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DVD-Besprechung - Odette Toulemonde

Story:
Was hilft es schon zu jammern? Odette Toulemonde (Catherine Frot) macht das Beste aus ihrem Leben: Immer gut gelaunt, erfüllt sie ihr Job in der Kosmetikabteilung eines Kaufhauses zwar nicht wirklich, doch es gibt etwas Größeres, Berührendes in ihrem Leben: die Romane von Balthazar Balsan (Albert Dupontel). Dieser interessiert sich allerdings nicht für seinen treuesten Fan. Als die Kritiker sein neuestes Werk zerfetzen, verfällt der verschmähte Autor in eine Depression und sucht verzweifelt Trost - die große Chance für Odette ...

Meinung zum Film:
Odette (Catherine Frot, "Zwei ungleiche Schwestern") ist eine Allerweltsfrau, die den bezeichnenden Nachnamen Toulemonde (= jedermann) trägt. Sie arbeitet als Verkäuferin in einem Kaufhaus und ist nicht sehr gebildet. Ihre kleine Wohnung teilt sie mit ihrem Sohn - einem schwulen Friseur - und ihrer ständig Arbeit suchenden Tochter sowie deren faulem, unhygienischem Freund. Nachdem ihr Mann vor zehn Jahren starb, dachte sie oft an Selbstmord, doch dann entdeckte sie die Bücher von Balthazar Balsan (Albert Dupontel, "Ein perfekter Platz") für sich, die ihr neue Lebensfreude schenkten. Nun, nach all der Zeit, ist es endlich so weit und Odette steht kurz davor, ihren "Retter" persönlich kennen zu lernen - auf einer Signierstunde, bei der das neueste Werk des Autors promotet werden soll. Doch was ist das? Die Stimme versagt ihr im entscheidenden Moment und sie bringt noch nicht mal ihren Vornamen korrekt hervor. Peinlich berührt, beschließt sie daraufhin, Balthazar einen Brief zu schreiben, in dem sie ihm mitteilen will, was er ihr bedeutet. Und diese Botschaft kommt genau zur rechten Zeit, denn der Schriftsteller befindet sich gerade in einem extremen Tief, nachdem sein Buch im Fernsehen von einem Kollegen und Kritiker zerrissen wurde. Kurzerhand steht er bei Odette vor der Tür und bittet um ein paar Tage Unterschlupf ...

Die Story hört sich zunächst nicht außergewöhnlich an, die Umsetzung ist es aber in jedem Fall. Bleibt bloß die Frage, ob im positiven Sinn. Bestseller-Autor Eric-Emmanuel Schmitt ("Monsieur Ibrahim") nahm für "Odette Toulemonde" erstmals auf dem Regiestuhl Platz und schrieb natürlich auch sein eigenes Drehbuch. Dabei spielt er nicht nur mal wieder den netten Märchenonkel, sondern erlaubt sich auch seltsame Eigenheiten, die sich in dieser Form wohl nur das französische Kino leisten kann, ohne dass man es ihm allzu übel nimmt. Da werden Stimmungshochs gerne mal durch "Himmelsflüge" dargestellt, Odette hebt dann - im wahrsten Sinne des Wortes - ab und schwebt entweder über die ganze Stadt oder auch "nur" über ihrem Sitz im Bus. Wenn es ihr besonders gut geht, fängt sie zudem an zu singen und zu tanzen, wobei sich die Gesangskünste auf Karaoke-Nummern diverser Chansons beschränken. Wer mit plötzlich, ohne auf Anhieb ersichtlichen Grund einsetzenden Musikeinlagen nichts anfangen kann, sollte von "Odette Toulemonde" lieber die Finger lassen, denn irgendwann fangen diese Szenen gehörig an zu nerven. Auch Zuschauer, die eine Abneigung gegen schlechte Effekte haben, werden hier nicht glücklich, denn das "Schweben" sieht schon nahezu (bewusst?) übertrieben billig aus.

