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DVD-Besprechung - Le Scandale - Champagner Mörder

Story:
Der Amerikaner Christopher (Anthony Perkins) hat in eine reiche Champagner-Dynastie eingeheiratet und ist jetzt der Ehemann von Christine Belling (Yvonne Furneaux). Ihr Cousin Paul Wagner (Maurice Ronet) besitzt jedoch zu ihrem Missvergnügen die Namensrechte an der Hausmarke ihrer Fabrikation, was es ihr unmöglich macht, den gesamten Prestige-Betrieb zu einem hervorragenden Preis an zwei interessierte Geschäftsleute zu veräußern. Paul leidet jedoch seit einem Unfall unter Black-Outs und spontanen Wutanfällen. Nachdem in seinem näheren Umfeld mehrere Gespielinnen ermordet werden, wähnt sich Paul deshalb selbst schon beinahe als Mörder. Als Christine von der Sache Wind bekommt, erscheint ihr diese Tatsasche als hervorragendes Druckmittel für eine Kooperation von Paul.

Meinung zum Film:
"Der Champagner-Mörder" entstand im Jahr 1967 unter der Regie des Franzosen Claude Chabrol ("Der Schlachter"). Chabrol gilt als einer wichtigsten Vertreter der Nouvelle Vague und ist vor allem bekannt für seine Sozialkritik gegenüber der französischen Bourgeoisie. Seinen großen künstlerischen Durchbruch hatte er jedoch erst zwei Jahre später, also im Jahr 1969, mit Werken wie "Das Biest muss sterben" oder "Die Untreue Frau". "Der Champagner-Mörder" ist deshalb auch trotz der Mitwirkung von Anthony Perkins ("Psycho") ein relativ unbekanntes Werk von Chabrol. Koch Media präsentiert den Film in dieser Fassung als weltweite DVD-Premiere in aufwendig restaurierter Form und erstmals als ungeschnittene deutsche Fassung. Bisher fehlende Passagen wurden im englischen Originalton eingefügt und mit deutschen Untertiteln versehen. Die DVD wird in einem ansprechenden Schuber ausgeliefert.

Was zunächst bei "Der Champagner-Mörder" auffällt, ist eine gewisse kritische Distanz des Regisseurs zu seinen handelnden Figuren. Alle Hauptfiguren, als Verteter der Bourgeoisie, die im Verlauf des Films, vor allem bei gesellschaftlichen Anlässen immer wieder sozialkritisch den Spiegel vorgehalten bekommen, sind charakterlich keine Waisenknaben. Christine denkt vor allem ans Geld, Christopher sucht Einfluss und Macht, während Paul sich vor allem ein leichtes Leben macht, das von Frauen und Alkohol dominiert wird. Auch wenn sich die Konstellationen zu Ungunsten von Paul verschieben, fällt es dem Zuschauer schwer, großartige Sympathien für einen der Charaktere zu entwickeln. Viel grandioser scheitert jedoch der Versuch, beim Zuschauer das Gefühl von Spannung oder Dramatik zu erzeugen, auch wenn Chabrol mit diesem Film offensichtlich Alfred Hitchcock ("Die Vögel") nacheifern wollte. Gerade die erste halbe Stunde des Films lässt in keinster Weise auf einen Thriller schließen. Christine verhandelt über den Verkauf ihrer Firma und versucht Paul zu überreden, dem zuzustimmen und ihr gegen Geld seine Markenrechte abzutreten. Es folgt eine Party, bei der sich Paul daneben benimmt und es fällt schwer, die Ereignisse genretechnisch einzuordnen, allerdings deuten alle Zeichen eher auf ein Drama und/oder eine Satire hin.

Erst als Pauls Blackouts stärker in den Fokus rücken und die erste Frauenleiche auftaucht, erweckt der Film ein wenig den Anschein eines Krimis. Da jedoch im gesamten Film kein Vertreter der Polizei auftaucht und auch keine Ermittlungsergebnisse thematisiert werden, verpufft hier jeglicher Ansatz von Spannung. Den Sprung zum Psychothriller schafft der Film aber auch nicht, da die Verstrickungen innerhalb der Figurenkonstellationen unterentwickelt sind und lediglich Sachverhalte angedeutet werden, ohne jemals wirklich weiterverfolgt zu werden. Beispielsweise wird der Einwurf, Paul habe Christopher und Christine verkuppelt, nie weiter genutzt. Auch der Handlungsfaden bezüglich einer eventuellen Verrücktheit Pauls wird erst thematisiert, als es bereits zu spät ist. Wer hier eigentlich im Hintergrund die Intrigen spinnt, ist zudem völlig durchschaubar. Es gibt zwar einen kleinen, halbwegs überraschenden Plot-Twist, der einen weiteren Komplizen einführt, die eigentliche Auflösung ist aber schlichtweg einfallslos und wenig überzeugend. Die Endsequenz mutet vor allem unfreiwillig komisch und pseudo-surrealistisch an.   

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist für einen vierzig Jahre alten Film sehr überzeugend ausgefallen, hier zahlt sich die Restaurierung sichtlich aus. Die Schärfe ist stets überzeugend, die Farben wirken sehr kräftig sowie natürlich und die Kontrastwerte geben sich ebenfalls zu keiner Zeit eine Blöße. Das Bild weist zwar ein leichtes Rauschen auf, dieses fällt aber nicht sonderlich stark ins Gewicht. Der Film liegt in deutscher und englischer Sprache vor. Das Fehlen der ursprünglichen französischen Tonspur ist allerdings ein wenig verwunderlich. Der Eindruck der beiden Tonspuren ist nicht ohne Fehl und Tadel, wobei man natürlich bei diesen Mono-Tonspuren keinen Raumklang erwarten darf. Deutlich problematischer ist aber die starke Dominanz der musikalischen Einlagen, die die Verständlichkeit der im Verhältnis dazu deutlich zu leisen Dialoge erschwert. Die englische Tonspur wirkt bei den Dialogen natürlicher, das macht die deutsche Tonspur allerdings mit größerem Nachdruck wieder wett.

Das Bonusmaterial besteht lediglich aus einer kleinen Bildergalerie mit seltenem Werbematerial zum Film.  

Fazit:
"Der Champagner-Mörder" ist ein Thriller ohne jegliche Spannung, mit dessen Figuren sich der Zuschauer aufgrund der kritischen Distanz der Darstellung ebenfalls kaum identifizieren kann. Die Dramaturgie der Story ist kaum vorhanden und bietet viel Leerlauf mit einer enttäuschenden Auflösung, während die Darsteller phasenweise durch unnatürliches Overacting negativ hervorstechen. Bildtechnisch ist die DVD aller Ehren wert, beim Ton müssen aber leichte Abstriche gemacht werden und Extras gibt es fast gar keine.  

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
94:33 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
Le Scandale - Champagner Mörder - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Der Champagner-Mörder
Le Scandale

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Kein Grund zum Anstoßen, dafür aber angesichts fehlender Spannung und Dramatik eher ein Stein des Anstoßes


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich, 1967
Regie:
Claude Chabrol
Drehbuch:
William Benjamin, Claude Brulé, Derek Prous, Paul Gégauff
Darsteller:
Anthony Perkins, Maurice Ronet, Yvonne Furneaux, Stéphane Audran, Annie Vidal, Henry Jones

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
25.04.2008