Splashpages  Home Movies  Rezensionen  Rezension  Bye Bye Berlusconi!
Partner von Entertain Web
http://www.splashmovies.de/php/images/spacer.gif
The DescendantsLucky TroubleDas Todesspiel

In der Datenbank befinden sich derzeit 3.899 Rezensionen. Alle Rezensionen anzeigen...

DVD-Besprechung - Bye Bye Berlusconi!

Story:
Ein unabhängiges italienisches Produktionsteam beschließt im Frühjahr 2005, einen Film über den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi zu drehen. Darin soll er entführt werden, worauf ihm von den Entführern unter Beteiligung der Bevölkerung über das Internet live der Prozess für seine vielen Schandtaten in den vergangenen Jahren gemacht wird. Aus rechtlichen Gründen darf jedoch der Name Silvio Berlusconi im Film nicht benutzt werden und die Behörden legen dem Team immer neue Steine in den Weg. Schließlich schrecken die Spießgesellen von Berlusconi auch vor Gewalt und Terror nicht mehr zurück und versetzen das gesamte Team in Angst und Schrecken.

Meinung zum Film:
Silvio Berlusconi ist ein italienisches Phänomen und wohl einer der verlogensten und korruptesten aller unschuldigen Politiker auf diesem Planeten. Nach der Gründung seiner Mitte-Rechts-Partei "Forza Italia" im Jahr 1994 gelingt es dem Medienmagnaten Berlusconi, der eben jene Medienmacht massiv für seinen Wahlkampf nutzt, direkt zum ersten Mal die Regierung zu stellen. Diese hält jedoch nur eineinhalb Jahre. 2001 gewinnt er aber erneut die Parlamentswahlen und seine Regentschaft dauert dieses Mal bis ins Jahr 2005. Nach seinem Rücktritt wird er umgehend zum dritten Mal Ministerpräsident. Bei den Parlamentswahlen 2006 muss Berlusconi aber eine bittere Schlappe einstecken und zurücktreten. Lediglich zwei Jahre später ist Berlusconi, das italienische Stehauf-Männchen, schon wieder an die Schaltstellen der Macht zurückgekehrt. Außer wegen seiner mit der Rolle des Ministerpräsidenten eigentlich unvereinbar erscheinenden geballten Medienmacht, steht Berlusconi auch in zahlreichen Gerichtsprozessen am Pranger u.a. wegen Korruption und Bilanzfälschung. Es gelang ihm jedoch stets Freisprüche zu erwirken. Waren die Vorwürfe nicht bereits verjährt, wurde eben schnell ein neues, passendes Gesetz auf den Weg gebracht, das Berlusconi nachträglich nutzen konnte, um sich von aller Schuld reinzuwaschen.

"Bye Bye Berlusconi!" gehört ins Genre der sogenannten "Mockumentary", stellt also einen fiktiven Dokumentarfilm dar und bewegt sich zudem innerhalb der Kategorien Drama und Komödie. Ein Filmteam will einen Anti-Berlusconi-Film drehen, sieht sich aber durch rechtliche Auflagen gezwungen, fiktive Namen und Bezüge zu verwenden. So entsteht aus kreativem Zwang die Figur des Micky Laus, dem Bürgermeister des Dorfs Hühnerhausen, seines Zeichens Melonenfabrikant und Inhaber des TV-Senders "Telemelone", der neben großmelonigen Frauen vor allem ein groteskes Zuschauerverblödungstelegramm zelebriert, das an diverse deutsche Quizsender erinnert. Walt Disney stand aber auch Pate für die "Hundekackerbande" und die Namen der Terroristen, z.B. Daisy, die Silvio Berlusconi alias Micky Laus gewaltsam entführen. Während "Bye Bye Berlusconi!" nämlich pseudodokumentarisch dem Filmteam folgt, wohnt der Zuschauer auch den Dreharbeiten an dem eigentlichen Film im Film bei, in dem Terroristen Micky Laus entführen, um ihm den wohlverdienten Prozess zu machen. Die Idee des Films ist also als eher als durchgeknallt zu bezeichnen, weshalb sich auch gar nicht erst groß mit irgendwelchen filmischen Konventionen aufgehalten wird.

