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DVD-Besprechung - Ein mutiger Weg

Story:
Am 23. Januar 2002 wird der amerikanische Journalist Daniel Pearl (Dan Futterman), der für das Wall Street Journal arbeitet, in Karatschi, der größten Stadt Pakistans, entführt. Erst am 27. Januar bekennt sich die islamistische "Nationale Bewegung zur Wiederherstellung der pakistanischen Souveränität" zu der Entführung und fordert die Verbesserung der Haftbedingungen für Gefangene des US-Stützpunktes Guantanamo Bay. Für seine Frau Mariane (Angelina Jolie) sowie die pakistanischen und amerikanischen Anti-Terror-Spezialisten beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, um die Hintermänner der Tat noch rechtzeitig ausfindig machen zu können.

Meinung zum Film:
"Ein mutiger Weg" basiert auf dem Buch "A Mighty Heart: The Brave Life and Death of My Husband Danny Pearl" seiner Ehefrau Mariane Pearl, die im Film von Angelina Jolie verkörpert wird. Hier verarbeitet Mariane Pearl die Ereignisse um die Entführung ihres Mannes Daniel Pearl, der nach etwa einer Woche von seinen Entführern enthauptet wurde, wobei ein Video dieser Tat auch von ihnen im Internet veröffentlicht wurde. Für die große Leinwand wurde dieser Buchstoff durch den britischen Regisseur Michael Winterbottom ("Road to Guantanamo") umgesetzt, der schon mehrmals sein Händchen für politisch brisante Stoffe bewiesen hat.

"Ein mutiger Weg" ist eine konzeptionelle Totgeburt allererster Güte. In der Hauptrolle agiert eine völlig fehlbesetzte Angelina Jolie ("Die Legende von Beowulf"), die hier wenig überzeugend zwischen Overacting und völliger Emotionslosigkeit hin- und herschwankt und in der deutschen Fassung auch noch einen extrem peinlichen französischen Akzent verpasst bekam. Angesichts dieser Leistung verwundert es nicht, dass Frau Jolie nur noch abseits ihrer Profession in der Klatschpresse für Schlagzeilen sorgt. Die Frage, was eigentlich das Zentrum des Films darstellen soll, ist leider nur ungenügend zu klären. Entgegen dem anders ausgerichteten Bonusmaterial geht es hier keineswegs darum, das gefährliche Leben von Auslandskorrespondenten in Krisengebieten zu thematisieren. Das wird schon daran deutlich, dass man über Daniel Pearls bisherige journalistische Tätigkeit genausowenig erfährt wie über seinen damaligen Arbeitgeber das "Wall Street Journal", nämlich eigentlich rein gar nichts. Im weiteren Verlauf wird der Zuschauer dann allerdings mit einer zweistelligen Zahl von Charakteren überschwemmt, die alle ihre Rolle bei der Aufklärung der Entführung spielten, die aber natürlich nur schablonenhaft dargestellt werden. Offensichtlich ist lediglich der Versuch, den leitenden pakistanischen Ermittlungsbeamten als Helden hervorzuheben, da wird dann auch gerne darüber hinweggesehen, welchem Regime dieser Beamte zuarbeitet und mit welchen menschenverachtenden Ermittlungsmethoden vorgegangen wird, die seinen Widersachern an Brutalität kaum nachstehen.

Die meiste Zeit des Films werden entweder Schwenks über die belebten Straßen der pakistanischen Metropole geboten oder die Ermittler und den Pearls nahestehende Persönlichkeiten sitzen um einen Tisch innerhalb eines Hotels herum und beratschlagen das weitere Vorgehen. Die eine oder andere kitschige Szene und vereinzelte, kalkulierte Gefühlsausbrüche dürfen dabei nicht fehlen. Die geringe Grundspannung des Films, die schon daraus resultiert, das der Fall Pearl seinerzeit große Schlagzeilen verursachte und sein Schicksal somit bekannt sein dürfte, wird noch durch die extrem tränige Inszenierung weiter abgesenkt. Über die Motive und Absichten der Entführer werden übrigens auch keinerlei Erkenntnisse unterbreitet. Stattdessen steht am Ende der Tragödie um ein nicht verallgemeinerbares Einzelschicksal lediglich die lobenswerte, aber naiv anmutende Aussage, dass trotz des schlimmsten erlittenen Unrechts der Gedanke an Versöhnung trotzdem weiterleben kann.  

