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DVD-Besprechung - Film Noir Collection #1: Die blaue Dahlie

Story:
Johnny Morrison (Alan Ladd) kehrt zusammen mit seinen beiden Kameraden Buzz (William Bendix) und George (Hugh Beaumont) aus dem 2. Weltkrieg nach L.A. zurück. Direkt im Anschluss an den Überraschungsbesuch bei seiner alkoholabhängigen Frau Helen (Doris Dowling) kommt es jedoch zu einem heftigen Streit. Helen hatte nicht nur Affären mit anderen Männern, auch ihr gemeinsamer Sohn Dickie starb keineswegs an einer Krankheit, sondern durch ihr Verschulden. Johnny verlässt Helen daraufhin ebenso abrupt wie endgültig und lernt zufällig Joyce (Veronica Lake) kennen. Am nächsten Morgen wird Helens Leiche gefunden und Johnny ist für die Polizei der Hauptverdächtige. Johnny taucht unter und will den Täter selbst ausfindig machen.

Meinung zum Film:
Raymond Chandler, der berühmte amerikanische Kriminalautor und Erfinder des prägenden "hardboiled" Privatdetektivs Philip Marlowe, zeichnete für das Drehbuch zu "Die Blaue Dahlie" verantwortlich. Es handelt sich dabei um sein einziges verfilmtes Originalskript, das er allerdings ursprünglich als Roman begonnen hatte. Regisseur George Marshall ("Der Große Bluff") war zuvor mit gemischtem Erfolg besonders im Western-Genre, bzw. im Komödienbereich, aktiv. "Die Blaue Dahlie" blieb auch sein einziger Ausflug in das Genre des Film Noir, der zu diesem Zeitpunkt seine Blütezeit erlebte. Die Haupdarsteller Alan Ladd ("Der Gläserne Schlüssel") und Veronica Lake ("Der Gläserne Schlüssel") galten hingegen als neues Hollywood-Traumpaar und spielten später in "Saigon" erneut Seite an Seite. Für Raymond Chandler war die Besetzung der weiblichen Hauptrolle mit Veronica Lake jedenfalls ein persönlicher Albtraum, da er sie für schauspielerisch unbegabt hielt. Auch mit der letztlichen Auflösung des Films war Chandler unzufrieden, da sein ursprüngliches Ende durch die Intervention des US-Militärs geändert wurde.

"Die Blaue Dahlie" weist einige typische Elemente des "Film Noir" auf. Da ist zunächst vor allem der aufrichtige Kerl, hier Johnny Morrison, der ohne eigenes Verschulden in ein Verbrechen verwickelt wird und fortan gegen alle Widerstände seine Unschuld beweisen muss. Einige andere Elemente sind aber hier deutlich weniger überzeugend ausgearbeitet. So taugte z.B. Helen, bzw. Doris Dowling ("Bitterer Reis"), hervorragend für eine Femme Fatale, scheidet jedoch schon sehr früh aus der Handlung aus und wird durch die blasse Veronica Lake als Joyce ersetzt. Auch wirkt dieses Werk für einen Film Noir insgesamt nicht düster genug, selbst die Gangster sind hier allesamt aalglatt und in Anzüge gekleidet und die Atmosphäre wirkt überhaupt nicht verrucht oder wirklich bedrohlich. Eine große Schwäche des Films ist sicherlich auch die Besetzung der männlichen Hauptrolle mit dem stoisch und emotionslos durch die Handlung stapfenden Alan Ladd, der von der gesamten Nebendarstellerriege problemlos an die Wand gespielt wird und wohl, wie auch Veronica Lake, lediglich aus Gründen der Optik gecastet wurde.

Aber auch Altmeister Raymond Chandler hatte wohl beim Verfassen des Skripts den einen oder anderen schwarzen Tag, quasi eine Schwarze Serie...Die Charaktere sind sehr eindimensional geraten, das übliche doppelte Spiel der Protagonisten in dieser Filmgattung kommt durch diese mangelnde Tiefe überhaupt nicht zum Tragen. Außerdem passiert in den ersten 50 Minuten nur sehr wenig, wodurch kaum Krimi-Feeling aufkommt. Auch das Potential des Charakters der Joyce wird fast völlig verschenkt. Auf überraschende Wendungen muss man daher leider ebenso verzichten wie auf ein sinniges Ende, auch wenn Chandler, wie bereits angeführt, hier keine freie Hand hatte. Trotzdem wirkt die Auflösung wie ein Schlag ins Gesicht jedes mitdenkenden Zuschauers.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildschärfe ist für einen mehr als 60 Jahre alten Film grundsätzlich gut, in einigen Szenen ist das Bild jedoch ein wenig weich geraten, was besonders bei Gesichtern ins Auge fällt. Das Bild weist außerdem ein deutlich wahrnehmbares Rauschen und einige analoge Defekte auf, allerdings noch innerhalb eines vertretbaren Rahmens. Beide Tonspuren verfügen über eine gute Verständlichkeit und sind im Hinblick auf Musik und Soundeffekte ausgewogen abgemischt. Sie weisen auch kein störendes Rauschen auf. Im direkten Vergleich wirkt die deutsche Tonspur aber natürlicher, während die englische Tonspur ein wenig blechern klingt.

Die DVD wird in einem Slim-Digipak ohne Schuber ausgeliefert. Das 12-seitige Booklet ist eingeklebt und beleuchtet einige Mythen, die den Film schon seit einiger Zeit begleiten. Effektiv handelt es sich aber lediglich um sieben Textseiten mit Hintergrundinfos in sehr großer Schrift. Somit ist hier lediglich ein kurzes Lesevergnügen gegeben. Auf der DVD befindet sich zudem noch eine Bildergalerie mit Werbematerial zum Film sowie der englische Original-Kinotrailer.  

Fazit:
"Die Blaue Dahlie" ist ein sehr durchschnittlicher Vertreter des Film Noir, dem es trotz der Mitwirkung von Raymond Chandler vor allem an einem spannenden und wendungsreichen Drehbuch sowie charismatischen und schauspielerisch begabten Hauptdarstellern mangelt. Die schnörkellose Regie lässt ebenfalls eher auf einen Handwerker als auf einen Künstler schließen und das Ende des Films ist schlichtweg ein unglaubwürdiger Schuss in den Ofen. Technisch kann die DVD überzeugen, sehr viele Extras werden allerdings nicht geboten.  

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,33:1
1,33:1
95:23 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Englisch
Bonusmaterial:
  • 12-seitiges Booklet
  • Englischer Original-Kinotrailer
  • Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
Film Noir Collection #1: Die blaue Dahlie - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Die Blaue Dahlie
The Blue Dahlia

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Durchschnittlicher Film Noir mit schwacher Auflösung und wenig überzeugenden Hauptdarstellern


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1946
Regie:
George Marshall
Drehbuch:
Raymond Chandler
Darsteller:
Alan Ladd, Veronica Lake, William Bendix, Howard Da Silva, Doris Dowling, Tom Powers

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
09.05.2008