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DVD-Besprechung - Wolfsburg

Story:
Auf einer Nebenstraße nach Wolfsburg überfährt der Autohändler Philipp Gerber (Benno Fürmann) aufgrund einer Unachtsamkeit am Steuer einen kleinen Jungen. Nach dem Zusammenstoß begeht er Unfallflucht, ohne sich um das Opfer zu kümmern. Den Vorfall hält er geheim und beseitigt heimlich die Spuren am Unfallwagen. Sein Leben gerät jedoch zunehmend aus den Fugen, besonders als der Junge im Krankenhaus stirbt, lässt ihn sein schlechtes Gewissen nicht mehr los. Während die Mutter des Jungen, Laura Reiser (Nina Hoss) versucht, den Täter aufzuspüren, begegnen sich beide zufällig. Philipp kennt ihre Identität und unternimmt fortan alles, um sie zu unterstützen, dabei kommen sich die beiden immer näher.

Meinung zum Film:
"Wolfsburg" war ursprünglich eine TV-Produktion des ZDF in Zusammenarbeit mit ARTE aus dem Jahr 2002, kam später aber auch in die deutschen Kinos. Regisseur und Drehbuchautor Christian Petzold ("Toter Mann") erhielt bereits zuvor zahlreiche Auszeichungen, unter anderem im Jahr 2000 den Deutschen Filmpreis in Gold für "Die Innere Sicherheit". Hauptdarsteller Benno Fürmann ("Anatomie") hatte seinen großen schauspielerischen Durchbruch spätestens im Jahr 1998, als er in der Boxerbiographie "Die Bubi Scholz Story" in der Rolle des titelgebenden Boxers brillierte und dafür auch mit dem Deutschen Filmpreis als bester Hauptdarsteller in einem Fernsehfilm/Mehrteiler ausgezeichnet wurde. Hauptdarstellerin errang mit ihrer Darstellung der Edelprostituierten Rosemarie Nitribitt in dem Remake des deutschen 50er-Jahre-Filmklassikers "Das Mädchen Rosemarie" schlagartig große Aufmerksamkeit, feierte jedoch auch als Theaterschauspielerin regelmäßig große Erfolge. Bereits im Jahr 1997 erhielt sie die "Goldene Kamera" als beste Nachwuchs-Schauspielerin. Der mit einem Budget von lediglich rund 1,2 Millionen Euro gedrehte Film "Wolfsburg" wurde zu einem großen Kritikererfolg und Christian Petzold, Nina Hoss und Benno Fürmann erhielten für ihre herausragenden Leistungen jeweils den Grimme-Preis in Gold.

"Wolfsburg" ist ein Drama über zwei Charaktere, deren Schicksale erst indirekt, nämlich durch die Folgen des Unfalls mit Fahrerflucht, und später dann direkt, durch die Begegnungen beider Charaktere auf unheilvolle Weise miteinander verknüpft sind. Die Einführung des Charakters Philipp Gerber erfolgt relativ abrupt. Nach einem Streit mit seiner Freundin fällt ihm das Handy in den Fußraum seines Autos, bei seiner Suche verliert er kurz die Straße aus dem Blickfeld und den eigentlichen Unfall bekommt er genauso wie der Zuschauer lediglich auf akustische Weise mitgeteilt. Danach begeht er ohne sein Opfer noch großartig eines Blickes zu würdigen oder gar Hilfe zu leisten, Fahrerflucht. Im weiteren, ersten Erzählstrang erlebt der Zuschauer, wie schwer es Philipp fällt, in sein normales Leben zurückzufinden, weil seine Schuld schwer auf ihm lastet. Den zweiten, parallelen Erzählstrang bildet das Schicksal der Mutter des Jungen, Laura Reiser, für die nach dem Unfalltod ihres Sohnes eine Welt zusammenbricht. Hin- und hergerissen zwischen Schmerz, Trauer und Wut lässt sie nichts unversucht, den Täter aufzuspüren.

