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DVD-Besprechung - Der Campus
Story:
Hanno Hackmann (Heiner Lauterbach) ist einflussreicher Professor an der Universität in Hamburg. Da das Eheleben mit seiner preußisch erzogenen Ehefrau Gabrielle (Sibylle Canonica) ein wenig eintönig verläuft, ließ er sich auf eine Affäre mit der verführerischen Studentin Barbara Clauditz (Sandra Speichert) ein, die er jedoch festen Willens beenden möchte. Er lässt sich noch zu einem letzten gemeinsamen Akt überreden, was jedoch zu einem allgemeinen Chaos im Leben der Beteiligten führt. Denn Professor Schacht (Rudolf Kowalski), der Leiter der Universität ist Willens, die Entgleisung seines frisch aufgestellten Konkurrenten um den Vorsitz auszunutzen, um ihn aus dem Weg zu räumen. Auf vagen Gerüchten bauend ermutigt er den Kollegen Weskamp (Axel Milberg), ein Verfahren gegen Hackmann wegen Vergewaltigung einer Studentin einzuleiten.
Meinung zum Film:
Mit „Der Campus“ versuchte Regisseur Sönke Wortmann an die Erfolge von „Das Superweib“ und „Der bewegte Mann“ anzuknüpfen. Der Film basiert auf dem erfolgreichen gleichnamigen Roman von Dietrich Schwanitz, der das Treiben an deutschen Universitäten aufs Korn nahm, ein Spiegelbild zum Verfall der Werte in der heutigen Gesellschaft bot und die Instrumentalisierung von vagen Gerüchten zum Erreichen eigener Ziele zeigt. Der im beschaulichen Werne an der Lippe 1940 geborene Autor konnte dabei durchaus auch auf eigene Erfahrungen zurückgreifen, da er selbst langjährige Erfahrung an diversen Lehrstühlen sammeln konnte. Später wurde von Schwanitz noch neben dem ebenfalls an der Hamburger Universität spielenden Roman „Der Zirkel“ die Wissenssammlung „Bildung. Alles was man wissen muss“ verfasst, die sich bis heute recht hoher Beliebtheit erfreuen kann. Ende 2004 verstarb der Autor.
Die Rolle des Professor Hackmann wird von Heiner Lauterbach („Männer“) in überzeugender Weise gespielt. Der Gelehrte mit der Sinnkrise, der sich zwischen heimischer Geborgenheit und sexuellem Abenteuer gefangen fühlt und der sich nebenbei auch noch entscheiden muss, den Kampf um den Posten der Universitätsleitung aufzunehmen oder doch lieber weiter einen eher ruhigen Posten zu haben, scheint ihm auf den Leib geschneidert. Allerdings dauert es ein wenig, bis die Geschichte richtig in Fahrt kommt. Nachdem die Kugel um die vermeintliche Vergewaltigung erst einmal ins Rollen gekommen ist, verfängt sich die Story in zu vielen uninteressanten Nebensträngen. Da gibt es zum Beispiel den gescheiterten Studenten, der als Enthüllungsreporter bei einer Zeitung anfängt und einige Bildschirmzeit erhält, am Ende aber ohne größere Bedeutung in Vergessenheit gerät. Auch die Rolle der Frauenbeauftragten, dargestellt von Barbara Rudnik („Keinohrhasen“) kommt über die flüchtige Einflechtung von Klischees nicht hinaus. Der Spätrevoluzzer Norbert, gespielt von Armin Rohde („Die Bluthochzeit“), seines Zeichens bester Freund von Hanno, erscheint durch den fehlenden Hintergrund sogar wie ein platte Karikatur, die insgesamt nicht so recht in den Rahmen des Films passen möchte.
Doch mit fortlaufender Spielzeit werden die Längen des Films deutlich geringer und der Unterhaltungswert nimmt deutlich zu. In einer gelungenen tragikomischen Art wird präsentiert, wie in der Gesellschaft Meinungen gebildet werden und wie wenig die Wahrheit wert ist, wenn man die ersten Gerüchte durch die richtige Lenkung zum eigenen Vorteil nutzen kann. Dass dabei dann vermeintliche Opfer erst durch dieses Verhalten zu solchen gemacht werden spielt dabei keine Rolle, hauptsache die nächste Sprosse in der Karriereleiter kann erklommen, bzw. die eigene Position gefestigt werden. Allerdings fehlt es dem Film ein wenig am Biss, um diesen Umstand wirklich zu untermauern, auch die Dialoge erscheinen stellenweise zu flach und passen sich dabei so manchem misslungenem Witz am. Der fehlende Biss hätte sicherlich durch ausreichend Humor ausgeglichen werden können, aber auch hier gibt es zu wenig greifbares. Am Ende steuert "Der Campus" dann immer mehr in Richtung TV-Unterhaltungskost, die nach einem versöhnlichen Ende verlangt, welches man vor dem Abspann dann auch präsentiert bekommt.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist recht durchwachsen bis durchschnittlich. Vor allem die Tiefenschärfe kann kaum überzeugen und auch die Konturen könnten ausgefeilter sein. Der deutsche Ton ist durchweg gut verständlich und erfüllt seinen Zweck.
Als Extra gibt es ein rund 20-minütiges Making of in dem Szenen aus dem Film und Momentaufnahmen vom Dreh zu sehen sind, sowie einige Worte zur Produktion von den beteiligten Künstlern fallen. Ergänzt wird der Beitrag durch eine ganze Reihe Interviews, in denen weitere Ansichten präsentiert werden. Abgerundet werden die Extras durch ein paar Infotafeln zu ausgewählten Künstlern.
Fazit:
„Der Campus“ ist eine recht unterhaltsame Tragikomödie, die zu Beginn zwar einige Anlaufschwierigkeiten hat, mit fortlaufender Spielzeit aber immer runder läuft. Eine große Abrechnung mit den deutschen Universitäten sollte man allerdings genauso wenig erwarten wie eine spritzige Komödie. Über durchschnittlich gute TV-Unterhaltungskost kommt der Film nicht hinaus, kann diese aber immerhin bieten.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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122:20 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine |
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Bonusmaterial:
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- Making Of
- Interviews
- Infotafeln
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Der Campus
Der Campus
Ein letztes Mal und seine Folgen
Autor der Besprechung:
Michael Tomiak
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 1998 Regie: Sönke Wortmann Drehbuch: Sönke Wortmann, Dietrich Schwanitz, Stefan Grund, Bettina Salomon (nach dem Roman "Der Campus" von Dietrich Schwanitz) Darsteller: Heiner Lauterbach, Axel Milberg, Armin Rohde, Rudolf Kowalski, Sandra Speichert, Barbara Rudnik, Stefan Jürgens, Maren Kroymann, Hans-Michael Rehberg, Sibylle Canonica
Label :
Constantin Film
Verkaufsstart : 08.05.2007
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