Leider wirkt der eigentliche Film aber so, als hätte sich Fassbinder mit ein paar idealistischen, politisch motivierten Amateurfilmern zusammengetan, die im Verbund mit Christoph Schlingensief unter massivem Drogenkonsum einige alte Filme von Marco Ferreri konsumiert haben. Das Ergebnis ist eine gute Idee, die nicht weitentwickelt wird und in verquasten, inhaltlich grenzdebilen Dialogen verheizt wird, während der Film immer mehr Richtung Drama abdriftet und seine satirischen Untertöne durch peinlich-platte Seitenhiebe gegen Silvio Berlusconi ersetzt, die stets unterhalb der Gürtellinie verlaufen. Auch die Kameraführung erinnert phasenweise eher an das Werk eines Epilektikers, der redlich bemüht ist, der auf der Stelle tretenden Handlung nach der Devise "Nur Action bringt Satisfaction" neues Leben einzuhauchen. Am sympathischsten innerhalb des Reigens der diskussions- und streitlustigen, pseudo-intellektuellen Möchtegerndarsteller des fiktiven Films wirkt zudem ausgerechnet kontraproduktiverweise der täuschend echt anmutende Berlusconi-Doppelgänger Maurizio Antonini wie der einzige Sympathieträger. Inhaltlichen Tiefgang oder gar eine ernstzunehmende Auseinandersetzung mit dem Phänomen "Berlusconi" sucht man bei diesem Film aber eh über die gesamte Spielzeit vergeblich.   

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität ist leider alles andere als optimal. Das Bild ist ziemlich unscharf und die Farben wirken ebenso blass wie kraftlos. Hinzu tritt außerdem noch ein relativ starkes Bildrauschen. Häufiger wirkt es, als würde man den Film durch ein Milchglas betrachten. Die Tonspuren sind zwar größtenteils gut verständlich, die deutsche Synchronisation klingt aber relativ künstlich und qualitativ auch etwas blechern und dumpf.

Die Ausstattung der DVD folgt dem Motto "Geiz ist geil". Auf der DVD befindet sich lediglich ein Trailer, das satirische Grußwort des "Ministerpräsidenten", bzw. seines Doppelgängers (1:07), das unkommentierte, eher witzlose Kurzfeature "Ein Doppelgänger auf der Berlinale" (3:34), in dem die versammelte Presse prompt auf den Berlusconi-Doppelgänger hereinfällt, und noch eine Fotogalerie.  

Fazit:
"Bye Bye Berlusconi!" basiert auf einer ziemlich durchgeknallten Film-im-Film-Idee mit viel subversivem Potential. Leider bleibt es bei der guten Idee und die praktische Ausführung wirkt handwerklich amateurhaft, während storytechnisch nur Plattheiten geboten werden und sich der Film humoristisch auf der vergeblichen Suche nach einer zündenden Pointe befindet. Technisch ist die DVD zudem nicht sehr überzeugend und ausstattungstechnisch ist hier leider Schmalhans Küchenmeister.  

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,78:1
1,78:1
88:49 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Italienisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Trailer
  • Grußwort des "Ministerpräsidenten"
  • "Ein Doppelgänger auf der Berlinale"
  • Fotogalerie
Bye Bye Berlusconi! - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Bye Bye Berlusconi!
Bye Bye Berlusconi!

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein genial-irrwitziges Konzept aber ein "lausig"-bescheuerter Film


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2006
Regie:
Jan Henrik Stahlberg
Drehbuch:
Jan Henrik Stahlberg, Lucia Chiarla
Darsteller:
Maurizio Antonini, Lucia Chiarla, Pietro Bontempo, Pietro Ragusa, Tullio Sorrentino, Fabio Bezzi

Label Deutschland :
Arthaus
Verkaufsstart Deutschland :
02.05.2008