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DVD-Besprechung - Das Mädchen mit den Katzenaugen

Story:
In Hamburg treibt eine Schieberbande ihr Unwesen, die durch diverse Tricks Autobesitzer um ihr Fahrzeug erleichtert. Inspektor Krause (Bum Krüger) kommt auf die Fährte der Bande, wird aber im Auftrag von Bandenchef Carlo (Wolfgang Preiss) aus dem Weg geräumt. Kommissar Wilms (Joachim Fuchsberger) von der Kripo übernimmt die weiteren Ermittlungen und schon bald führen ihn diese in die Rio Rita Bar, wo die bezaubernde Tänzerin Katja (Vera Tschechowa) schon sehr bald sein privates Interesse weckt. Was Wilms nicht ahnt ist, dass die Werkstatt von Katjas Vater (Gert Fröbe) von der Schieberbande als Zwischenlager für die gestohlenen Fahrzeuge dient. 

Meinung zum Film:
„Das Mädchen mit den Katzenaugen“ entstand 1958, ein Jahr bevor die erfolgreiche „Edgar Wallace“-Reihe der Rialto-Film in den deutschen Kinos für Krimi-Furore sorgte und zwei Jahre bevor Dr. Mabuse in diversen Kinoproduktionen versuchte, die Welt unter sein Joch zu bringen. Mit Joachim Fuchsberger („Der Frosch mit der Maske“) spielte einer der beliebtesten Wallace-Kommissare hier bereits den Part des charmanten Ermittlers und auch ansonsten sind bereits einige der späteren Wallace- und Mabuse-Darsteller mit an Bord. Gert Fröbe ging mit dem „grünen Bogenschütze“ in die Wallace-Geschichte ein und konnte in als Kommissar in den Mabuse-Filmen weitere deutsche Krimi-Geschichte schreiben. Wolfgang Preiss spielte mehrfach die Rolle des diabolischen Genies Dr. Mabuse und unter anderem auch Inspector Morel Smith in dem Bryan-Edgar-Wallace-Film „Der Henker von London“. Hans Clarin, der als die Stimme von Pumuckl unsterblich wurde, legte in „Das indische Tuch“ eine furchteinflößende Darbietung ab. Vera Tschechowa durfte als Feder-Lissy in „Die Gruft mit dem Rätselschloss“ auftreten und Mandy Rahl als Marjorie Wells in „Der Fälscher von London“. Komponist Willy Mattes komponierte die Musik zu „Der Frosch mit der Maske“ und „Der rote Kreis“.

Das Drehbuch zum Film stammt von Werner P. Zibaso, dessen Arbeitsnachweis von Abenteuerfilmen mit Namen wie „Weiße Fracht für Hongkong“ über Komödien der Marke „Der Haustyrann“ nach Herzschmerz-Revues wie „Wir wollen niemals auseinandergehen“ irgendwann im platten Nackedei-Humor a la „Hausfrauen-Report 1: Unglaublich, aber wahr“ landete. Und genauso bunt sich seine Drehbucharbeiten lesen lassen, genauso bunt ist im Grunde auch das Skript zu „Das Mädchen mit den Katzenaugen“ geworden. Die Szenen in der Rio Rita Bar werden immer wieder als dankbarer Anlass genommen, um die ein oder andere Revue-Nummer zu präsentieren. Joachim Fuchsberger hält sich in Sachen Polizeiarbeit ein wenig zurück, kümmert sich dafür aber intensiv um die Gunst von Vera Tschechowa. Wolfgang Preiss glänzt als aalglatter und skrupelloser Killer und bietet eine leicht abgewandelte Form seiner zahlreichen Auftritte als Nazi-Offizier, die er in internationalen Produktionen erfolgreich verkörperte. Gert Fröbe bleibt der Part als kauziger Werkstattbesitzer, den man lieben oder hassen wird. Die Einen werden seinen Auftritt als deplaziertes Overacting werten, während Andere eine passende Auflockerung in ihm sehen werden. Hans Clarin tritt zu Beginn als Autodieb in Erscheinung, verschwindet aber leider schon wieder recht früh von der Bildfläche.

So gut die Rahmenbedingungen für den Film auch passen, so sehr fehlt es der Story an einem annehmbaren Spannungsbogen. Die Handlung läuft ohne nennenswerte Höhepunkte ab und auf Grund der Tatsache, dass bereits sehr früh keinerlei Geheimnisse mehr bestehen, die Ermittlungen der Polizei nach kurzen Anläufen gleich wieder unspektakulär verlaufen und es keine Wendungen gibt, plätschert es inhaltlich lediglich langsam vor sich hin. Die Aufmachung des Films erinnert streckenweise immer mal wieder an die beliebte „Stahlnetz“-TV-Serie und man wünscht sich als Zuschauer in diesen Momenten, ähnlich dramatisch klingende Töne zu vernehmen wie in der Erkennungsmelodie der Jürgen-Roland-Krimi-Serie. Auf diese wartet man allerdings vergeblich, genauso wie auf die großen Spannungs- und Überraschungsmomente. So bleibt es am Ende bei einer guten Krimi-Revue, die einen hohen Nostalgie-Faktor mit einigen bekannten Gesichtern zu bieten hat. Reduziert auf seine Klasse als Krimi-Kost kann der Film aber nur leidlich überzeugen.   

Digitale Aufarbeitung:
Bei der Bewertung des Bildes darf nicht vergessen werden, dass das Ausgangsmaterial aus dem Jahre 1958 stammt und dass eine aufwendige Restaurierung wirtschaftlich nie zu rechtfertigen gewesen wäre. Von daher sollten die immer wieder deutlich zu erkennenden analogen Defekte des Bildmateriales, teilweises Verschwimmen in den äußeren Bereichen und die Grobkörnigkeit nicht negativ ins Gewicht fallen und einfach als nostalgischer Charme verstanden werden. Der deutsche Ton in Dolby Digital Mono ist durchweg gut zu verstehen.

Als Extra gib es eine automatisch ablaufende Fotogalerie mit Aushangfotos, dem Plakatmotiv, Fimprogramm und Werberatschlägen.


Fazit:
„Das Mädchen mit den Katzenaugen“ ist mehr eine bunte Krimi-Revue als eine spannende Jagd nach Automardern. Wer Dramatik in Form der Edgar-Wallace- oder Dr.-Mabuse-Filme erwartet, wird ziemlich sicher enttäuscht werden. Wer eine nostalgische Reise in die Unterhaltungswelt der späten 50er-Jahre sucht, ist hier aber bestens aufgehoben.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,66:1
1,66:1
85:05 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Untertitel:
Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Polnisch
Bonusmaterial:
  • Fotos
Das Mädchen mit den Katzenaugen - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Das Mädchen mit den Katzenaugen
Das Mädchen mit den Katzenaugen

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Eine deutsche Krimi-Revue, der die Spannugsmomente verwehrt wurden


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 1958
Regie:
Eugen York
Drehbuch:
Werner P. Zibaso
Darsteller:
Wolfgang Preiss, Bum Krüger, Joachim Fuchsberger, Vera Tschechowa, Gert Fröbe, Mady Rahl, Hans Clarin, Willy Krüger, Stanislav Ledinek, Emmerich Schrenk

Label Deutschland :
Magic Picture
Verkaufsstart Deutschland :
08.05.2008