Am meisten zu leiden hat der Film jedoch gar nicht mal unter seinen zahlreichen kleinen Schwächen, sondern vielmehr unter der Überambitioniertheit von Eric-Emmanuel Schmitt. Einerseits versucht er, die Geschichte bewusst naiv zu halten. Odette ist die mehr oder weniger "dumme" Frau von nebenan, die noch nie etwas vom Literaturnobelpreis gehört hat und der festen Überzeugung ist, man bekomme von der Arbeit in der Damenwäscheabteilung Krebs. Andererseits wirft er mit extremer Symbolik geradezu um sich, an einigen Szenen hätten interpretierfreudige Studenten ihre helle Freude. Als Beispiel sei hier nur die Figur des "Jésus" genannt, der anscheinend eine Eingebung von Odette ist und immer in biblischer Form ihre momentane Stimmung ausdrückt. Ihre obligatorische Frage: "Wie geht's?", wird je nach aktueller Gemütsfassung beantwortet. So kommt es auch schon mal dazu, dass man "Jésus" gemütlich über einen Fluss spazieren gehen sieht - den direkten Weg, ohne Brücke, wohlgemerkt. An Tiefsinnigkeit wurde also durchaus gedacht. Nur ist die Mischung aus übertriebener Naivität und übertriebener Symbolik für den normalen Zuschauer, der einfach nur einen Film sehen und sich nicht mit weitreichenden Interpretationen befassen will, auf Dauer ermüdend, verwirrend und langweilig. Dass Schmitt einfache Botschaften gerne mal auf hübsch ausgeschmückte Weise vermittelt, ist spätestens seit "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" bekannt. Nur wäre weniger manchmal wirklich mehr. 

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität der getesteten schweizer DVD ist überaus gelungen. Der anamorphe Transfer brilliert durch gute Schärfe und Farbwiedergabe. Das Bild rauscht nur leicht und die Kompression macht sich nicht störend bemerkbar, sodass ein frischer, klarer Eindruck entsteht. Der Ton liegt auf Deutsch und Französisch sowohl in 5.1 als auch in Stereo vor, wobei die letztere Variante natürlich überflüssig ist. Aber auch die Surround-Version klingt genrebedingt nicht sonderlich spektakulär und bleibt vornehmlich frontlastig.

Beim Bonusmaterial hat die vorliegende Fassung gegenüber der deutschen mal wieder das Nachsehen, da das auf der DVD von Universum Film enthaltene rund 20-minütige Interview mit Eric-Emmanuel Schmitt leider komplett fehlt. Zumindest das unterhaltsame Making Of, das etwa 25 Minuten dauert und anamorph vorliegt, sowie der Trailer haben es aber auch in die Schweiz geschafft. 

Fazit:
"Odette Toulemonde" ist kein schlechter Film, aber einfach zu speziell, um wirklich ansprechend oder auch nur annähernd unterhaltsam zu sein. Eric-Emmanuel Schmitt packt in sein Märchen zu viel Symbolik, sodass es zwar zum Interpretieren anregen, aber nicht für einen netten Filmabend sorgen kann. An der DVD-Umsetzung aus der Schweiz gibt es wenig auszusetzen. Die technische Qualität ist gelungen, die Extras hätten umfangreicher ausfallen können.

Technische Daten (Schweizer Version):
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
2,35:1
2,35:1
26:29 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Französisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Französisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Trailer
  • Making Of
Odette Toulemonde - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Odette Toulemonde
Odette Toulemonde

Bild unseres Mitarbeiters Jano Rohleder
Übertrieben überladenes Märchen von Eric-Emmanuel Schmitt


Autor der Besprechung:
Jano Rohleder

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich, Belgien, 2006
Regie:
Eric-Emmanuel Schmitt
Drehbuch:
Eric-Emmanuel Schmitt
Darsteller:
Catherine Frot, Albert Dupontel, Jacques Weber, Fabrice Murgia, Camille Japy

Label Deutschland :
Senator Home Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
19.05.2008