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DVD-Besprechung - Ich habe euch nicht vergessen
Story:
Am 20.09.2005 verstarb Simon Wiesenthal im Alter von 96 Jahren in seinem Haus in Wien. Bis zu seinem Tode war er der berühmteste und berüchtigste Ankläger in Sachen Naziverbrecher und ließ sich auch durch einflussreiche Gegner nicht von seinem Weg abbringen. Mit „Ich habe euch nicht vergessen“ wird die Person Simon Wiesenthal, sein Leben, seine Leiden und seine Freuden näher gebracht.
Meinung zum Film:
Das Leben von Simon Wiesenthal wurde durch Kriege geprägt. Sein Vater starb während des Ersten Weltkriegs, er selbst wurde während des Zweiten Weltkriegs von den Nazis in einem KZ interniert, nachdem er zuvor nur ganz knapp der Erschießung auf einem Marktplatz entkam. 1945 kam wurde er aus dem KZ Mauthausen befreit und mit der Übergabe eine Liste mit 91 Naziverbrechern am 20. Mai 1945 an die amerikanischen Behörden begann sein neuer Lebensweg als gefürchteter Nazi-Jäger. Der Oscar-prämierte Dokumentarfilmer Richard Trank („Ins gelobte Land“) nahm sich der bewegenden Lebensgeschichte Wiesenthals an und bringt in seiner sehr nahegehenden, mit ruhigen Tönen erzählten Dokumentation den Lebens- und Leidenswegs des als Nazi-Jäger bekannt gewordenen Menschen näher. Die sentimentale Erzählweise wird durch passende Musik und Bilder deutlich verstärkt, was rein auf Fakten setzende Dokumentarfreunde sicherlich ein wenig stören wird. Sieht man den Beitrag aber als persönliche Schilderung über den Menschen Simon Wiesenthal, ist diese stilistische Mittel durchaus angebracht und passend eingesetzt.
Auffallend ist in den zahlreichen Interviews mit Simon Wiesenthals, die in der Dokumentation gezeigt werden, dass er keinesfalls ein vom Hass zerfressener Mensch ist. Ganz im Gegenteil. Wenn er von den schrecklichen Momenten während des Zweiten Weltkriegs erzählt, ist seine Stimme der Trauer deutlich näher als dem Zorn. Wenn er über seine ehemaligen Peiniger und andere Kriegsverbrecher berichtet, schwingt der leise Wunsch nach Gerechtigkeit für die Toten in seiner Stimme und nicht das bloße Verlangen nach Vergeltung. Er selbst sagte als Reaktion auf die Aussage, die er nach seiner Befreieung aus dem KZ hörte, dass er doch „...bald wieder Häuser konstruieren kann...“ mit ruhiger, sanfter Stimme „Wie kann ich nach dem, was ich erlebt habe, wieder einfach an der Stelle weiter machen, an der ich aus meinem alten Leben gerissen wurde?“. Eine Aussage, die bei vielen noch lange im Gedächtnis bleiben wird, weil sie zum Nachdenken über die Verbrechen an unzähligen Menschen auffordert und die Situation der Überlebenden ins Bewusstsein bringen kann.
Einzigartig ist, wie Simon Wiesenthal die Erlebnisse wiedergibt. Seine Erzählungen vom Schrecken des Krieges sind nicht theatralisch, moralingesäuert oder anklagend. Er erzählt seine Erlebnisse, wie Großeltern ihren Enkelkindern aus ihrer eigenen Jugend etwas berichten. Er hat immer wieder Tränen in den Augen, weiß die ein oder andere Anekdote zu erzählen und fesselt dadurch sein Publikum. Er versteht es zudem, Geschichte in einer Art und Weise zu präsentieren, die greifbar für den Zuschauer wird, die man sich bildlich vorstellen kann und die weit entfernt von den angestaubten und distanzierten Schilderungen der meisten Geschichtsbücher ist. Viele werden vom Nazi-Jäger Simon Wiesenthal gehört haben, viele werden sich ihre Meinung darüber gebildet haben, wie er bis an sein Leben den Kampf gegen die Nazis führte. Er wurde von seinen oftmals einflussreichen Kritikern als unbequemer Zeitgenosse, Quertreiber, Provokateur und Besessener bezeichnet. „Ich habe euch nicht vergessen“ zeigt jedoch ein ganz anderes Bild. Es ist das Bild des sympathischen, herzensguten Menschen hinter dem martialisch klingenden Begriff Nazi-Jäger und es wird leicht zu verstehen, warum Simon Wiesehnthal handelte wie er es tat.
Digitale Aufarbeitung:
Da es zahlreiche zeitgenössischen Aufnahmen zu sehen gibt, ist die Qualität schwankend, was aber keinen Einfluss auf den Sehgenuss hat. Das Bild ist durchweg als gut zu bezeichnen. Gleiches gilt auch für den Ton, der sehr sorgfältig abgemischt und auf die DVD gebracht wurde.
Das Bonusmaterial besteht zu einem Großteil aus Interviews. Regisseur Richard Trank, Produzentin Inbal B. Lessner, Darsteller Sir Ben Kingsley, der Simon Wiesenthal gut kannte, und Sprecherin Iris Berben erzählen von ihren Eindrücken über die Dokumentation und ihren Gedanken über die Person Simon Wiesenthal und seine Lebensumstände. Abschließend findet sich noch der Kinotrailer zur Doku auf der DVD. Dem sehr edel gestaltetem Digipak liegt noch ein kleines Booklet bei, das einige Hintergrundinformationen zum Film und den daran beteiligten Personen bereithält.
Fazit:
„Ich habe euch nicht vergessen“ ist ein sehr persönliches Portrait über eine große Persönlichkeit. Simon Wiesenthal stellt sich in den verschiedenen Gesprächen als angenehmer Zeitgenosse heraus, dem es in seiner Suche nach Naziverbrechern keineswegs um Rache ging, sondern einfach nur um Gerechtigkeit. Absolut Sehenswert!
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,78:1
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101:29 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Keine |
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Bonusmaterial:
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- Interview mit Regisseur Richard Trank
- Interview mit Produzentin Inbal B. Lessner
- Interview mit Sir Ben Kingsley
- Interview mit Iris Berben
- Kinotrailer
- Booklet
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Ich habe euch nicht vergessen - Simon Wiesenthals Leben und Vermächtnis
I have never forgotten you: The Life & Legacy of Simon Wiesenthal
Recht, nicht Rache - Eine Dokumentation gegen das Vergessen
Autor der Besprechung:
Michael Tomiak
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2007 Regie: Richard Trank Drehbuch: Richard Trank, Marvin Hier Darsteller: Simon Wiesenthal, Sir Ben Kingsley, Iris Berben, Nicole Kidman, Frederick Forsyth
Label :
Polyband
Verkaufsstart : 25.04.2008
Vertrieb :
Impuls Home Entertainment
Verkaufsstart : 25.04.2008
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