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DVD-Besprechung - kein Science Fiction
Story:
Marius (Jan Henrik Stahlberg) ist der smarte Leiter eines Motivationsseminars hat mit dem eher erfolglosen Kleinunternehmer Jörg Karsunke (Arved Birnbaum) aber einen besonders schweren Fall erwischt. Als Jörg zum wiederholten Mal an der Eröffnung eines Vorstellungsgesprächs scheitert, geht Marius mit ihm vor die Tür, um ihn besser auf die Situation einschwören zu können. Als Jörg jedoch die Tür wieder öffnet, sind Seminarraum und Teilnehmer verschwunden. Bald finden beide heraus, dass sie in einer Art Paralleluniversum gelandet sind und jedesmal, wenn sich zwischen ihnen und anderen Personen eine Tür schließt, sie von diesen schlichtweg vergessen werden.
Meinung zum Film:
"kein Science Fiction" hieß ursprünglich eigentlich nur "Science Fiction" mußte aber wegen der Namensgleichheit zu dem belgisch-niederländisch-deutschen Kinderfilm "Science Fiction - Sind Eltern Aliens" von Danny Deprez aus dem Jahr 2002 umbenannt werden. "kein Science Fiction" wurde zum Großteil frei finanziert und erst in der Postproduktion durch die Filmstiftung NRW GmbH gefördert. Der Film ist ein Projekt von "film 0" und der Kunsthochschule für Medien Köln. Das besondere an diesem Projekt stellt die Tatsache dar, dass vor Drehbeginn kein Dialogbuch existierte. Die Geschichte wurde größtenteils gemeinsam mit den Schauspielern entwickelt, die Szenen erst vor Ort ausgearbeitet und auch sämtliche Dialoge sind improvisiert. Der Film wurde außerdem chronologisch gedreht. Es handelt sich hier um den ersten Kinoauftritt des Hauptdarstellers Jan Henrik Stahlberg ("Muxmäuschenstill").
"kein Science Fiction" lebt vor allem von seiner pfiffigen Grundidee, die ein wenig an "Und täglich grüßt das Murmeltier" erinnert. Auch Jörg und Marius müssen im Umgang mit anderen Personen immer wieder von vorne anfangen, da diese Personen sie in der Zwischenzeit schlichtweg "vergessen" haben. Getragen wird die Geschichte, die Elemente einer Komödie, eines Dramas und einer Romanze aufweist, vor allem von einem exzellent aufgelegten Jan Henrik Stahlberg, der hier als smartes, selbstverliebtes Arschloch, das Marius ständig seine Überlegenheit demonstrieren muss, einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Der Film wirft zwei völlig gegensätzliche Charaktere in eine außergewöhnliche Situation, die sie irgendwie gemeinsam meistern müssen. Marius nutzt diese Möglichkeiten zunächst schadlos aus und genießt diese gewisse Grenzenlosigkeit seines Handelns , ohne sich dafür vor anderen verantworten zu müssen.
Währenddessen verliebt sich Jörg unglücklich in die Rezeptionsdame ihres Hotels und muss bei seinen Bemühungen immer wieder bei Null anfangen, was ihn zunehmend frustriert. So nimmt der Film, auch aufgrund des gespannten Verhältnisses zwischen Jörg und Marius, nach einem komödiantischen Start immer dramatischere Elemente auf und wandelt sich in der zweiten Hälfte auch zunehmend zu einem romantischen Film, bei der schließlich beide Männer mit unterschiedlichsten Methoden um die gleiche Frau kämpfen. "kein Science Fiction" lebt von seiner cleveren Grundidee, seiner erfrischend anders wirkenden Inszenierung, seiner Unvorhersehbarkeit und den vielen humorvollen Einfällen. Leider ist Film aber gegen Ende doch etwas langatmig geraten.
Digitale Aufarbeitung:
"Science Fiction" entstand aus Budgetgründen unter Zuhilfenahme von eher günstigem Equipment, genauer unter Einsatz von einfachen Mini-DV-Kameras. Dementsprechend dürfen bei der Bildqualität keine Wunderdinge erwartet werden und die Schärfe ist eher durchschnittlich ausgefallen, was für ein etwas weiches Bild sorgt. Die Farben hätten hin und wieder ebenfalls etwas mehr Ausdruckskraft vertragen können, sind aber tendenziell durchaus als natürlich zu bezeichnen. In Hinsicht auf den Kontrast kommt es zu deutlichen Überstrahlungen in hellen Bildbereichen, während bei dunkleren Szenen viele Details verschluckt werden. Insgesamt wurde allerdings, unter Berücksichtigung der preisgünstigen Produktionsbedingungen, das Beste aus dem Filmmaterial herausgeholt und in durchaus konsumierbarer Qualität auf DVD gebannt. Der Ton ist zwar ebenfalls kein Highlight und klingt manchmal etwas unnatürlich, bietet aber stets eine gute Verständlichkeit und auch die Abmischung von Musik und Soundeffekten ist gelungen. Erfreulicherweise bietet der Film nicht nur deutsche, sondern auch englische Untertitel, so dass auch ausländische Zuschauer dieses sympathische Independent-Filmchen verfolgen können.
Auf der DVD befinden sich ein Trailer, sieben "Entfallene Szenen" in deutlich verminderter Bildqualität, die Probeszene "Ein erster Test" (4:07), Biographien von Franz Müller, Arved Birnbaum, Jan Henrik Stahlberg und Nicole Marischka in Textform, im Umfang von jeweils einer Bildschirmseite sowie der Soundtrack "Parallel Universum", bzw. "Parallel Universum Remix". Das eigentliche Highlight der Extras ist aber der Audiokommentar von Regisseur Franz Müller, der viele interessante Hintergrundinfos zum Film bietet und dabei auch ehrlicherweise Selbstkritik sowie Erklärungsversuche für suboptimale Ergebnisse anbringt.
Fazit:
"kein Science Fiction" folgt einem einmaligen Konzept, das mit einfachsten Mitteln realisiert wurde und funktioniert gerade deswegen einfach hervorragend. Es handelt sich hier um einen kleinen, sympathischen Independent-Film mit vielen originellen Ideen, sehr gut aufgelegten Darstellern, die auch sehr gut miteinander harmonieren, und einer Menge erfrischendem Humor. Einziges Manko des Films ist die in den letzten 30 Minuten deutlich zäher werdende Handlung inklusive einiger nicht sehr glaubwürdiger Wendungen im Hinblick auf die Hauptcharaktere. Die DVD bietet einiges an interessantem Bonusmaterial und technisch wurde angesichts des Ausgangsmaterials das bestmögliche Ergebnis erzielt.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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112:40 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Deutsch, Englisch |
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Bonusmaterial:
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- Trailer
- Entfallene Szenen
- Probeszene "Ein erster Test"
- Audiokommentar mit Regisseur Franz Müller
- Biographien von Franz Müller, Arved Birnbaum, Jan Henrik Stahlberg und Nicole Marischka
- Bildergalerie
- "Parallel Universum"
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kein Science Fiction
kein Science Fiction
Ein erfrischend anderer Film, der beweist, dass auch mit einfachsten Mitteln ein eindrucksvolles Endergebnis erzielt werden kann
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2003 Regie: Franz Müller Drehbuch: Franz Müller Darsteller: Jan Henrik Stahlberg, Arved Birnbaum, Nicole Marischka, Heidi Ecks, Thomas Wittmann
Label :
Epix
Verkaufsstart : 19.06.2008
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