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Blu-ray-Besprechung - The Last Man on Earth

Story:
Robert Neville (Vincent Price) ist der letzte Überlebende einer verheerenden Seuche, die sich atemberaubend schnell über den gesamten Globus ausbreitete. Neville selbst ist Wissenschaftler und forschte vergeblich an einem Impfstoff gegen die Seuche, gegen die er offensichtlich selbst immun ist. Alle Opfer der Seuche sterben und erwachen zu neuem, unheiligem Leben als eine Art zombieähnlicher Vampir. Tagsüber vernichtet Neville soviele Vampire wie möglich, während er des Nachts gezwungen ist, sich vor den umherstreifenden Vampiren zu verbarrikadieren.

Meinung zum Film:
"The Last Man on Earth" basiert auf dem Science-Fiction-Roman "I Am Legend" von Richard Matheson aus dem Jahr 1954. Dieser Roman wurde später noch dreimal verfilmt, zunächst 1971 mit Charlton Heston ("Die Normannen kommen") in der Hauptrolle unter dem Titel "The Omega Man", darauf folgte 2007 "I Am Legend" mit Will Smith ("I, Robot"), dessen Kassenerfolg The Asylum schließlich wiederum als Vorwand für deren Billigabklatsch "I Am Omega" mit Mark Dacascos ("Nomad - The Warrior") diente. Alle Verfilmungen entfernten sich aber relativ weit von der Vorlage und waren eher actionlastig. Der Schwarz-Weiß-Film "The Last Man on Earth" aus dem Jahr 1964 ist die erste und werkgetreueste Verfilmung des Romans. Die englischen Hammer-Studios erwarben ursprünglich die Rechte an dem Roman und Richard Matheson selbst schrieb das Drehbuch. Die Hammer-Studios entschlossen sich jedoch, den Film nicht zu produzieren, und verkauften die Rechte an die US-Produktionsfirma AIP. Matheson zog sich aus der Produktion zurück, das Drehbuch wurde überarbeitet und aus Kostengründen entschloss man sich, den Film in Italien, für das internationale Publikum allerdings in englischer Sprache, zu drehen. Die Hauptrolle übernahm jedoch US-Charakterdarsteller und Horrorikone Vincent Price ("Totentanz der Vampire"). Im Mai 2008 erschien der Film erstmals von Savoy Film als offizielle deutsche DVD. Dieser Hersteller bringt den Titeln nun, etwas mehr als zwei Jahre später, auch erstmals als deutsche Blu-ray-Fassung auf den Markt.

"The Last Man on Earth" ist ein apokalyptischer Science-Fiction-Film, dessen zentrale Figur, Robert Neville, gewohnt herausragend von Vincent Price verkörpert wird, der auch als eine Art Erzähler fungiert. Der Film nimmt dabei offensichtlich bereits viele Elemente späterer Endzeit-, aber auch Zombiefilme vorweg, was seinen Ruf als wenig geläufiger Klassiker begründete. Auch wenn sich Vincent Price hier nämlich per definitionem mit Vampiren herumschlägt, die auch weder Tageslicht noch Knoblauch vertragen und durch einen Pflock getötet werden müssen, ähneln diese Wesenheiten von ihrem Auftreten her eher späteren Zombies. Sie rotten sich in Gruppen zusammen, sind eher grobmotorisch veranlagt und offensichtlich extrem von primitiven Trieben gesteuert. Ihre Auferstehung durch eine Seuche findet sich später ja beispielsweise auch bei George A. Romero ("Dawn of the Dead") oder auch bei neueren Produktionen wie "28 Weeks Later".

Die Produktion kann ihren Low-Budget-Hintergrund nicht verhehlen, besitzt aber gerade dadurch einen gewissen nostalgischen Charme und verbreitet zudem durchaus gelungen eine düstere Endzeitatmosphäre mit für die damalige Zeit recht drastischen Szenarien. Während man dem Film Logikfehler bei Nevilles Überlebenskampf, wie dauerfrischen Knoblauch oder plötzlich neu auftauchende Leichen, noch verzeiht und auch die Verlegung des Schauplatzes in die USA toleriert, die weder architektonisch, landschaftlich, noch was die mitwirkenden Fahrzeuge betrifft, überzeugend wirkt, rauben die zahlreichen Rückblenden dem Film leider einiges an Tempo. Die deutsche Synchronisation wurde erst anlässlich der erstmaligen Veröffentlichung auf DVD vom Hersteller in Auftrag gegeben und findet sich natürlich auch erneut auf der hier vorliegenden Blu-ray. Zuvor existierte noch keine deutsche Synchronfassung. Grundsätzlich wirken die Hauptsprecher dieser Synchronisation, also hauptsächlich die Stimme von Vincent Price, durchaus professionell. Bei den Nebendarstellern gibt es aber einige Ausreißer nach unten, beispielsweise eine Frau, die ihre Stimme lachhaft verstellt, um ein Kind zu imitieren. Leider ist die eigentliche Auswahl der Sprecher allerdings deutlich weniger gelungen. Gerade Vincent Price, der im O-Ton geradezu poetisch klingt, bekommt im Deutschen eine tiefe Bassstimme verpasst, die sich eher nach einem verkaterten Cowboy anhört.

