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DVD-Besprechung - Die Munsters - Gespensterparty

Story:
Herman Munster (Fred Gwynne) erbt von seinem verstorbenen Onkel aus England das Anwesen "Monster Hall" und darf sich fortan "Lord Munster" nennen. Also macht sich die gesamte Familie Munster auf den Weg nach England, um ihr Erbe anzutreten. Wenig erbaut darüber sind allerdings die Witwe und ihre beiden Kinder, allen voran Freddie Munster (Terry-Thomas), der selbst unbedingt der neue Lord werden wollte. Während sich die Munsters mit den Schikanen und Attentaten ihrer Verwandten auseinandersetzen müssen, geraten sie außerdem auf die Spur des Geheimnisses von Munster Hall, Marilyn (Debbie Watson) wird mal wieder von Liebeskummer geplagt und Herman erlebt sein großes Coming-Out als Rennfahrer beim traditionellen Leichenstein-Rennen.

Meinung zum Film:
Die 2. Staffel der Munsters konnte den großen Erfolg der ersten Staffel nicht wiederholen und wurde deshalb schließlich mit der letzten Ausstrahlung am 12. Mai 1966 von CBS abgesetzt. Bereits davor gab es jedoch Überlegungen, die zweite Staffel mit einem Fernsehfilm der Munsters zu krönen, nachdem die Serie gecancelt wurde, entschied man sich aufgrund der großen Popularität der Munsters jedoch, mit diesem Film sogar den Sprung auf die große Leinwand zu wagen. Die Besetzung vor der Kamera blieb mit einer Ausnahme die gleiche, für die Figur der Marilyn wurde Debbie Watson ("Tammy - Das Mädchen vom Hausboot") verpflichtet, die Pat Priest ("Der Mann mit den zwei Köpfen") ersetzte. Für die Regie zeichnete Serienspezialist Earl Bellamy ("Der Sechs Millionen Dollar Mann") verantwortlich, der auch schon einige Folgen der Munsters gedreht hatte. Im Gegensatz zur Serie wurde dieser Kinofilm als zusätzliches Lockmittel in schrillstem Technicolor, statt wie die Serie in Schwarz-Weiß, gedreht.

Gerade deutsche Fans der Munsters müssen angesichts des Kinofilms erstmal kräftig schlucken. Abgesehen von dem Sprung in die Welt des Farbfilms, der die Munsters unverständlicherweise alle mit blauer Hautfarbe darstellt, obwohl in der Serie stets von ihrem "grünen" Aussehen die Rede war, und dem Austausch von Marilyn verfügt der Kinofilm auch über eine vollkommen andere deutsche Synchronisation als die Serie. Das Langfeature der Munsters lief nämlich beim deutschen Kinostart am 14. Juli 1967 lediglich unter dem Titel "Gespensterparty", da zu diesem Zeitpunkt die Serie überhaupt noch nicht den Sprung nach Deutschland geschafft hatte und hier völlig unbekannt war. Die Munsters wurden schließlich auch erst in den 90er-Jahren Deutsch synchronisiert und liefen zuvor im deutschen Fernsehen im englischen O-Ton. Leider muß konstatiert werden, dass die Kinosynchronisation zwar mit professionellen Sprechern glänzt, allerdings mit diversen Schlampigkeiten bei der Übersetzung zu kämpfen hat, so wurde z.B. aus dem Hausdrachen "Spot" einfach "Felix". Weiterhin wirken die Stimmen der Serie einfach passender, z.B. hat Herman eine viel zu hohe Stimme für einen Mann seiner Statur, und Freunden der Serie dürfte die Identifikation mit den Figuren dadurch ziemlich erschwert werden. Marilyn mutierte außerdem im Zuge der Umbesetzung zu einem äußerst austauschbaren und naiven Teenager und stellt eher ein Ärgernis dar.

