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DVD-Besprechung - The Fifth Patient

Story:
Der Amerikaner John Reilly (Nick Chinlund) erwacht mit Kopfverletzungen und einem damit verbundenen Gedächtnisverlust in einem afrikanischen Hospital. Die örtliche Geheimpolizei hält ihn für einen CIA-Spion und vermutet hinter seinem "Blackout" nur eine Masche, um sich der mit Folter angereicherten Befragung zu entziehen. John beginnt aber nur sehr langsam, sich wieder zu erinnern und versucht die verschiedenen Seiten, die ihn kontaktieren, gegeneinander auszuspielen und Zeit zu gewinnen. Solange er sich allerdings nicht einmal selbst seiner Identität sicher sein kann, fällt es ihm schwer, eine passende Strategie zu finden, um seiner misslichen Lage zu entkommen.

Meinung zum Film:
Für das Drehbuch und die Regie von "The Fifth Patient" zeichnete Amir Mann ("Menace") verantwortlich, der bisher noch am ehesten mit seiner Dokumentation "Shanghai Ghetto" über die Schicksale jüdischer Flüchtlinge, die vor den Nationalsozialisten nach Shanghai flohen, aus dem Jahr 2002 auf sich aufmerksam machen konnte. Als Spezialist für Spionagethriller kann man ihn allerdings wahrlich nicht bezeichnen. Nick Chinlund ("Ultraviolet") dürfte vor allem Freunden von Actionfilmen ein Begriff sein, so war er u.a. in "Training Day" oder "Tränen der Sonne" mit an Bord, normalerweise agiert er jedoch in eher kleineren Rollen, weshalb diese Hauptrolle für ihn einen gewissen Karrieresprung darstellte. Der bekannteste Name des Ensembles ist aber sicherlich Peter Bogdanovich ("Bewegliche Ziele"), auch wenn dieser seine größten Erfolge eigentlich hinter der Kamera als Regisseur ("Die letzte Vorstellung") oder auch als Drehbuchautor ("Is' was, Doc?") feierte.

Das Thema des an Amnesie leidenden Geheimagenten ist keine Neuerfindung und erfreut sich spätestens seit "Die Bourne Identität" wieder gesteigerter Beliebtheit. Für "The Fifth Patient" wählte man mit Afrika einen exotischen Schauplatz, der allerdings überhaupt nicht genutzt wird, außerdem gibt man der gesamten Geschichte einen pseudopolitischen Ansatz. Was in dieser Hinsicht jedoch an Räuberpistolen ausgepackt wird, macht einen eher unglaubwürdigen Eindruck und bedient sich diverser Klischees. Folternde afrikanische Geheimpolizisten, die CIA auf ihrem geheiligten Krieg gegen den Terrorismus, natürlich stets nur das Wohl der Menschen im Blickfeld, oder Waffenhändler, die so kultiviert wirken, dass man ihnen am liebsten die Hand schütteln möchte. Der Schauplatz ist budgetfreundlich gestaltet, denn mehr als neunzig Prozent des Films spielen in dem kleinen, afrikanischen Krankenhaus und dem angrenzenden Garten. Das macht den Schauplatz völlig austauschbar und sorgt optisch nicht gerade für große Highlights. Wo die "Bourne"-Reihe vor allem auf knallige Actioneinlagen setzt, herrscht bei "The Fifth Patient" vor allem ganz große Langeweile, Actionszenen gibt es so gut wie gar nicht und wenn doch, verdienen sie diesen Namen kaum.

Der Einstieg in die Geschichte vollzieht sich als reine Anhäufung zahlreicher Fragezeichen, was zu Beginn noch reizvoll ist, aber stetig immer langweiliger wirkt, da die Story einfach erschreckend dünn ist. John Reilly versucht möglichst unbeschadet aus den Verhören hervorzugehen, schmiedet hin und wieder Fluchtpläne, kommt durch immer zahlreichere Flashbacks seiner Identität langsam auf die Schliche und wird immer wieder von unbekannten Agenten oder lokalen Unterweltgrößen kontaktiert. Obwohl das Hospital scharf überwacht wird, geht es zu wie in einem Bienenschlag und jeder Depp kann sich scheinbar problemlos einschleichen. Während John Reilly zusehends an seiner angeblichen, eigenen Identität zu zweifeln beginnt und versucht, alle Seiten gegeneinander auszuspielen, ärgert sich der Zuschauer über die platten Charaktere und Platzhalter-Dialoge. Nick Chinlund muß vor allem zerschlagen und schmerzverzerrt mit undurchschaubarem Pokerface in die Kamera blicken, spielt diese Rolle im Rahmen seiner Möglichkeiten aber durchaus brauchbar. Schade, dass die Story eine Ausgeburt an Trägheit darstellt und die ungewöhnliche Auflösung am Ende eher ein Ärgernis als eine brauchbare Auflösung darstellt.

Digitale Aufarbeitung:
"The Fifth Patient" weist leider für einen so neuen Film ein ziemlich starkes Bildrauschen auf, das auch die Schärfe in Mitleidenschaft zieht. Die Farben wirken häufiger stilistisch verfremdet. Bei den vier verschiedenen Tonspuren gibt es keine besonderen Schwächen. Die Verständlichkeit ist stets gut, besondere Raumklangeffekte sollte man bei diesem eher actionarmen Film aber nicht erwarten.

Die Extras sind äußerst spärlich ausgefallen. Auf der DVD befindet sich lediglich der Originaltrailer, wahlweise Deutsch oder Englisch, eine Slideshow sowie Biographien von Regisseur Amir Mann und den Darstellern Nick Chinlund, Brendan Fehr, Isaach De Bankolé, Marley Shelton und Peter Bogdanovich.

Fazit:
"The Fifth Patient" ist so politisch wie Synchronschwimmen und so actionreich wie Curling. Die Story ist so dünn, dass nichtmal mehr die flachen Charaktere drüber stolpern können und die Story verbreitet nach einem halbwegs interessanten Einstieg nur noch gepflegte Langeweile, die durch ein misslungenes Ende erst recht nicht mehr kompensiert werden kann. Technisch ist die DVD kein Überflieger, jedoch solide, auf ernstzunehmende Extras muss man aber verzichten.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
84:34 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Originaltrailer (Deutsch/Englisch)
  • Slideshow
  • Biographien von Regisseur Amir Mann und den Darstellern Nick Chinlund, Brendan Fehr, Isaach De Bankolé, Marley Shelton und Peter Bogdanovich
The Fifth Patient - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
The Fifth Patient
The Fifth Patient

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Viele Fragezeichen machen noch kein gutes Drehbuch, dafür taugt der Film aber als rezeptfreie Schlaftablette


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2007
Regie:
Amir Mann
Drehbuch:
Amir Mann
Darsteller:
Nick Chinlund, Brendan Fehr, Isaach De Bankolé, Marley Shelton, Peter Bogdanovich, Harsh Nayyar

Label Deutschland :
Bronson Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
04.04.2008