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DVD-Besprechung - Hitlers Krieg im Osten

Story:
Hitlers Vernichtungsfeldzug gegen die Sowjetunion begann am 22. Juni 1941 und endete am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands nach der Besetzung der Reichshauptstadt Berlin durch sowjetische Truppen. Die erste Folge, "Der Überfall", schildert den Einfall der deutschen Truppen in die Sowjetunion und den zunächst unaufhaltsam erscheinenden Siegeszug der Wehrmacht. Die zweite Folge, "Der Terror", thematisiert die auf beiden Seiten stetig zunehmende Barbarei des Feldzugs und die Folgen der Terrormaßnahmen für die hilflose Zivilbevölkerung. In der dritten Folge, "Der Wendepunkt", wendet sich das Schlachtenglück in den erbitterten Häuserkämpfen von Stalingrad zugunsten der Sowjetunion. Die Einkesselung der dortigen 6. Armee leitet den unaufhaltsamen Rückzug der deutschen Truppen ein. In der vierten Folge, "Die Vergeltung", schlagen die russischen Truppen zurück, marschieren bis nach Berlin und vergelten das erlittene Unrecht mit gleicher Münze.  

Meinung zum Film:
"Hitlers Krieg im Osten" ist eine Co-Produktion der englischen BBC, des History Channel und des Norddeutschen Rundfunks (NDR) aus dem Jahr 1999. Die Dokumentation besteht aus vier Teilen mit einer Länge von jeweils rund 43 Minuten, die auf 2 DVDs verteilt wurden. Die Dokumentation setzt auf eine Mischung aus farbigen und schwarz-weißen Archivaufnahmen, sowie aktuellen Interviews mit ehemaligen Zeitzeugen. Ein angenehm zurückhaltender Kommentar aus dem Off begleitet das Bildmaterial akustisch. Bei den Zeitzeugen handelt es sich sowohl um deutsche als auch um sowjetische Vertreter, vornehmlich einfache Soldaten, Geheimpolizisten oder Zivilisten, also grundsätzlich um Befehlsempfänger oder Befehlsopfer.

"Hitlers Krieg im Osten" hebt sich wohltuend vom Einheitsbrei der handelsüblichen WK2-Dokumentationen ab. Die Dokumentation konzentriert sich auf die Darstellung der Barbarei und beispiellosen Grausamkeiten des Vernichtungsfeldzuges in der Sowjetunion. Dabei werden sowohl die Völkerrechtsverstöße der deutschen als auch der russischen Seite dargestellt. Hitler und Stalin werden als skrupellose und machtgierige Politiker und Militärführer dargestellt, denen jedes Mittel recht war, um die eigene Machtsphäre zu erhalten bzw. zu erweitern. Das Schicksal ihrer Bevölkerung war dabei ihrem übersteigerten Ego und ihren Weltmachtphantasien völlig untergeordnet. Besonders eindrucksvoll sind neben der Schilderung der furchtbaren Folgen für die Zivilbevölkerung im Rahmen sich gegenseitig immer weiter aufschaukelnder Terrormaßnahmen beider Seiten vor allem die aktuellen Aussagen der Zeitzeugen zu den damaligen Verhältnissen. Viele Äußerungen wirken regelrecht erschreckend, denn die Taten werden nicht nur im Kontext der damaligen Zeit, sondern selbst aus heutiger Perspektive oft noch gerechtfertigt und das eigene Morden wird noch mit einem seligen Lächeln kommentiert.

Im Kern will die Dokumentation nämlich anhand dieses Krieges aufzeigen, wozu Menschen im 20. Jahrhundert unter dem Deckmantel rassischer Überlegenheit oder unreflektiertem Obrigkeitsglauben eigentlich in der Lage waren und das im Rahmen dieser kriegerischen Auseinandersetzung letztendlich nur ein Tyrann gegen einen anderen Tyrannen ausgetauscht wurde. Während beispielsweise an der russischen Front Tausende von Kalmüken für Stalin kämpften, wurden deren Familien an der Heimatfront zusammen mit anderen Ethnien nach Sibirien deportiert. Von Stalin eingesetzte Partisaneneinheiten steigerten mit ihrer Kriegsführung noch den Hass der Deutschen, den die Zivilbevölkerung ausbaden musste, während die Partisanen wiederum regelmäßig bei ihnen auftauchten und sie ausraubten. Der Vierteiler bietet bedrückende Eindrücke von Willkürherrschaft, Staatsterror und der wahren Natur des Krieges, mit seinem logischen Folgeprodukt in Form der verrohten, amoralischen "Bestie Mensch".  

Digitale Aufarbeitung:
"Hitlers Krieg im Osten" bietet insgesamt eine überzeugende Bildqualität auf gehobenem TV-Niveau mit guter Schärfe, weist allerdings auch ein deutlich wahrnehmbares kompressionsbedingtes Blockrauschen auf. Als Folge der verwendeten Archivaufnahmen unterschiedlichster Qualität kann dieses Niveau naturgemäß nicht durchgehend gehalten werden. Auf die Originaltonspur muß bei dieser Dokumentation leider verzichtet werden. Eine gute Verständlichkeit der deutschen Tonspur ist aber stets gewährleistet. Ein wenig merkwürdig wirkt es allerdings schon, wenn deutsche Zeitzeugen auf Englisch berichten und über deren Äußerungen dann wieder eine deutsche Tonspur gelegt wird.

Auf den beiden DVDs befinden sich keinerlei Extras.  

Fazit:
"Hitlers Krieg im Osten" fokussiert sich stark auf die Unmenschlichkeit des Krieges im Allgemeinen und die unvergleichliche Barbarei des Russlandfeldzugs im Besonderen. In erschütternden Bild- und Tondokumenten folgt die Dokumentation der fatalen, sich durch die Terrormaßnahmen beider Parteien stetig verstärkenden Spirale der Gewalt und deren drastischen Folgen für alle Beteiligten, insbesondere für die Zivilbevölkerung. Die technische Präsentation ist gut gelungen, auf den Originalton und Extras muß allerdings verzichtet werden.  

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
4 Folgen à ca. 43 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
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Hitlers Krieg im Osten - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Hitlers Krieg im Osten
War of the Century - When Hitler Fought Stalin

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Während der Krieg seine hässliche Fratze präsentiert, versuchen sich zwei Tyrannen gegenseitig an Unmenschlichkeit zu übertrumpfen


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien, 1999

Label Deutschland :
BBC
Verkaufsstart Deutschland :
28.03.2008