Bereits in der 2. Staffel der Munsters gingen den Verantwortlichen offensichtlich die Ideen aus und es wurden fleißig Gags älterer Formen aufgegriffen oder leicht verändert. Aber immerhin konnte die Serie auch weiterhin eine relativ hohe Gagdichte bieten, was bei dem offensichtlich auch für ein deutlich jüngeres Publikum als die Serie konzipierten Kinofilm aber absolut nicht mehr der Fall ist. Der Film schleppt sich von einem müden, recycelten Gag zum anderen, da wären z.B. wiedermal der zerspringende Spiegel sowie die flüchtenden Menschen, wenn sie Hermans Anblick gewahr werden. Aber auch hier haben sich Schlampigkeiten eingeschlichen, so steht Herman beispielsweise nach dem Verlassen des Dampfers nach England unübersehbar mitten in einer Menschenmasse und niemand nimmt Notiz von ihm. Die Familienzusammenführung ist übrigens eine herbe Enttäuschung und kein Vergleich zu einem Gipfeltreffen der Addams Family, da dieser Zweig der Familie zwar durchtrieben, aber optisch völlig menschlich ist. Ihr interessantester Vertreter ist noch Eddie, der von dem etablierten englischen Komiker Terry-Thomas ("Tolldreiste Kerle in rasselnden Raketen") dargestellt wird, jedoch leider mit diesem eindimensionalen Charakter auch völlig unterfordert ist.  

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität dieses mehr als 40 Jahre alten Kinofilms bewegt sich analog zur Serie auf einem sehr hohen Niveau und wurde offensichtlich digital überarbeitet. Die Bildschärfe erreicht stets gute Werte, die grelle Farbgebung wirkt sehr ausdrucksstark und der Kontrast ist stets ausgewogen. Beschädigungen oder Verschmutzungen fallen überhaupt nicht ins Gewicht, dafür ist allerdings ein leichtes Bildrauschen aufgrund des Ausgangsmaterials nicht zu übersehen. Beide Tonspuren bieten zu jeder Zeit eine gute Verständlichkeit. Die deutsche Tonspur ist allerdings technisch etwas schwächer als die englische Variante, auch wenn diese etwas leiser abgemischt wurde, da sie hin und wieder Verzerrungen aufweist und ein wenig blechern klingt.

Die DVD wird in einem Amaray mit ansprechend gestaltetem Schuber ausgeliefert. Auf der DVD befindet sich lediglich eine kleine Galerie mit seltenem Werbematerial zum Film. Außerdem liegt der DVD noch ein 8-seitiges Booklet bei, das allerdings enttäuschend kurz ausgefallen ist, da der reine Informationsteil lediglich zweieinhalb Seiten davon ausmacht.

Fazit:
"Die Munsters" als Kinofilm stellt eine ziemlich brutale Bruchlandung für die Serie dar, das liegt u.a. an den ungewohnten Synchronstimmen, der müden, eher kindgerechten Story, der geringen Gagdichte ohne Innovationen gegenüber der Serie. Im Zusammenspiel mit einigen wirklich billigen Effekten, wie z.B. den Rückprojektionen im finalen Rennen, verderben diese Schwächen auch Fans der Serie gehörig den Spaß, daran kann auch die kunterbunt-schrille Optik des Films nichts mehr ändern. Technisch befindet sich die DVD auf dem üblichen hohen Niveau von Koch Media, das Bonusmaterial ist in diesem Fall aber ziemlich enttäuschend ausgefallen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,85:1
1,85:1
92:21 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
  • 8-seitiges Booklet
Die Munsters - Gespensterparty - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Gespensterparty
Munster, go home!

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Der englische Originaltitel "Munster, go home!" trifft es ganz hervorragend, denn dieser Film grenzt schon eher an Leichenschändung!


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1966
Regie:
Earl Bellamy
Drehbuch:
Joe Connelly, Bob Mosher, George Tibbles
Darsteller:
Fred Gwynne, Yvonne De Carlo, Al Lewis, Butch Patrick, Debbie Watson, Terry-Thomas

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
20.06.2008