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DVD-Besprechung - Apocalypse 2024 - A Boy and his Dog

Story:
Der junge Vic (Don Johnson) durchstreift mit seinem treuen Gefährten "Blood", einem ehemaligen Polizeihund die kargen, apokalyptischen Wüstenlandschaften des Jahres 2024, einige Zeit nach dem verheerenden Vierten Weltkrieg. Vic und Blood haben einen besonderen Draht zueinander, Blood kann sprechen und Vic ist der einzige Mensch, der ihn versteht. Während beide ums Überleben kämpfen, ist Vic stets darum bemüht, Bloods Spürnase für seine sexuellen Fantasien einzuspannen. Die "Gesellschaft" von Frauen ist nämlich ein äußerst seltenes Vergnügen für Vic. Eines Tages wird ihm die freizügige Quilla June (Susanne Benton) jedoch fast zum Verhängnis, als sie ihn in die Stadt "Topeka" unter der Erde führt.

Meinung zum Film:
"Apocalypse 2024", alias "A Boy and His Dog - In der Gewalt der Unterirdischen", basiert auf einer Kurzgeschichte des amerikanischen Science-Fiction-Autors Harlan Ellison ("Die Wächter der verlorenen Stunde") aus dem Jahr 1969. Der Film war ein absolutes Low-Budget-Projekt , konnte aber mit Jason Robards ("Spiel mir das Lied vom Tod") zumindest einen zu dieser Zeit ziemlich bekannten Darsteller in einer kleineren Rolle aufbieten. Neben dem Hund "Blood" spielt ein sehr junger Don Johnson ("Dead Bang - Kurzer Prozeß") die zweite Hauptrolle, neun Jahre vor seinem ganz großen Durchbruch mit der amerikanischen TV-Serie "Miami Vice". Für einige Kritiker und Fans zählt "A Boy and His Dog" zu den besten Science-Fiction-Filmen aller Zeiten, gilt als geistiger Vorvater für "Mad Max"-Regisseur George Miller und konnte einige Auszeichnungen erringen, z.B. im Jahr 1976 den "Hugo Award" und im gleichen Jahr auch noch den "Nebula Award" für das beste Drehbuch.

"A Boy and His Dog" ist ein wahrlich ungewöhnlicher Science-Fiction-Film. Er zeichnet sich durch eine sehr gelungene amoralische Endzeitatmosphäre aus, die sich u.a. durch die sexuelle Ausbeutung der Frau auszeichnet und in der sich Gewalt als verlässlichste Form der Kommunikation etabliert hat. Andererseits besitzt der Film aber neben all seinen Härten auch viel schwarzen Humor und bietet bissige, sozialkritische Seitenhiebe, amüsante Streitgespräche sowie viele skurille Einfälle. Vic und Blood bilden ein unvergleichliches Gespann, in deren Beziehung Blood eine Art Vaterfigur für den jungen, unbeherrschten Vic darstellt. Als Quilla June in die Handlung eintritt, droht sie einen Keil zwischen die beiden ungleichen Gefährten zu treiben, die durch unzählige Gefahren zusammengeschweißt wurden.

"A Boy and His Dog" sieht man sein niedriges Budget zu jeder Zeit an und trotzdem wirkt sich das keineswegs negativ auf den Sehgenuss aus. Im Gegenteil wirkt die schmuddelige, nihilistische Atmosphäre des Films im Zusammenspiel mit den zynismusgetränkten Kommentaren des Hundes sogar geradezu einladend trostlos. Der junge Don Johnson liefert hier zu einem frühen Zeitpunkt seiner Karriere als leicht unterbelichteter Draufgänger mit harter Schale und weichem Kern bereits eine äußerst ansprechende Leistung ab. Die skurillen Einfälle des Drehbuchs verhindern außerdem das Aufkommen von Langeweile. Einige der Höhepunkte sind hier sicherlich der Missbrauch von Vic als unfreiwilliger Befruchtungsmaschine, Geschäfte nach dem Motto "Popcorn gegen Weiber", oder Bloods kritische Bestandsaufnahme des menschlichen Geschlechtsverkehrs.

Digitale Aufarbeitung:
Entgegen der vollmundigen Ankündigungen von epiX bezüglich eines neuen Masters und somit einer verbesserten Neuauflage des Titels ist die Bildqualität eine Katastrophe und lässt echtes Super-8-Feeling aufkommen. Der Bildstand ist unruhig, die Schärfe ist unterdurchschnittlich, das Bild ist durchzogen von Verschmutzungen und teilweise wirklich heftigen Beschädigungen, die Kompression spielt sich dermaßen in den Vordergrund, das man sich vor lauter Rauschen wie mitten in einem Sandsturm vorkommt und auch der Kontrast lässt stark zu wünschen übrig. Zu allem Überfluss liegt der Film auch noch im falschen Format 1,85:1 statt im korrekten 2,35:1-Originalformat vor. Der Ton ist zwar gut verständlich, wirkt aber vom Klangbild her ebenfalls wie ein blechernes Relikt aus alten Tagen, jenseits von Dolby Surround und Subwoofern.

Das interessanteste Extra der DVD ist der sogenannte "Trivia Track", der quasi eine Untertitelspur mit allerlei wissenswerten Hintergrundinformationen zum Film darstellt. Weiterhin finde sich auf der DVD noch der englischsprachige Kinotrailer, eine Bildergalerie, Kurzbiographien von Don Johnson, L.Q. Jones, Jason Robards und Harlan Ellison (je 1 Seite), sowie zwei Interviews mit L.Q. Jones in Textforum und im PDF-Format. Das erste Interview betrifft die Zusammenarbeit mit Sam Peckinpah, für den er fünfmal als Darsteller aktiv war (12 Seiten), und das zweite Interview betrifft seinen Kultfilm (6 Seiten) "Apocalypse 2024" selbst.

Fazit:
"A Boy and His Dog" ist ein skurril-ironischer Science-Fiction-Film, der irgendwo zwischen Drama, der Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft und einer zynischen Abrechnung mit der zivilisierten Gesellschaft verortet werden könnte. Besondere Stärken des Films sind sein schwarzer Humor, das einfallsreiche Drehbuch, gut ausgearbeitete Dialoge und die mit einigen Härten untermalte, trostlose Endzeitstimmung. Die Bildqualität der DVD ist jedoch schlichtweg eine Katastrophe und die wenigen hinzugekommenen Extras sind ebenfalls kein Kaufargument für die Neuauflage.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,85:1
1,85:1
86:42 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Trivia Track
  • Kinotrailer
  • Bildergalerie
  • Biographien von Don Johnson, L.Q. Jones, Jason Robards und Harlan Ellison
  • Interviews mit L.Q. Jones (DVD-ROM)
Apocalypse 2024 - A Boy and his Dog - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Der Junge und sein Hund
A Boy and His Dog

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein zynisches Endzeitabenteuer mit Hund, Härte und Humor, gekrönt durch ein bitterböses Ende


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1975
Regie:
L.Q. Jones
Drehbuch:
L.Q. Jones (basierend auf einer Kurzgeschichte von Harlan Ellison)
Darsteller:
Don Johnson, Susanne Benton, Jason Robards, Alvy Moore, Helene Winston, Charles McGraw

Label Deutschland :
Epix
Verkaufsstart Deutschland :
17.04.2008