Schließlich begegnen sich beide eher zufällig und Philipp beginnt aufgrund seines schlechten Gewissens sein gesamtes Leben nur noch auf die Unterstützung und den Beistand für Laura auszurichten. Schließlich kommen sich beide auch persönlich immer näher, doch über allem schwebt das Damoklesschwert der Unfallflucht. Die Geschichte steuert deshalb unausweichlich auf ein tragisches und fatales Finale zu. Christian Petzold präsentiert diese traurige Geschichte als emotionales Zwei-Personenstück mit herausragenden Hauptdarstellern in unaufgeregten Bildern, die zwischen Distanz und großer Nähe hin- und herspringen. Es geht hier um zwei gebrochene Charaktere, die durch ihre beinahe an einen Liebesfilm erinnernde Kennenlernphase eine gewisse Nähe zueinander entwickeln, die doch letztendlich die Distanz zwischen beiden Charakteren nur immer weiter erhöht und unweigerlich in die Katastrophe führt.  

Digitale Aufarbeitung:
Die Schärfe des Bildes überzeugt mit guter Qualität, wird allerdings durch ein kontinuierliches Rauschen im Hintergrund ein wenig beeinträchtigt. Bei homogenen Flächen gibt es außerdem kompressionsbedingte Auffälligkeiten. Die Farbgebung wirkt natürlich sowie relativ kräftig und die Kontrastwerte sind ausgewogen. Die Dialoge sind zu jeder Zeit gut verständlich und werden auch bei Außenaufnahmen nicht von störenden Hintergrundgeräuschen überlagert.

Als wichtigstes Extra befindet sich auf der DVD ein zuschaltbarer Audiokommentar von Regisseur und Drehbuchschreiber Christian Petzold. Dieser wird engagiert vorgetragen und überzeugt mit ausführlichen, interessanten Hintergrundinformationen zum Film. Weiterhin befindet sich auf der DVD noch ein Interview mit Christian Petzold (18:28), in dem dieser u.a. Gelegenheit erhält, sich zur Entstehung des Films, zu den Dreh- und Produktionsbedingungen oder auch zur Bedeutung von Filmpreisen für die eigene Arbeit zu äußern. Abgerundet werden die Extras durch eine Fotogalerie und Biographien von Christian Petzold (5 Seiten), Benno Fürmann (7 Seiten) und Nina Hoss (6 Seiten).

Fazit:
"Wolfsburg" ist ein kleines, aber feines Drama, das emotional mit dem Schicksal seiner beiden Haupcharaktere untrennbar verknüpft ist. Den einen treibt die Schuld und der Wunsch nach Sühne, die andere wünscht sich einen neuen Halt in ihrem Leben, hegt aber auch die Hoffnung auf späte Rache. Die Darsteller harmonieren perfekt miteinander und verleihen durch ihre großartige Leistung den Figuren eine beeindruckende Tiefe, Emotionalität und Glaubwürdigkeit, deren Leidensweg am Ende schließlich in einer klassischen Katharsis gipfelt. Technisch ist die DVD zufriedenstellend und bietet zudem interessantes Bonusmaterial.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,85:1
1,85:1
86:50 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar von Regisseur und Drehbuchautor Christian Petzold
  • Interview mit Christian Petzold
  • Fotogalerie
  • Biographien von Christian Petzold, Benno Fürmann und Nina Hoss
Wolfsburg - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Wolfsburg
Wolfsburg

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein Drama voller auswegloser Tragik mit zwei hervorragenden Hauptdarstellern


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2002
Regie:
Christian Petzold
Drehbuch:
Christian Petzold
Darsteller:
Benno Fürmann, Nina Hoss, Antje Westermann, Astrid Meyerfeldt, Matthias Maschke, Soraya Gomaa

Label Deutschland :
Epix
Verkaufsstart Deutschland :
15.05.2008