Splashpages  Home Movies  Rezensionen  Rezension  An ihrer Seite (Special Edition)
Partner von Entertain Web
http://www.splashmovies.de/php/images/spacer.gif
The DescendantsLucky TroubleDas Todesspiel

In der Datenbank befinden sich derzeit 3.899 Rezensionen. Alle Rezensionen anzeigen...

DVD-Besprechung - An ihrer Seite (Special Edition)

Story:
Die beiden Mittsechziger Fiona (Julie Christie) und Grant Anderson (Gordon Pinsent) sind seit 44 Jahren glücklich verheiratet und planen auch ihren Lebensabend gemeinsam zu bestreiten. Fionas Gedächtnis hat jedoch immer häufiger Aussetzer. Schließlich wird bei ihr Alzheimer diagnostiziert und sie begibt sich freiwillig, gegen Grants Widerstand, in ein spezielles Pflegeheim. Die Patienten dürfen dort jedoch in den ersten 40 Tagen nicht besucht werden, damit sie sich in Ruhe einleben können. Das bedeutet eine sehr harte Zeit für Grant, denn beide waren niemals längere Zeit getrennt. Als die Frist schließlich endet, erkennt Fiona Grant jedoch nicht mehr wieder und kümmert sich nur noch um ihren Mitbewohner Aubrey (Michael Murphy).

Meinung zum Film:
"An ihrer Seite" beruht auf der Kurzgeschichte "The Bear Came Over The Mountain" der kanadischen Gegenwartsautorin Alice Munro. Adaptiert und verfilmt wurde die Geschichte von der kanadischen Schauspielerin Sarah Polley, die damit ihr Regiedebüt gab. Als Schauspielerin arbeitete sie bevorzugt in Independent-Produktionen und erlebte ihren Durchbruch mit Atom Egoyans ("Das Süsse Jenseits"), der bei "An ihrer Seite" auch als ausführender Produzent fungierte. Die Breite ihres schauspielerischen Wirkens zeigt aber auch ihre Hauptrolle in dem Remake des Zombieschockers "Dawn of the Dead" aus dem Jahr 2004. Mit Julie Christie ("Des Teufels Saat"), Gordon Pinsent ("Schiffsmeldungen") und Olympia Dukakis in den Hauptrollen ("Mr. Holland`s Opus") konnte sie bei ihrem Debüt auf eine Reihe altgedienter und etablierter Charakterdarsteller zurückgreifen.

Auch wenn nicht nur das Bonusmaterial diesen Eindruck erwecken mag, "An ihrer Seite" ist keineswegs ein Film über die Demenzkrankheit Alzheimer, an der alleine in Deutschland rund eine Million Menschen leiden. Vielmehr ist der Film eine tragische Studie über die Liebe zweier älterer Menschen, die plötzlich von einem Tag auf den anderen in Frage gestellt wird. Die Alzheimer-Krankheit dient dabei lediglich als Aufhänger, zumal die Geschichte nicht aus der Sicht der Erkrankten, sondern aus der Perspektive ihres Ehemannes erzählt wird. Das dominierende Thema Verlust wird dadurch ziemlich beliebig und die Krankheit könnte auch durch einen anderen Trennungsgrund ersetzt werden.Überhaupt wirkt der Krankheitsteil alles andere als überzeugend, entweder wurde hier einfach lausig recherchiert, oder wahrscheinlicher ging es darum, hier ein stimmiges Gesamtkunstwerk zu schaffen und nicht um ein realitätsnahes Drama. So verliert Fiona hier entgegen dem üblichen Krankheitsbild keineswegs ihr Kurzzeit-, sondern ihr Langzeitgedächtnis, auch ihre Zuwendungen und Anbindung an Aubrey erscheint für eine Person, die relativ entwurzelt sein dürfte, sehr unwahrscheinlich. Auch die negativen Aspekte der Krankheit im Bezug auf ein eingeschränktes Sozialverhalten werden fast komplett weggelassen. Auch das Pflegeheim wirkt eher wie ein Fünf-Sterne-Hotel, während das Personal zwar nicht sehr zahlreich erscheint, aber scheinbar trotzdem auch noch stets die Zeit findet, auch noch die Angehörigen seelsorgerisch zu betreuen.

