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DVD-Besprechung - Der große Ausverkauf
Story:
"Der Große Ausverkauf" beschäftigt sich anhand ausgewählter Länderbeispiele in den Bereichen Energieversorgung (Südafrika), Wasserversorgung (Bolivien), Gesundheitswesen (Philippinen) und Verkehrsdienstleistungen im Schienenverkehr (Großbritannien) mit den negativen Folgen von Privatisierung, die anhand von besonders einschneidenden Einzelschicksalen davon betroffener Menschen erläutert werden. Es werden aber auch teils erfolgreiche Beispiele des Widerstands gegen diese neoliberalen Ausbeutungsversuche dargestellt.
Meinung zum Film:
Für die Dokumentation "Der Große Ausverkauf" zeichnet Florian Opitz ("Blut für Öl. Die Kriege um das schwarze Gold") als Regisseur und Drehbuchautor verantwortlich, der bereits zahlreiche Dokumentationen für das Fernsehen entwickelte und produzierte. Co-Produzenten des Projekts waren ARTE, der Bayrische Rundfunk (BR) und der Westdeutsche Rundfunk (WDR), gefördert wurde das Projekt von der Filmstiftung NRW. Seine Deutschlandpremiere feierte der Film am 24. Oktober 2006 bei den 40. Hofer Filmtagen 2006, der offizielle Kinostart erfolgte am 17. Mai 2007. Im Jahr 2007 war "Der Große Ausverkauf" beim "Film+" in Köln für den besten Schnitt nominiert.
Die Dokumentation "Der Große Ausverkauf" konzentriert sich auf die Privatisierungsbestrebungen in vier zentralen, ehemals von Staatsmonopolen geprägten Politikfeldern. Während die Beispiele aus Südafrika, genauer Soweto, Bolivien, genauer Cochabamba, und von den Philippinen (Manila) besonders krass wirken, hat das Beispiel der Privatisierung des Schienenverkehrs, nicht nur wegen des europäischen Beispiels Großbritannien, einen besonderen Bezug für den deutschen Zuschauer. Denn kürzlich haben sich die Parteien der Großen Koalition ebenfalls auf einen Einstieg in die Privatisierung der Deutschen Bahn geeinigt. "Der Große Ausverkauf" wird nicht als wissenschaftlicher Beitrag in die Geschichte des Dokumentarfilms eingehen, der sich innerhalb der Privatisierungsdiskussion nach allen Seiten offen gibt und letztendlich dem Zuschauer die Möglichkeit gibt, ein eigenes Urteil zu treffen. Vielmehr setzt der Film auf Emotionen und die Anbindung an Einzelschicksale, die aber natürlich auch mit Daten und Fakten angereichert werden. Als Experte für die eigene Sache wird allerdings "lediglich" Joseph E. Stiglitz, seines Zeichens aber immerhin einer der bedeutendsten US-Ökonomen, aufgefahren. Er stellt zwar keinen grundsätzlichen Kritiker der Globalisierung dar, kritisiert jedoch deren Auswüchse und fordert eine stärkere Berücksichtigung der Interessen von Entwicklungsländern innerhalb des Globalisierungsprozesses.
Ihr eigentliches Ziel erreicht die Dokumentation mit Bravour. Das ist vor allem das Schüren von Zorn und Unverständnis gegenüber profitorientierten, skrupellosen, multinationalen Großkonzernen und durch die emotionale Anbindung an Einzelschicksale das Mitleiden mit den betroffenen, schwächsten Parteien, die unter der Privatisierung natürlicher Monopole besonders zu leiden haben. Eine Frau kämpft in Manila um das Leben ihres schwerkranken Sohnes, deren Behandlung sie sich finanziell kaum erlauben kann. Das Gesundheitswesen ist schrittweise privatisiert worden und leidet jetzt unter einem akuten Mangel an Fachpersonal, während bei den Behandlungskosten ein massiver Anstieg zu verzeichnen ist. Nur ein paar Kilometer entfernt existieren allerdings Privatkliniken, die reichen ausländischen Kunden alle Wünsche von den Augen ablesen. Währenddessen drehen in Südafrika und Bolivien die neuen Herrscher über Wasser und Strom derart stark an der Preisschraube, dass die ärmeren Teile der Bevölkerung nichtmal mehr in der Lage sind, ihren Grundbedarf an Wasser bzw. Energie zu refinanzieren. Die Folge sieht so aus, dass die Konzerne sie schlichtweg vom Netz nehmen. Der Film gewährt aber auch einen Hoffnungsschimmer, besonders angesichts des Beispiels der "Wasserkriege" in Bolivien, wo es der Bevölkerung am Ende nach massiven Protesten gelang, die Rücknahme der Privatisierung der Wasserversorgung zu erreichen.
Digitale Aufarbeitung:
Die Schärfe des Bildes ist überzeugend, der gute Eindruck wird aber leider durch ein doch recht starkes Bildrauschen ein wenig getrübt. Ansonsten gibt es aber keine besonderen Schwächen zu verzeichnen. Die Dokumentation liegt komplett im O-Ton vor, also in den jeweiligen Landessprachen der Interviewten. Zum größten Teil wird allerdings Englisch gesprochen. Alle Passagen werden deutsch untertitelt. Die DVD überzeugt zu jeden Zeit mit guter Verständlichkeit und ist erwartungsgemäß vor allem textlastig.
Das Highlight bei den Extras sind die sieben Deleted Scenes mit einer Laufzeit von rund 35 Minuten. Weiterhin gibt es noch ein kurzes Interview mit Regisseur Michael Opitz (3:39), einen Trailer, eine Fotogalerie und im DVD-ROM-Bereich der DVD ein interessantes und ausführliches, 20-seitiges Presseheft im PDF-Format mit vielen Hintergrundinformationen.
Fazit:
"Der Große Ausverkauf" bezieht gleich zu Beginn einen klar gegen die Privatisierung gerichteten Standpunkt, den er anhand krasser Negativbeispiele zwar sachlich fundiert, aber auch sehr emotional vertritt. Der Film ist ein bewegendes Plädoyer für die Beibehaltung staatlicher Monopole in Politikfeldern mit einer besonders hohen Relevanz für die Interessen der Allgemeinheit und macht zugleich wütend und betroffen. An einigen Stellen wären aber mehr harte Fakten wünschenswert gewesen sowie eine stärkere Einbeziehung und Widerlegung gegensätzlicher Argumentationsweisen.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,78:1
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94:54 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Englisch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Interview mit Florian Opitz
- Deleted Scenes
- Trailer
- Fotogalerie
- 20-seitiges Presseheft (DVD-ROM-Bereich)
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Der Große Ausverkauf
Der Große Ausverkauf
Die Privatisierung als Selbstbedienungsladen für Großkonzerne auf Kosten der Allgemeinheit und der Schwachen
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2006 Regie: Florian Opitz Drehbuch: Florian Opitz
Label :
Arthaus
Verkaufsstart : 02.05.2008
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