 |
DVD-Besprechung - Auf Anfang [:Reprise]
Story:
Die Freunde Erik und Phillip wollen Schriftsteller werden. Während der Erfolg für Erik zunächst ausbleibt, landet
der sensible Phillip auf Anhieb einen Verkaufsschlager - womit er jedoch nicht zurecht kommt: Er bricht zusammen und wird in eine Psychiatrie eingewiesen. Als man ihn entlässt, versucht er, die Beziehung zu seiner Exfreundin Kari wiederzubeleben, wohingegen Erik seine Freundin Lillian auf Distanz hält, während er mit seiner Clique unterwegs ist. Doch der eigentliche Traum von Erik und Phillip ist ein anderer: der von einer Schriftstellerlaufbahn in Paris ...
Meinung zum Film:
Schon zu Beginn merkt man, dass "Auf Anfang" kein gewöhnliches Mainstream-Kino sein kann. Zwei Typen, die irgendwie Ähnlichkeit mit Oliver Pocher und Simon Gosejohann aufweisen, sind gerade dabei, Briefumschläge in einen norwegischen Briefkasten zu werfen. Dann meldet sich aus dem Off ein Sprecher, der mit monotoner Stimme vorträgt, wie sich die Karrieren der beiden entwickeln werden. Denn die zwei "Jungtalente" wollen Schriftsteller werden und in den Umschlägen befindet sich nichts Geringeres als ihr jeweils erstes Manuskript. Man erfährt, wie zwar beide Bücher veröffentlicht werden, doch nur einer der beiden Freunde den Status als Kultautor erlangt, mit dem er allerdings nicht zurecht kommt und in eine Nervenheilanstalt eingewiesen werden muss... So geht es noch ein bisschen weiter, bis sich beide schließlich ein paar Jahre später zufällig irgendwo treffen.
Halt! Dauert der ganze Film etwa nur zwei Minuten? Diesen Eindruck kann man zunächst durchaus gewinnen, denn es scheint so, als würde alles Wichtige bereits am Anfang erzählt. Doch dann folgt ein harter Schnitt auf den Briefkasten und man wird in die "Wirklichkeit" (was immer das hier sein mag) zurückgerissen. Denn tatsächlich haben beide Jungschriftsteller ihre Briefe noch gar nicht eingeworfen und das, was man soeben sah, stellt nur eine der vielen Möglichkeiten dar, die sich aus dieser Ausgangssituation ergeben könnten. Hört sich verwirrend an? Ist es auch. Bei "Auf Anfang" darf man keine gradlinige Story erwarten. Vielmehr spielt der Film mit dem "Möglichen", den Alternativen, die das Leben bietet. Mit Entscheidungen und deren Folgen. Dadurch kommt es dazu, dass man letztlich nie so richtig weiß, was nun gerade "wirklich" passiert. Die Tatsache, dass der Film nur auf Norwegisch mit deutschen Untertiteln vorliegt, macht es zudem nicht unbedingt einfacher, der Handlung jederzeit problemlos zu folgen.
"Auf Anfang" ist ein Experiment - und als solches muss man sich den Film auch ansehen. Wer hier eine normale Geschichte sucht, wird enttäuscht sein und mit dem Werk wohl nicht viel anfangen können. Regisseur Joachim Trier, der hier seinen ersten Spielfilm vorlegt, probiert sich an verschiedenen Erzähl- und Bewusstseinsebenen sowie diversen Formen der Inszenierung. Da wird zurückgespult, in der Zeit gesprungen oder das Bild einfach mal eine Zeit lang ausgeblendet. Dass dieses merkwürdige Projekt am Ende doch irgendwie gelingt, liegt vor allem an den beeindruckenden Leistungen der jungen norwegischen Darsteller.
Digitale Aufarbeitung:
Für eine kleine skandinavische Independent-Produktion ist das Bild ziemlich gut ausgefallen. Es bietet eine angenehme Schärfe, die kalten Farben unterstreichen das Ambiente des Films. Gelegentlich macht sich Hintergrundrauschen bemerkbar, das jedoch nicht zu stark auffällt. Der norwegische Ton liegt - entgegen der Angabe auf dem Cover - nur in Stereo vor und zeigt sich zweckgemäß. Die deutschen Untertitel werden softwareseitig eingeblendet und sind nicht abschaltbar.
Als Bonusmaterial gibt es den norwegischen Kinotrailer, knapp 20 Minuten Deleted Scenes sowie eine 54-minütige "Behind the Scenes"-Featurette. Letztere ist sehr interessant ausgefallen und beleuchtet nahezu alle Aspekte der Produktion. Allerdings erfolgt die Wissensvermittlung in Form eines Gesprächs mit dem Regisseur. Echtes Footage, das "hinter den Kulissen" entstanden ist, bekommt man leider nicht zu sehen.
Fazit:
"Auf Anfang" ist ein Film, an dem sich die Geister scheiden dürften. Programmkino-Fans werden ihn lieben, Zuschauer, die mit Experimenten nicht viel anfangen können, hingegen wohl eher weniger. Die Inszenierung ist beachtlich, doch das extreme Spiel mit Konjunktivebenen und erneutem Durchleben der immer gleichen Situationen stellt ein deutlich Wagnis dar. Dass keine deutsche Synchronisation vorliegt, zeigt sich für diese Situation dann nicht gerade förderlich. Zumindest aus technischer Sicht gibt es jedoch nichts zu beanstanden. Der Ton liegt zwar nur in Stereo vor, allerdings ist das Bild sehr gut gelungen und das Bonusmaterial umfangreicher ausgefallen, als man das vielleicht erwarten würde.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
1,85:1
|
102:07 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Norwegisch Dolby Digital 2.0 |
|
Untertitel:
|
|
Deutsch |
|
Bonusmaterial:
|
- Kinotrailer
- Behind the Scenes
- Deleted Scenes
|
|  |
Auf Anfang [:Reprise]
Reprise
Sehr experimentelles Programmkino
Autor der Besprechung:
Jano Rohleder
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Norwegen, 2006 Regie: Joachim Trier Drehbuch: Joachim Trier, Eskil Vogt Darsteller: Anders Danielsen Lie, Espen Klouman-Høiner, Viktoria Winge, Henrik Elvestad
Label :
MFA+
Verkaufsstart : 19.06.2008
|