Die Stärken des Films sind vielmehr die emotionale und eindringliche Bildsprache, hier meint man auch die Handschrift von Atom Egoyan zu erkennen, und die hervorragenden Leistungen der Darsteller. Auch wenn Julie Christie für ihre Leistung mehrfach ausgezeichnet wurde, ist ihr doch Gordon Pinsent, dessen Leiden hier zwischenzeitlich gar biblische Ausmaße annimmt, mindestens ebenbürtig. Die tragische Stimmung und beklemmende Atmosphäre des Films muß allerdings auch über so manche Länge der nicht gerade vielschichten Geschichte hinwegtrösten, wobei am schwerwiegendsten eigentlich die extrem nebulös verbleibende Vergangenheit der Protagonisten negativ ins Gewicht fällt. Leider ist der Film zwar nie kitschig, am Ende aber leider auch nicht wirklich konsequent und fabriziert ein weder stimmiges noch plausibel erscheinendendes Pseudo-Happy End.  

Digitale Aufarbeitung:
Die DVD bietet eine gute Bildschärfe, einen ausgewogenen Kontrast und eine kräftige Farbgebung, hin und wieder macht sich allerdings die Kompression in Form eines leichten Hintergrundrauschens bemerkbar. Die Tonspuren dieses ruhigen und dialoglastigen Films überzeugen durchgehend mit guter Verständlichkeit und stimmungsvoller Musikkulisse.

Das interessanteste Extra dieser Special Edition ist der vom WDR im Jahr 2001 produzierte Dokumentarfilm "Menschen hautnah - Der Tag, der in der Handtasche verschwand" (43:16) von Marion Kainz ("Johanna sucht das Glück"). Die Dokumentation verfolgt ungeschminkt den Alltag einer älteren Dame in einem Pflegeheim, die an Alzheimer leidet. Der Film ist ein erschreckendes Portrait eines grausamen Schicksals, das von sozialer, zeitlicher und räumlicher Desorientierung geprägt wird. Die Regisseurin sucht stets den direkten Dialog mit der Patientin und gewährt somit einen fundierten Einblick in ihr aufgewühltes Seelenleben. Die Dokumentation zeigt aber auch die Schattenseiten des eingeschränkten Sozialverhaltens in Form von unfreundlichem bis geradezu rabiatem Verhalten. Somit wird gleichzeitig auch der schwierige Arbeitsalltag des Pflegepersonals dokumentiert. Die deutsch untertitelten "Interviews" (5:22) lassen die meisten Verantwortlichen kurz zu Wort kommen, sind aber aufgrund ihrer Kürze nicht sonderlich erhellend. Weiterhin findet sich auf der DVD noch der deutsche Kinotrailer und im DVD-ROM-Bereich Informationsmaterial der Deutschen Alzheimer Gesellschaft im PDF-Format (9 Seiten).  

Fazit:
"An ihrer Seite" ist ein sehr emotionales und tragisches Liebesdrama über zwei ältere Menschen, deren Beziehung plötzlich in Frage gestellt wird. Exzellente Darsteller, poetisch anmutende Dialoge und eindringliche Bildsprache täuschen über Schwächen des Drehbuchs sowie fehlende Hintergründe der Protagonisten hinweg. Die unrealistische Aufarbeitung der Alzheimer-Krankheit und das seltsam anmutende Ende wiegen aber als Minuspunkte deutlich schwerer. Technisch ist die DVD gelungen und die Dokumentation im Bonusteil übertrumpft sogar den eigentlichen Hauptfilm.  

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 0 - ohne Altersbeschrae~nkung
1,85:1
1,85:1
105:04 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Französisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Französisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch, Französisch
Bonusmaterial:
  • "Menschen hautnah - Der Tag, der in der Handtasche verschwand"
  • Deutscher Kinotrailer
  • Interviews
  • Infomaterial der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DVD-ROM)
An ihrer Seite (Special Edition) - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
An ihrer Seite
Away from Her

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Weniger ein Alzheimer-Drama, sondern vielmehr ein Liebesfilm über eine plötzlich in Frage gestellte Beziehung


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Kanada, 2006
Regie:
Sarah Polley
Drehbuch:
Sarah Polley (basierend auf einer Kurzgeschichte von Alice Munro)
Darsteller:
Julie Christie, Gordon Pinsent, Olympia Dukakis, Michael Murphy, Kristen Thomson, Wendy Crewson

Label Deutschland :
Ascot Elite
Verkaufsstart Deutschland :
17.04.2008