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DVD-Besprechung - Film Noir Collection #3: Schwarzer Engel

Story:
Die Nachtclubsängerin Mavis Marlowe (Constance Dowling) wird in ihrem Apartment ermordet aufgefunden. Schnell wird Kirk Bennett (John Phillips), der eine Affäre mit ihr hatte, zum Hauptverdächtigen der Polizei. Kurz darauf wird Kirk zum Tode verurteilt und seine Frau Catherine (June Vincent) beginnt, ungeachtet der Tatsache, dass er sie betrogen hat, nach dem wahren Täter zu suchen, da sie fest von seiner Unschuld überzeugt ist. Sie hat von Anfang an Mavis alkoholabhängigen Ex-Mann Martin Blair (Dan Duryea) als potentiellen Mörder ausgemacht, muß jedoch schließlich erkennen, dass dieser ein wasserdichtes Alibi hat und schließlich wird er sogar zu ihrem wichtigsten Verbündeten bei der Suche nach dem Täter.

Meinung zum Film:
"Schwarzer Engel" ist der dritte Titel innerhalb der "Film Noir"-Reihe von Koch Media, nach "Die blaue Dahlie" und "Spiel mit dem Tode". Der Film basiert auf dem Roman "The Black Angel" des amerikanischen Schriftstellers Cornell George Hopley-Woolrich aus dem Jahr 1943. Er gilt als einer der Begründer der Noir-Literatur und hatte besonders in den 40er-Jahren einigen Einfluss auf die amerikanische Kriminalliteratur. Seine Romane und Erzählungen bildeten z.B. auch die Vorlage für einige bekannte Filmklassiker wie "Das Fenster zum Hof" von Alfred Hitchcock oder "Die Braut trug schwarz" von Francois Truffaut. Für Regisseur Roy William Neill, der vor allem durch seine zahlreichen Sherlock Holmes-Verfilmungen mit Basil Rathbone und Nigel Bruce bekannt wurde, war "Schwarzer Engel" sein letzter Film, er verstarb kurz nach den Dreharbeiten an einem Herzinfarkt. Mit Drehbuchautor Roy Chanslor hatte Neill bereits bei dem Holmes-Film "Das Haus des Schreckens" zusammengearbeitet und auch Kameramann Paul Ivano war bei dem Holmes-Film "Gefährliche Mission" bereits sein Partner.

Von Koch Media wird der Film als ungewöhnlich düster proklamiert, was zunächst dem Stil des Autors Woolrich zu entsprechen erscheint. Allerdings ist "Schwarzer Engel" nicht wirklich streng werksgetreu adaptiert, so war der Roman beispielsweise deutlich episodischer aufgebaut und bot mit der weiblichen Hauptfigur tatsächlich einen dunklen Engel, dem zahlreiche Männer zum Opfer fielen. Hingegen wirkt June Vincent ("The Climax") in der weiblichen Hauptrolle eher blass, was nur zum Teil an ihrem Schauspiel liegt, vielmehr aber an ihrem eher schwach ausgestalteten Charakter. Sie wirkt hier weder verführerisch noch düster, vielmehr entspricht sie einem eher traditionellen Frauenbild, ist ihrem sie betrügenden Ehemann absolut treu und wird auch sonst extrem gutherzig dargestellt. So fungiert sie dann auch für den überzeugend als Alkoholiker agierenden Dan Duryea ("Der Engel mit den blutigen Flügeln") zunächst mal nur als Engel, der während ihrer gemeinsamen Ermittlungen allerdings trocken wird und sich in Catherine verliebt. Da hinterlässt selbst Constance Dowling bei ihrem Kurzauftritt zu Beginn einen deutlich abgründigeren Auftritt.

Überhaupt ist der Film lange Zeit überhaupt nicht düster oder gar vom gesamten Umfeld her verrucht oder schmuddelig. Zu einem Großteil spielt der Film im noblen Nachtclub des undurchschaubaren Mr. Marko, verkörpert vom gut aufgelegten Peter Lorre ("M - Eine Stadt sucht einen Mörder"), zudem wird der Film von zahlreichen Gesangseinlagen von June Vincent begleitet, der das eh schon niedrige Tempo des durchaus atmosphäirschen Films zunächst weiter verschleppt. Die Storyführung ist in den ersten zwei Dritteln als sehr linear zu bezeichnen. So braucht der Film dann auch rund 45 Minuten um dann aber richtig Fahrt aufzunehmen, einiges an Spannung aufzubauen, diverse menschliche Abgründe zu Tage zu fördern und mit mehreren überraschenden Wendungen den gesamten, bis dahin vorhersehbaren Ablauf des Films auf den Kopf zu stellen. Das ganze mündet auch dementsprechend keineswegs in einem Happy End, ist aber auch lange nicht so trostlos wie bei der Buchvorlage von Woolrich.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild von "Schwarzer Engel" überzeugt für einen rund 60 Jahre alten Film mit guter Schärfe und einem ausgewogenen Kontrast. Materialbedingt liegt aber wieder ein stärkeres Bildrauschen vor, dafür stellen aber Verschmutzungen oder Beschädigungen gar kein Problem dar. Die deutsche Tonspur glänzt mit guter Verständlichkeit, auch wenn hin und wieder die Musik gegenüber den Dialogen ein wenig zu dominant erscheint. Allerdings klingt die deutsche Synchronisation ein wenig steril und macht eher den Eindruck einer TV-Synchronisation etwas neueren Datums. Die englische Tonspur hat ebenfalls keine besonderen technischen Schwächen, klingt zwar ein wenig dumpfer dafür aber auch ein wenig natürlicher.

Die DVD wird wie die gesamte Reihe in einem Slim-Digipack ohne Schuber, einem sogenannten "Mediabook", ausgeliefert. Das 12-seitige Booklet ist eingeklebt und beschäftigt sich u.a. mit der literarischen Vorlage und dessen Autor Cornell Woolrich. Diese Informationen sind zwar nicht unbedingt erschöpfend aber auf jeden Fall interessant aufbereitet. Die DVD selbst enthält den englischen Original-Kinotrailer und eine Bildergalerie die ausschließlich aus Aushangfotos besteht.

Fazit:
"Schwarzer Engel" ist ein gelungener, altmodischer Krimi mit einem recht gemächlichen Einstieg in die Geschichte, der zunächst vor allem durch die starken männlichen Hauptdarsteller und seine Atmosphäre überzeugt. Später nimmt der Film aber richtig Fahrt auf und bietet solide Spannung, überraschende Wendungen sowie Abstecher in menschliche Abgründe. Insgesamt hinterlässt "Schwarzer Engel" trotz gewisser nicht immer ganz plausibel erscheinender Storyelemente dadurch einen runden Eindruck auch wenn hinsichtlich der Romanvorlage mehr Konsequenz wünschenswert gewesen wäre.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
77:14 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Englisch
Bonusmaterial:
  • Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
  • Englischer Original-Kinotrailer
  • 12-seitiges Booklet
Film Noir Collection #3: Schwarzer Engel - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Schwarzer Engel
Black Angel

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Nicht so düster wie die Romanvorlage, aber ein pessimistischer, wendungsreicher Kriminalfilm im alten Stil


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1946
Regie:
Roy William Neill
Drehbuch:
Roy Chanslor (basierend auf einem Roman von Cornell Woolrich)
Darsteller:
Dan Duryea, June Vincent, Peter Lorre, Broderick Crawford, Constance Dowling, Freddie Steele

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
09.05.2008