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DVD-Besprechung - Vexille (Limited Edition)

Story:
Im Jahre 2067 entscheidet sich Japan, aus den Vereinten Nationen auszutreten. Durch geschlossene und stark bewachte Grenzen sowie einen magnetischen Schutzschild, der das Land selbst für Satelliten uneinsehbar macht, isoliert sich Japan vollständig vom Rest der Welt. 2077 erhält die NATO einen Bericht über eine neue Superwaffe der Japaner und deren Plan, damit die Welt zu erobern. Man entsendet die Spezialeinheit SWORD in das Landesinnere, doch die Infiltrierung endet in einer Katastrophe. Nur Vexille, die Kommandantin des Teams, überlebt den Versuch und findet sich in einem Tokio wieder, dessen Bevölkerung im Gegensatz zur restlichen Welt im absoluten Überfluss zu leben scheint. Als Vexille von einem Trupp Rebellen aufgenommen wird, erfährt sie aber, dass dieser Eindruck trügerisch ist ...

Meinung zum Film:
"Vexille" ist der neue CGI-Anime-Spielfilm des Kreativ-Teams von "Appleseed" und - genau wie dieser - in der Zukunft angesiedelt. Dort hat sich die Verwendung von Roboter-Technologie zur Unterstützung der Menschheit weit ausgebreitet, was allerdings nicht nur positive Seiten mit sich bringt. Wie schnell könnte man auf diese Weise den Körper des Menschen mit Waffen ausstatten oder gleich eine ganze Person ersetzen. Daher beschließt die UN im Jahr 2067 eine Resolution zu verabschieden, die jeglichen Einsatz von Androiden-Technik verbietet. Dem schließen sich ausnahmslos alle Mitgliedstaaten an - bis auf Japan, den führenden Anbieter genau dieser Technik. Statt dem Weg der Allgemeinheit zu folgen, grenzt sich das Land von allem ab, tritt aus der UN aus und weist sämtliche Bewohner aus, die nicht japanischer Herkunft sind. Zudem wird ein spezieller Schutzschild aufgebaut, der Satelliten- oder ähnliche Überwachung unmöglich macht. So verschwindet Japan mehr oder weniger von der Weltkarte.

Zehn Jahre später. Vexille, eine junge Agentin der amerikanischen Spezialeinheit "S.W.O.R.D." (was in der deutschen Fassung irritierenderweise ständig wie das englische Wort "Swat" ausgesprochen wird, obwohl es eigentlich nach "Sord" klingen müsste), und ihr Team bekommen einen geheimen Tipp darüber, dass sich in den Vereinigten Staaten ein Treffen ranghoher internationaler Politiker mit den Bossen des japanischen Roboter-Herstellers abspielen soll. Doch als man den Versammlungsort stürmt, sind sämtliche Politiker tot und in einer spektakulären Ausbruchszene stellt man fest, dass der Chef des Robo-Konzerns mittlerweile selbst schon größtenteils ein Android zu sein scheint. Da dies eine äußert große Bedrohung für die Menschheit darstellt und sich nur erahnen lässt, was sonst noch alles in Japan vor sich geht, beschließt man, dem auf den Grund zu gehen und den Firmensitz des Konzerns zu stürmen. Dafür muss man aber natürlich erst mal irgendwie den japanischen Schutzschild durchbrechen. Es ist interessant zu sehen, dass mit "Vexille" ein japanischer Film entstanden ist, der Japan selbst stark kritisiert und das Land als Bösewicht darstellt, dessen Machenschaften von den guten Amerikanern vereitelt werden müssen. Allerdings gibt es hierbei keinen ironischen Unterton, das Anliegen scheint den Machern wirklich ernst zu sein. Zwar ist "Vexille" in erster Linie ein stylisches Action-Adventure-Spektakel, doch hat der Film auch deutlich tiefsinnigere Aspekte. Er kritisiert den immer noch existenten Nationalismus und wirft einige grundlegende Fragen über das Menschsein und Menschlichkeit generell auf.

