"King of California" bietet eine reizvolle Figurenkonstellation, einen vielversprechenden Ausgangspunkt der Geschichte und zwei gut aufgelegte Darsteller. Bedauerlicherweise leidet der Film aber unter fehlender Balance zwischen Tragik und Komik, einem geringen Erzähltempo, einem sehr schlichten Drehbuch, uninspirierten Dialogen sowie einer eher biederen Erzählweise mit handzahmer Komik und zurückhaltender Dramaturgie. Die DVD ist technisch gelungen, die Extras sind aber sehr mau geraten.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,85:1
1,85:1
89:07 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Originaltrailer (Deutsch/Englisch)
  • Bildergalerie
  • Making Of
King of California - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
King of California
King of California

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein sympathischer, moderner "Don Quichote", dessen diverse Schwächen leider viel Potential vernichten


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2007
Regie:
Mike Cahill
Drehbuch:
Mike Cahill
Darsteller:
Michael Douglas, Rachel Evan Wood, Willis Burks II, Laura Kachergus, Paul Lieber, Kathleen Wilhoite

Label Deutschland :
e-m-s
Verkaufsstart Deutschland :
19.06.2008