 |
DVD-Besprechung - Gene Broadway - Tanz ... oder Liebe?
Story:
Francois (Vincent Elbaz) führt mit seiner bildhübschen Frau Blanche (Cécile de France) und dem gemeinsamen Sohn Antoine ein beschauliches Pariser Vorstadtleben. Eines Tages sieht er zufällig den Filmklassiker "Singin’ in the Rain" und ist fortan nur noch von einem einzigen Gedanken besessen: Er will Tänzer werden! Über Nacht gibt er seine gesicherte Existenz auf, verlässt Frau und Kind, um sich ab sofort seiner neuen Passion hingeben zu können. Dabei übersieht er nur, dass selbigen Fehler Jahrzehnte zuvor bereits sein Vater und Großvater begangen haben und die Entscheidung jedes Mal in einer einzigen Tragödie endete.
Meinung zum Film:
Wer kennt sie nicht, die Stars des klassischen amerikanischen Tanzfilms? Gene Kelly und Fred Astaire waren unvergleichliche Performer, die nicht nur auf der Leinwand, sondern auch am Broadway Millionen von Zuschauern in ihren Bann zogen und selbst noch Jahrzehnte später jungen Künstlern als Inspiration dienten. Unter anderem hätte Michael Jackson ohne sein großes Vorbild Fred Astaire nie mit dem Tanzen angefangen. Und auch "Kung Fu"-Star David Carradine wäre vielleicht nie Hauptdarsteller der beliebten Serie geworden, wenn er nicht als Kind mit großer Begeisterung die Filme von Kelly & Co. im Kino gesehen und daraufhin auf eigene Faust Tanzunterricht genommen hätte, der ihm zu perfekter Beweglichkeit für spätere Rollen verhalf.
Die französische Produktion "Gene Broadway - Tanz ... oder Liebe?" von Autor und Regisseur Alain Berliner ("Ma vie en rose") versteht sich selbst als Hommage an die großen Klassiker, scheitert dabei jedoch leider auf ganzer Linie. Das fängt schon beim Setting an. Der Film ist in eine seltsam-mysteriöse Rahmenhandlung verpackt, die aus dem Jahr 2030 als Rückblende erzählt wird und dabei Abstecher in die 1990er, 1960er und 1940er macht. Zentrum der Handlung bleibt zwar irgendwo Francois, doch auch dessen Vater und Großvater werden mit eingebaut, wobei es oft Schwenks zwischen den einzelnen Ebenen gibt. Alles beginnt damit, dass ein Universitäts-Dozent seine Studenten darüber aufklärt, dass nicht nur Aussehen vererblich sei, sondern sich auch bestimmte Verhaltensmuster auf folgende Generationen übertragen würden. Als Beispiel führt er dann die Geschichte um Francois und dessen Familie an. Diese leidet seit Jahrzehnten unter dem "Fluch", dass die Ehemänner irgendwann einfach ohne ein Wort abhauen, um ihrer Tanz-Leidenschaft nachzugehen, die von den Frauen nicht geteilt wird. Mehr oder weniger erfolgreich treten die Herren der Schöpfung dann unter dem Pseudonym "Gene Broadway" auf - Gene wegen Gene Kelly und Broadway als Hommage.
Hört sich für ein Musical sehr merkwürdig an? Ist es auch. Die seltsame Storyline, in der teilweise Erinnerungen und Träume mit der Wirklichkeit verschmelzen, geht sogar so weit, dass der in den 1990ern lebende Francois irgendwann abends auf der Straße die Dreharbeiten zu Gene Kellys "Singin' in the Rain" ("Du sollst mein Glücksstern sein") - einem Film von 1952 - sieht und Kelly zur Rede stellen will, weil dieser einen "Fluch" auf die Familie gelegt habe. Doch selbst, wenn die Handlung nicht derart abgedreht wäre, würde "Gene Broadway" nicht überzeugen können. Das Problem ist zu einem großen Teil, dass einfach keine Stimmung aufkommt. Der Film kann weder als Tanzfilm noch als Musical bestehen. Die Musik ist zu abstrakt und für die Choreographien, die man mit ihr unterlegt hat, in der Regel unpassend. Auch die Tanzeinlagen begeistern recht wenig, da es Alain Berliner nicht schafft, sie mitreißend zu inszenieren und für den Zuschauer spannend in die Geschichte einzubauen. Zudem ist der befremdliche Eindruck, den man als Zuschauer von Francois und seinem Vater hat, nicht gerade förderlich. Wirkliche Sympathie will für die Tanzbegeisterten nicht aufkommen, die "gerade mal schnell Zigaretten holen" sind und sich dabei auf Nimmerwiedersehen von Frau und Kind verabschieden - wobei sie auch noch ein uraltes Klischee bedienen.
Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität der DVD bewegt sich auf einem guten Niveau. Der Transfer ist scharf und bietet natürliche Farben, wobei gelegentlich Filter als Stilmittel eingesetzt wurden. Das Bild rauscht nur leicht, allerdings sind gelegentlich Doppelkonturen zu sehen. Der Ton liegt auf Deutsch und Französisch vor. Während die Originalfassung lediglich in Stereo daherkommt, bietet die deutsche Version einen Dolby-Digital-5.1-Mix. Leider hört sich dieser jedoch auch nicht viel anders als sein Stereo-Pendant an und verteilt selbst die Hintergrundmusik hauptsächlich auf die Front.
Als Bonusmaterial ist lediglich der Trailer enthalten.
Fazit:
"Gene Broadway" hätte ein netter Standard-Tanzfilm werden können, hätte Autor und Regisseur Alain Berliner nicht versucht, seiner Geschichte auf ziemlich seltsame Weise einen zusätzlichen Twist oder Spannungsbogen zu geben. Denn somit hat er sich selbst aller Chancen beraubt und präsentiert im Endeffekt einen Streifen, der weder als Hommage noch als Tanz- oder "normaler" Film funktioniert. Zudem ist die Inszenierung zu langweilig und die Figuren sind insgesamt nicht sympathisch genug. Die deutsche DVD von Koch Media liefert ein gutes Bild, kann aber weder beim Ton noch beim Bonusmaterial überzeugen.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
2,35:1
|
102:25 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 5.1 | Französisch Dolby Digital 2.0 |
|
Untertitel:
|
|
Deutsch |
|
Bonusmaterial:
|
|
|
|  |
Gene Broadway ... Tanz oder Liebe?
J'aurais voulu être un danseur
Missglückte "Hommage" an klassische Tanzfilme
Autor der Besprechung:
Jano Rohleder
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Belgien, Luxembourg, 2007 Regie: Alain Berliner Drehbuch: Alain Berliner Darsteller: Vincent Elbaz, Cécile De France, Jean-Pierre Cassel, Circé Lethem
Label :
Bronson Entertainment
Verkaufsstart : 25.04.2008
|