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DVD-Besprechung - Die Halunken
Story:
Der Strauchdieb Cainazzo (Adriano Celentano) gerät 1848 innerhalb Mailands unfreiwillig in die Wirren des Märzaufstands gegen die österreichische Herrschaft. Auf seiner Odyssee durch das vom Chaos beherrschten Mailand begegnet er schließlich dem einfach gestrickten Bäckergesellen Romolo (Enzo Cerusico), der ihm fortan nicht mehr von der Seite weicht. Beide raufen sich zusammen , um angesichts der lebensgefährlichen Umstände den Erhalt der eigenen Existenz sicherzustellen. Denn alle Parteien nutzen den Aufstand, um alte Rechnungen zu begleichen und am Ende ist vor allem der kleine Mann der Dumme im Spiel der Mächtigen.
Meinung zum Film:
"Die Halunken" dürfte wohl eines der am wenigsten beachteten Werke des vor allem für seine Gialli mit opulenter Bildsprache hochgeschätzten, italienischen Meisterregisseurs Dario Argento ("Suspiria") darstellen. Argento wollte 1973 nach seinem dritten Giallo in Folge, "Vier Fliegen auf grauem Samt", einmal etwas Neues ausprobieren und begann mit Luigi Cozzi ("Starcrash") an dem Drehbuch für "Die Halunken" zu arbeiten. Dieser Film wurde dann auch das nächste Kinoprojekt nach der Fertigstellung der vierteiligen, episodischen TV-Horrorfilmreihe "Door into Darkness". Das Werk ist dabei gewissermaßen eine Familienproduktion, an der Vater Salvatore als Produzent und Bruder Claudio als ausführender Produzent beteiligt waren, während Kameramann Luigi Kuveiller später bei "Rosso - Die Farbe des Todes" erneut mit Argento zusammenarbeitete, während Cutter Sergio Fraticelli ("Dämonen 2") schon auf eine längere gemeinsame Vita mit Argento zurückblicken konnte. Für Argento war der Film auch eine zynische Abrechnung mit der 68er-Generation vor der historischen Kulisse des fünftägigen Mailänder Märzaufstandes gegen die Österreicher von 1848, der letztendlich scheiterte.
"Die Halunken" ist wohl mit keinem der "typischen" Argento-Filme vergleichbar und dürfte dementsprechend selbst bei seinen Fans nur äußerst geringe Erfolgsaussichten besitzen. Der Film ist eine wilde, völlig unausgegorene Mischung aus Historien-/Abenteuerfilm, Komödie, Politsatire und Revolutionsdrama. Der Film wird durch eingeblendete Zwischentitel in einzelne Episoden unterteilt, die den wenig homogenen Gesamteindruck des Films inhaltlich noch unterstreichen. Der Film beginnt, wie könnte man es bei der Mitwirkung von Brachialkomiker Adriano Celentano ("Onkel Addi") auch anders erwarten, mit eher klamaukhaften Einlagen, die den Zuschauer auf eine völlig falsche Fährte setzen. In der Folgezeit treibt dieser Humor nämlich extrem unterschiedliche Blüten. Neben rein musikalisch unterlegten Slapstickeinlagen mit erhöhter Geschwindigkeit, die an die Stummfilmzeit erinnern, bedient sich der Film auch noch surrealistischer Elemente, in Form äußerst befremdlich anmutender, überspitzter Charaktere, aber auch des leider misslungenen Dialogwitzes.
Gepaart werden diese komödiantischen Elemente aber auch mit einigen gewalttätigen und freizügigen Einlagen, oder dramatischen Szenen, wie einem schreienden Kind neben seiner toten Mutter, dessen Wirkung noch durch melancholischer Musik verstärkt werden soll, was aber leider nicht nur in dieser Szene misslingt. Dem Film fehlt stilistisch wie inhaltlich einfach der rote Faden. Die Helden stürzen von einer Verwicklung und Tragödie in die nächste, während sie dabei die verschiedensten Genres durchqueren, die jedoch selten die offensichtliche Knappheit des Budgets übertünchen können. Somit wirkt dann auch die Bildsprache weder opulent noch extravagant und selbst bei potentiellen Massenszenen wirken die offenen Flächen der Stadt seltsam menschenleer. Der Spagat zwischen Humor und Ernst gelingt dem Film zu keiner Zeit und die übergeordnete Aussage reduziert sich auf die simple Negation von Idealen als schlichtes Mittel zum Zweck des Machterhalts oder -erwerbs.
Digitale Aufarbeitung:
Der Bildtransfer dieses mittlerweile 35 Jahre alten Exoten präsentiert sich insgesamt recht gefällig und stellt eine positive Überraschung dar. Die DVD enthält den Film im originalen Bildformat (2,35:1) und ist beinahe frei von analogen Defekten und Verschmutzungen. Die Schärfe kann zwar nicht mit aktuellen Produktionen mithalten, ist aber immer noch als gut zu bezeichnen, wobei die größte Schwäche des Bildes sicher das allgegenwärtige, nicht zu übersehende Bildrauschen darstellt. Die Farbgebung wirkt hingegen wieder recht ausdrucksstark und auch beim Kontrast gibt es keine negativen Ausreißer. Beim deutschen und italienischen Mono-Ton darf man keine Wunder erwarten, eine gute Verständlichkeit ist aber stets gewährleistet. Die Tonspuren klingen zwar ein wenig dumpf, störende Defekte wie Knistern oder Knacken gibt es aber nicht zu vermerken. Lobenswert und mittlerweile keine Selbstverständlichkeit mehr sind außerdem die zuschaltbaren, deutschen Untertitel für die italienische Originaltonspur.
Bei den Extras werden lediglich zwei Originaltrailer, Produktionsnotizen und eine Filmographie von Regisseur Dario Argento geboten. Die Produktionsnotizen sind zwar inhaltlich interessant, die Präsentation in Form eines Lauftextes ist aber nicht sonderlich sinnvoll, gibt es doch z.B. keine Möglichkeit, bestimmte Textstellen anzuspringen. Die magere Filmographie von Dario Argento, ebenfalls als Lauftext gestaltet, ist zudem kaum der Rede wert.
Fazit:
"Die Halunken" ist ein merkwürdig unausgeglichener Genre-Mix irgendwo zwischen Witz und Tragik mit Argento-untypischer, wenig ausdrucksstarker Bildsprache, jedoch den Argento-typischen Drehbuchschwächen. Die wenig elegante, episodenhafte Erzählstruktur gepaart mit den durchschnittlichen Darstellerleistungen und wenigen Schauwerten sorgt für ein eher gehemmtes Sehvergnügen. Daran kann auch die überzeugende technische Präsentation des Films, wenn auch mit bescheidenen Extras gepaart, nichts mehr ändern.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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116:06 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 1.0 | Italienisch Dolby Digital 1.0 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- 2 Originaltrailer
- Produktionsnotizen
- Filmographie von Dario Argento
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Die Halunken
Le Cinque giornate
Argentos gescheiterte Revolutionierung des eigenen Arbeitsspektrums
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Italien, 1973 Regie: Dario Argento Drehbuch: Dario Argento, Luigi Cozzi, Nanni Balestrini, Enzo Ungari Darsteller: Adriano Celentano, Enzo Cerusico, Marilù Tolo, Luisa De Santis, Glauco Onorato, Sergio Graziani
Label :
e-m-s
Verkaufsstart : 24.04.2008
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