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DVD-Besprechung - Totschlag
Story:
Carsten (Jesper Christensen) ist Gymnasiallehrer, Ehemann und Familienvater. Er hat jedoch eine Affäre mit seiner ehemaligen Schülerin Pil (Beate Bille). Eines Tages ruft Pil in Panik bei Carsten an und bittet ihn um seine Hilfe. Sie hat bei einem missglückten Einbruch bei einem Rüstungskonzern einen Polizisten überfahren. Carsten beschließt, Pil ohne Rücksicht auf seine Familie zu unterstützen und bestärkt sie darin, nicht auszupacken. Während Carsten damit seine Familie und seine berufliche Existenz ruiniert, werden Pil und ihre Komplizen schließlich freigesprochen. Aber die Last des Gewissens ruht schwer auf ihrem Alltag.
Meinung zum Film:
"Totschlag" ist ein dänischer Film aus dem Jahr 2005 und der letzte Teil einer Trilogie von Regisseur Per Fly ("Prop und Berta"), die mit "Die Bank" (2000) und "Das Erbe" (2003) eingeleitet wurde. In dieser Trilogie thematisiert Per Fly die Sorgen und Nöte der verschiedenen gesellschaftlichen Klassen, die sich letztendlich trotz unterschiedlicher Lebensumstände doch gleichen, wobei in "Totschlag" das Bürgertum thematisiert wird. Die Trilogie entstammt dabei Lars von Triers ("Geister") Produktionswerkstatt Zentropa.
Der Gymnasiallehrer Carsten ist das, was man wohl einen Altlinken nennen würde. Er sympathisierte einst mit der kommunistischen Bewegung, ist jedoch mittlerweile ein angesehener Gymnasiallehrer. Als Ehemann und Familienvater ist er zudem ein stärkerer Teil des Establishments, als ihm das eigentlich jemals lieb war. Das erloschene Feuer der Revolution erhält jedoch durch die junge, linksgerichtete Pil neue Nahrung. Einerseits stürzen sich beide in eine leidenschaftliche, körperliche Affäre, andererseits vertritt Pil vehement Ideale, die sich einst auch Carsten auf die Fahnen geschrieben hatte. Carsten bestärkt Pil noch in ihrem Aktionismus und ihrem Wunsch zu handeln, um die Fesseln des Systems zu sprengen. Diese Mentorentätigkeit Carstens hat jedoch fatale Folgen. Im Zuge einer gesetzeswidrigen Aktion tötet Pil eiskalt einen Polizisten. Obwohl Carsten sich ihrer Schuld wohl bewußt ist, verteidigt er sie gegen alle Widerstände. Er bestärkt sie darin, den Mord nicht zu gestehen und es gelingt ihm schließlich , ihre Freilassung zu erreichen. In der Folge leidet Pil jedoch unter der Bürde ihres Gewissens, wird ihr doch ihre Tat durch die immer wieder auftauchende, verzweifelte Ehefrau des Polizisten ständig vor Augen gehalten.
"Totschlag" beginnt als Politdrama mit reichhaltiger Facettierung. Der Film schneidet zu Beginn die Frage an, wann Widerstand oder Ideologien zu Gewalt führen, die nicht mehr durch hehre Ziele zu rechtfertigen sind. Er stellt eine Gesellschaft in Frage, die nach außen Gewalt ablehnt und die Hände in Unschuld wäscht, während sie den Krieg in andere Länder trägt und den eigenen Reichtum nur durch die Ausbeutung ärmerer Länder erhalten kann. Diese Ansatzpunkte verlaufen jedoch im Nichts und "Totschlag" entwickelt sich zu einem trägen, moralischen Rührstück ohne Überzeugungskraft. Der Zuschauer wohnt Carsten bei, wie er sein Leben ruiniert und eine Lebenslüge durch eine andere ersetzt. Zunächst schiebt er Pils Schuld beiseite, später drückt sie ihn dafür doppelt nieder, während eben Carstens Unterstützung die Beziehung der beiden entzweit. Die Charaktere, sowohl Carsten, als auch Pil, bleiben dem Zuschauer dabei seltsam fremd und besitzen äußerst wenig Identifikationspotential. Carsten ist das personifizierte Selbstmitleid, das dem Phantom seiner eigenen moralischen Überlegenheit hinterherjagt, das er durch seine eigenen Handlungen aber fortwährend auflöst. Die Darstellung dieses gebrochenen Charakters wirkt dabei dermaßen saft- und kraftlos, dass es in der Tat schwer fällt, das erschreckend behäbige Erzähltempo mitzugehen. Besonders befremdend wirkt die Figur der jungen Pil. Nicht nur die Handlungsmotivation bei dem Polizistenmord, sondern auch ihre eigene Verarbeitung der furchtbaren Geschehnisse bleibt eine Black Box. Auf die Darlegung eigener Rechtfertigungsmuster oder den Brückenschlag zur politischen Dimension wartet der Zuschauer ebenfalls vergeblich. Statt die Amoral und den Irrglauben hervorzuheben, gelingt es dem Film nicht mal, der Moral überhaupt erst einen gehobenen Stellenwert einzuräumen. Der Film scheitert somit bereits im Ansatz an seinen überzogenen Ansprüchen.
Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität ist insgesamt ziemlich durchschnittlich. Negativ machen sich vor allem ein kompressionsbedingtes, homogenes Blockrauschen im Hintergrund und ein insgesamt zu weiches Bild bemerkbar. Auch beim Kontrast gibt es immer wieder suboptimale Ergebnisse, häufiger wirkt das Bild einfach zu dunkel und verschluckt Details. Die DVD "Totschlag" verfügt lediglich über eine deutsche Tonspur, auf den dänischen Originalton muss man verzichten. Die deutsche Tonspur ist zu jeder Zeit gut verständlich, ansonsten aber bei diesem eher ruhigen Film vollkommen unspektakulär.
Das einzige Extra ist ein deutscher Trailer zum Film.
Fazit:
"Totschlag" ist ein schwerfälliges Drama mit einer übertrieben moralinsauren Ausrichtung. Statt glaubhafte Charaktere zu kreieren und sie in für den Zuschauer nachvollziehbare Gewissenskonflikte zu stürzen, verbleibt der Film lieber auf einer distanzierten, selbstgefälligen Metaebene. Diesem falschen Götzen werden dann auch Identifikationspotential, Glaubwürdigkeit und inhaltliche Tiefe bereitwillig geopfert. Die DVD macht zudem mit fehlenden Extras, nicht vorhandenem O-Ton und eher durchschnittlicher Bildqualität einen recht lieblosen Eindruck.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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99:46 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Keine Untertitel vorhanden. |
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Bonusmaterial:
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Falsche Entscheidung
Drabet
Moralinsaure Schlaftablette ohne Identifikationspotential und nachvollziehbare Psychologie
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Dänemark, 2005 Regie: Per Fly Drehbuch: Per Fly, Dorthe Warnø Høgh, Kim Leona, Mogens Rukov Darsteller: Jesper Christensen, Pernilla August, Charlotte Fich, Beate Bille, Vibeke Hastrup, Julie Ølgaard
Label :
e-m-s
Verkaufsstart : 10.04.2008
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