Digitale Aufarbeitung:
Der Film bietet eine überwiegend gute Schärfe, einen bis auf wenige Ausnahmen ausgewogenen Kontrast und eine natürliche, wenn auch etwas zurückhaltende Farbgebung. Leider rauscht das Bild allerdings für einen so neuen Film ziemlich stark. Die Dialoge sind in allen Tonspuren zu jeder Zeit gut verständlich und die Musikeinlagen wurden gut mit den Dialogen abgestimmt, großartige räumliche Effekte werden allerdings nicht geboten.

Die Extras sind äußerst spärlich ausgefallen. Unter dem Punkt "Komitee zum Schutz von Journalisten" (8:40) findet sich eine wenig ergiebige Selbstdarstellung des Komitees zum Schutz von Journalisten (CPJ), die auch das Aufgabenspektrum und die Arbeitsweise umfassen. Der Punkt "Öffentliche Bekanntmachung - Pearl Stiftung mit Christiane Amanpour" (2:08) ist eine Art Non-Profit-Commercial für die Daniel-Pearl-Stiftung, die von seinen Familienmitgliedern gegründet wurde und weltweit interkulturelles Verständnis durch Journalismus und Musik fördern möchte. Inhaltlich enttäuschend ist auch das oberflächliche Langfeature "Eine leidenschaftliche Reise: Das Making Of von "Ein mutiger Weg""(30:03). Hier werden vor allem Filmszenen recycelt, es gibt ein paar Szenen von den Dreharbeiten zu sehen und ein paar der wichtigsten Darsteller kommen kurz zu Wort. Am ausführlichsten äußert sich allerdings Regisseur Michael Winterbottom, der aber leider nur kurz auf seine eigene Arbeitsweise eingeht. Ansonsten beschränken sich die gesamten wenig tiefgründigen Äußerungen im Making Of vor allem auf inhaltliche Aspekte des Films.  

Fazit:
"Ein mutiger Weg" ist ein extrem spannungs- und emotionsarm inszeniertes Drama ohne echte Bezugs- oder Identifikationsfiguren, da die Hintergründe und Lebenswege der Hauptpersonen weitestgehend im Dunkeln verbleiben. Die vorhersehbare Darstellung der Ereignisse macht einen sehr einseitigen und oberflächlichen Eindruck, während Hauptdarstellerin Angelina Jolie vollkommen fehlbesetzt wirkt. Neben einigen nervigen kitschig-aufgesetzten Szenen stört am Ende vor allem das Ausbleiben einer tiefergehenden, realitätsnahen und verallgemeinerbaren Aussage des Films.  

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
2,35:1
2,35:1
103:26 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Türkisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch, Englisch, Türkisch
Bonusmaterial:
  • Eine leidenschaftliche Reise: Das Making-Of von "Ein mutiger Weg"
  • Öffentliche Bekanntmachung - Pearl Stiftung mit Christiane Amanpour
  • Komitee zum Schutz von Journalisten
Ein mutiger Weg - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Ein Mutiger Weg
A Mighty Heart

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Auch die interkulturelle Versöhnung ist keine Rechtfertigung für diesen eindimensionalen Langweiler


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien / USA, 2007
Regie:
Michael Winterbottom
Drehbuch:
John Orloff (basierend auf einem Buch von Mariane Pearl)
Darsteller:
Angelina Jolie, Dan Futterman, Archie Panjabi, Mohammed Afzal, Mushtaq Khan, Daud Khan

Label Deutschland :
Paramount Home Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
29.05.2008