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DVD-Besprechung - Detektiv Marlowe gegen den kleinen Drachen

Story:
Philip Marlowe (James Garner) hat von der jungen Orfamay Quest (Sharon Farrell) den Auftrag erhalten, ihren vermissten Bruder zu suchen, ist davon aber wenig begeistert. Als er jedoch einem Erpressungsversuch gegenüber dem Filmstar Mavis Wald (Gayle Hunnicutt) auf die Schliche kommt, die scheinbar mit einem Gangsterboss liiert ist, scheinen beide Fälle zunehmend in Verbindung zu stehen. Marlowe wird jedoch bedroht, seine Ermittlungen einzustellen, die Polizei würde ihm gerne seine Lizenz abnehmen und auch Marvis Wald ist wenig interessiert an einer Zusammenarbeit. Als Marlowe jedoch gegen alle Widerstände weiter ermittelt, wird auch noch ein Killer auf ihn angesetzt.

Meinung zum Film:
In Deutschland wird der typische Privatschnüfflerfilm "Der Dritte im Hinterhalt", im Original schlicht "Marlowe", unter dem marktschreierischen Titel "Detektiv Marlowe gegen den kleinen Drachen" vermarktet und groß mit dem Prädikat "Ein echter Bruce Lee" beworben und dem Genre Action-Krimi zugeteilt. Das mag zwar für höhere Verkaufszahlen sorgen, weckt aber beim Käufer völlig falsche Erwartungen. In der Tat hatte Bruce Lee ("Der Mann mit der Todeskralle") hier in dem von MGM produzierten Krimi seinen ersten kleineren Hollywoodauftritt nach diversen TV-Rollen. Bruce Lee hat aber im Grunde nur zwei größere Szenen. In der einen Szene demoliert er wie von der Tarantel gestochen Marlowes Büro, in der zweiten Szene möchte er Marlowe beseitigen, erlebt aber einen äußerst unrühmlichen Abgang. Beide Szenen wirken vor allem unfreiwillig komisch und haben, mal abgesehen von ihrer filmhistorischen Bedeutung, keinen größeren Wert für Fans von Bruce Lee oder Kampfsportfreunde.

Der Krimi basiert relativ frei auf dem Roman "The Little Sister" von US-Krimialtmeister und Marlowe-Erfinder Raymond Chandler aus dem Jahr 1949. Die Handlung wurde jedoch aus den 30er/40er-Jahren in die späten 60er-Jahre verlegt. Die Figur des Philip Marlowe, die filmisch beinahe untrennbar mit dem Namen Humphrey Bogart ("Tote schlafen fest") verbunden ist, verkörpert in diesem Fall James Garner ("Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe"), dessen Darstellung allerdings weniger an den klassischen Marlowe erinnert, sondern vielmehr wie eine Trockenübung für seine fünf Jahre später angetretene Erfolgsrolle als "Detektiv Rockford" anmutet. Denn offenkundig nimmt sich "Der Dritte im Hinterhalt" selbst nicht immer ganz ernst, Garner darf in seiner gewohnt lockeren und lakonischen Art und Weise immer wieder flotte Sprüche anbringen und es gibt beipielsweise eine Sequenz, in der eine "Dreier-Telefon-Konferenz" totale Konfusion hervorruft, was zwar zur Auflockerung Sinn machen mag, inhaltlich aber völlig entbehrlich ist. Leider fehlt dem Krimi dadurch und aufgrund der sehr routinierten aber eben auch sehr konventionellen Regie einfach ein wenig die düstere Atmosphäre der klassischen Schwarzen Serie und Garner spielt hier zwar seine klassischen Stärken aus, fand aber in der Figur des Detektiv Rockford später eine bessere Entsprechung.

Die Geschichte selbst enthält typische Chandler-Elemente, wie einen großen Kreis verdächtig agierender Personen, bei denen sich persönliche und geschäftliche Interessen vermischen, die Polizei, die Marlowe immer wieder Knüppel zwischen die Beine wirft, die Femme fatale, für die es hier allerdings längere Zeit sogar mehrere Kandidatinnen gibt, und natürlich ist Marlowe auch hier ein Zyniker, dem die eigenen Prinzipien deutlich wichtiger sind als schnöder Mammon. Die Story enthält kleinere Actionelemente, undurchschaubar agierende, gut ausgearbeitete Charaktere und auch immer wieder interessante Wendungen. Gerade das eher düstere Ende konterkariert aber auch wieder den lange Zeit eher lockeren Unterton des Films, das optimale Gleichgewicht zwischen Ernst und Komik erreicht der Film leider eher selten.  

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist entgegen der Angabe auf dem Cover nicht im Format 1,85:1 sondern im nicht anamorphen Bildformat 1,78:1. Es ist offenkundig, dass hier keine aufwendige digitale Restaurierung in Gang gesetzt wurde, sondern der Film relativ unbearbeitet auf DVD gepresst wurde. Glücklicherweise war die Vorlage des fast 40 Jahre alten Films aber noch in gutem Zustand, somit gibt es nur wenige Verschmutzungen oder Beschädigungen. Die Schärfe ist dafür allerdings bestenfalls durchschnittlich geraten und häufig zu weich. Es gibt auch einige Bewegungsunschärfen und der Kontrast ist ebenfalls nicht optimal, deshalb verschluckt das dunkle Bild so manches Mal Details. Auch die Kompression macht sich bei homogenen Flächen leider bemerkbar. Die Farben wirken natürlich, hätten aber durchaus kräftiger ausfallen können. Der Film liegt in der deutschen und englischen Monotonspur vor, Wunder darf man also auch hier keine erwarten. Zwar sind beide Tonspuren gut verständlich, werden aber von einem deutlich vernehmbaren Rauschen begleitet, das bei der deutschen Fassung noch etwas stärker ausgefallen ist.

Es gibt leider keinerlei Extras.  

Fazit:
"Der Dritte im Hinterhalt" ist ein durchaus spannender Krimi mit einem gut aufgelegten James Garner, der jedoch nicht unbedingt dem klassischen Marlowe entspricht und auch die allgemein eher lockere Ausrichtung des Films kollidiert häufiger mit den eher abgründigen Verhältnissen der Schwarzen Serie. Insgesamt ist die intelligente Geschichte, inklusive zahlreicher Wendungen, mit humorvollem Unterton und guten Darstellern, aber eine klare Empfehlung für Krimifreunde. Technisch ist die DVD durchwachsen, aber noch akzeptabel, und bietet zudem keinerlei Extras, kann dafür aber mit einem günstigen Verkaufspreis punkten.  

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,78:1
1,78:1
95:23 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Englisch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • -
Detektiv Marlowe gegen den kleinen Drachen - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Der Dritte im Hinterhalt
Marlowe

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Klassischer Privatschnüfflerkrimi mit einem gut aufgelegten James Garner und einem trashigen Gastauftritt des jungen Bruce Lee


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1969
Regie:
Paul Bogart
Drehbuch:
Stirling Silliphant (basierend auf einem Roman von Raymond Chandler)
Darsteller:
James Garner, Gayle Hunnicutt, Rita Moreno, Sharon Farrell, H.M. Wynant, Bruce Lee

Label Deutschland :
WGF
Verkaufsstart Deutschland :
24.04.2008