Die Animationstechnik ist durchaus gelungen, wenngleich sie für die meisten Zuschauer auf Anhieb vermutlich etwas gewöhnungsbedürftig erscheinen wird. "Vexille" verwendet mehr oder weniger realistische Hintergründe, während die Figuren selbst per Cellshading-Verfahren zum Leben erweckt werden. Dadurch sehen sie dann auch wie typische Anime-Charaktere aus. Wenngleich die Grafik sehr ansprechend ist, kann sie allerdings nicht an die Dynamik von "richtigem" Zeichentrick heranreichen. Man hat immer ein bisschen den Eindruck, man befände sich in der überlangen Video-Zwischensequenz eines Computerspiels. Dafür sind jedoch die Action-Effekte um so spektakulärer und viele der Explosionen etc. würden in klassischer 2D-Handanimation sicherlich nicht denselben überwältigenden Eindruck hinterlassen. Das einzige wirkliche Problem des Films sind die teils zu schwachen Charakterzeichnungen. Besonders Vexille - als eigentliche Hauptfigur - macht gelegentlich einen etwas farblosen Eindruck. Dies fällt vor allem besonders dann auf, wenn mit der Anführerin der japanischen Widerstandsbewegung eine zweite starke weibliche Figur die Bühne betritt.  

Digitale Aufarbeitung:
Der anamorphe Transfer, der von einem HD-Master in PAL stammt, leistet hervorragende Arbeit. Das Bild ist nicht nur scharf, sondern bietet auch schöne Farben und einen ausgewogenen Kontrast. Rauschen ist nicht wahrzunehmen (ein Vorteil der digitalen Technik) und die Kompression verhält sich ebenfalls weitgehend unauffällig. Sehr schön ist, dass der deutsche dts-Ton bei dieser DVD mal keine Mogelpackung darstellt, sondern gegenüber der Dolby-Spur klar hörbare Vorteile bietet. Die dts-Fassung ist nicht nur deutlich druck- und kraftvoller, sondern bietet auch mehr Dynamik und eine höhere Brillanz. Gerade beim Titelsong oder den Szenen, in denen das Glas splittert, ist dies ganz deutlich zu merken. Diese hören sich in der Dolby-Version ein bisschen platt an. Insgesamt bekommt man ordentlich was auf die Ohren und es herrscht durchwegs eine sehr angenehme und räumliche Klangkulisse vor, die sowohl die Front als auch die Rears umfassend einspannt. Allerdings scheinen die Effekte im Vergleich zu Musik und Sprache minimal zu leise abgemischt worden zu sein.

Auch am Bonusmaterial wurde nicht gespart. Am interessanten ist sicherlich das rund einstündige Making-Of, das sämtliche Aspekte der Produktion ausführlich beleuchtet, ohne dabei auf Promotion abzuzielen. Wissenswertes über die Hintergründe erfährt man auch im "Kommentar des Regisseurs", der allerdings nicht filmbegleitend ist, sondern vielmehr ein 45-minütiges Interview darstellt. Die restlichen vier Clips sind hingegen mit Laufzeiten zwischen einer und drei Minuten vergleichsweise kurz geraten.

Fazit:
"Vexille" ist ein gut gemachter Action-Anime mit einer tiefsinnigeren Story, die sich mit übertriebenem Nationalismus in Japan auseinandersetzt - und dies nicht etwa aus Sichtweise eines Amerikaners, sondern der eines japanischen Regisseurs. Der Film bietet 105 Minuten gute Unterhaltung, lediglich die Hauptfigur wirkt gelegentlich etwas zu blass. Die DVD präsentiert "Vexille" in technisch hervorragender Umsetzung und auch das Bonusmaterial ist umfangreich sowie sehr interessant.  

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,78:1
1,78:1
105:17 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Japanisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Trailer
  • Eröffnung auf dem Locarno-Filmfest
  • Making of
  • Kommentar des Regisseurs
  • Herstellung der CGI
  • Roboter-Design
  • 3D live Animation
  • Making of the Jags
Vexille (Limited Edition) - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Vexille
Vexille

Bild unseres Mitarbeiters Jano Rohleder
Sozialkritischer Anime-Sci-Fi-Streifen


Autor der Besprechung:
Jano Rohleder

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Japan, 2007
Regie:
Fumihiko Sori
Drehbuch:
Fumihiko Sori, Haruka Handa

Label Deutschland :
I-On New Media
Verkaufsstart Deutschland :
30.05.2008