Digitale Aufarbeitung:
Der Schwarz-Weiß-Film "The Last Man on Earth" ist mittlerweile 44 Jahre alt, erstrahlte auf DVD aber zu neuem Leben und bot dort gute Werte in den Bereichen Schärfe und Kontrast, während Beschädigungen oder Verschmutzungen so gut wie gar nicht auftraten. Kritikpunkte waren lediglich das leichte kompressionsbedingte Hintergrundrauschen und die nicht immer ganz klare Konturzeichnung. An die vorliegende Blu-ray im 1080p-Format werden jedoch zwei Jahre später und im Zeitalter von Full HD ganz andere Anforderungen gestellt. Diese kann die deutsche BD allerdings nicht befriedigen und hinterlässt eher den Eindruck einer hochskalierten DVD. Die Schärfe ist für dieses Medium nicht wirklich zufriedenstellend ausgefallen, auch wenn die Kompressionsprobleme durch die Kapazität der Blu-ray offensichtlich behoben wurden. Dafür ist jetzt allerdings ein deutliches Kantenflimmern zu beobachten. Die deutsche Tonspur, mit der Synchronisation neueren Datums, klingt erwartungsgemäß klar und gut verständlich, verbreitet aber leider auch ein wenig steril wirkende (Ton-)Studioatmosphäre. Die englische Tonspur klingt zwar ein wenig verzerrt, ist der deutschen Tonspur aufgrund der fehlbesetzten Sprecher aber eigentlich vorzuziehen. Unverständlicherweise fehlen aber bei der vorliegenden Veröffentlichung nicht nur die zuschaltbaren deutschen und englischen Untertitel der alten DVD-Fassung, sondern die englische Tonspur wurde auch noch leicht asynchron auf dem Datenträger abgelegt.

Das Bonusmaterial der vorliegenden Blu-ray ist eine herbe Enttäuschung und enthält lediglich den italienischen Trailer ohne Untertitel. Gegenüber der älteren DVD-Veröffentlichung fehlen dementsprechend eine "Deleted Scene" in italienischer Sprache mit zuschaltbaren Untertiteln, die italienische Titelsequenz, eine Bildergalerie mit seltenem Werbematerial zum Film und Hintergrundinformationen zur Buchvorlage sowie den anderen Verfilmungen im Umfang von acht Textseiten. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.


Fazit:
"The Last Man on Earth" erzeugt mit einfachen Mitteln eine durchaus düstere Endzeitstimmung, wartet mit einem herausragenden Hauptdarsteller auf, der die Seelenpein seiner traurigen Existenz glaubwürdig verkörpert, und nimmt viele Elemente modernerer Endzeit- und Zombiefilme vorweg. Der Film ist außerdem deutlich näher an der Romanvorlage als spätere Verfilmungen und bietet daher deutlich mehr Tiefgang und dafür weniger Action, die langatmigen Rückblenden bremsen den Film aber auch ein wenig aus. Technisch kann die BD nicht überzeugen und bietet gegenüber der alten DVD kaum qualitative Vorteile, die deutsche Synchronisation ist zudem nicht gerade gelungen, während die englische Tonspur auch noch asynchron auf der BD abgelegt wurde. Außerdem wurde der Großteil des Bonusmaterials nebst der beiden Untertitelspuren wegrationalisiert, weshalb die BD ausstattungstechnisch unverständlicherweise sogar noch deutlich hinter der DVD zurückbleibt.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
86:44 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
DTS-HD Master Audio 2.0
DTS-HD Master Audio 2.0
Englisch
DTS-HD Master Audio 2.0
DTS-HD Master Audio 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Italienischer Trailer
The Last Man on Earth - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
The Last Man on Earth
The Last Man on Earth

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Apokalyptischer Science-Fiction-Klassiker mit einem starken Vincent Price und viel düsterer Endzeitatmosphäre


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Italien / USA, 1964
Regie:
Ubaldo Ragona, Sidney Salkow
Drehbuch:
William F. Leicester, Richard Matheson, Furio M. Monetti, Ubaldo Ragona (basierend auf einem Roman von Richard Matheson)
Darsteller:
Vincent Price, Franca Bettoia, Emma Danieli, Giacomo Rossi-Stuart, Umberto Raho, Christi Courtland

Label Deutschland :
Savoy Film
Verkaufsstart Deutschland :
29.07.2011