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DVD-Besprechung - Der Fuchs und das Mädchen (Special Edition)

Story:
Eines Morgens entdeckt die kleine Lila einen jagenden Fuchs im Wald. Der kurze Moment vor der Flucht des Tieres genügt, um das Mädchen zu faszinieren. Tagelang streift Lila durch Wiesen und Wälder, auf der Suche nach "ihrem" Fuchs. Behutsam und trickreich gewinnt sie schließlich sein Vertrauen - der Beginn einer außergewöhnlichen Freundschaft. An der Seite des Fuchses entdeckt sie eine wilde, geheimnisvolle Natur ... 

Meinung zum Film:
Nach dem sensationellen Erfolg von "Die Reise der Pinguine" legt Regisseur Luc Jacquet einen neuen bezaubernden Tierfilm vor. Anders als es bei den Pinguinen der Fall war, handelt es sich bei "Der Fuchs und das Mädchen" allerdings nicht um eine Dokumentation, sondern um einen Spielfilm. In diesem vermischen sich Doku- und Märchenelemente zu einer mitreißenden Geschichte über die außergewöhnliche Freundschaft zwischen einem Fuchs (oder vielmehr einer Füchsin) und dem kleinen Mädchen Lila, das von der Idee besessen ist, "ihren" Fuchs aus dem Wald zu zähmen. Ganz ohne Moral kommt natürlich kein Märchen aus und so vermittelt der Film gleich auch noch auf pädagogisch wertvolle Weise eine Lektion darüber, wie man mit wilden Tieren umgehen sollte, ob es wirklich sinnvoll ist, diese zähmen zu wollen und - ganz wichtig - wo die Grenze zwischen "lieben" und "besitzen" liegt.

Gedreht wurde größtenteils in einem italienischen Nationalpark, wodurch sich auch die vielen faszinierenden Naturaufnahmen erklären. Wenngleich die Geschichte in erster Linie um Lila und die Füchsin kreist, tauchen auch jede Menge andere Tiere des Waldes auf. Dachse, Igel, Wiesel, Hirsche, gar einen Bär bekommt man zu Gesicht. Der Film basiert auf einer Kindheitserinnerung des Regisseurs, der selbst einmal eine Begegnung mit einem Fuchs hatte (wenngleich nicht in dieser ausgeprägten Form), was ihn schließlich auf die Idee brachte, dieses Erlebnis neu zu verarbeiten und gleichzeitig Kindern und Erwachsenen die Schönheit der Natur näher zu bringen. Und zwar der Natur, die man direkt nebenan findet - keiner exotischen, weit entfernten, wie etwa der Antarktis. Die Aufnahmen wurden zunächst mit wilden Füchsen begonnen, doch wechselte man später für die Spielszenen zu zahmen, da die wilden Kollegen auf Dauer zu unberechenbar waren und sich der Drehplan mit ihnen nicht hätte einhalten lassen. Der Regisseur bestand jedoch auf Tieren, die noch möglichst viel Wildes in sich trugen, damit sie im Film nicht wie Haustiere wirkten. Das umfangreiche Fuchs-Casting hat sich durchaus bezahlt gemacht. Wenngleich sie bewusst märchenhaft wirkt, ist die Geschichte letztlich nie realitätsfremd.

Wie von Jacquet gewohnt, ist auch "Der Fuchs und das Mädchen" wieder ein einmaliges visuelles Erlebnis. Der Film kommt nahezu vollständig ohne Sprache aus. Lediglich hin und wieder unterhält sich das Mädchen mit dem Fuchs oder die erwachsene Lila (in der deutschen Fassung Esther Schweins) erzählt aus dem Off ihre Geschichte. Ansonsten sprechen die Bilder für sich. Man fühlt sich mitten im Wald und erlebt die Geschichte hautnah mit. Teils aus der Sicht des Fuchses, teils aus der von Lila. Jungdarstellerin Bertille Noël-Bruneau, deren Haarfarbe sich auch noch ideal der Farbe des Waldes und der des Fuchsfells anpassen, gebührt ein großes Lob für ihre überzeugende Leistung. Schließlich schafft sie es, die Stimmung des Films fast ohne Worte - nur mithilfe ihres aufgeweckten Gesichts - jederzeit perfekt wiederzugeben. 

Digitale Aufarbeitung:
Wo schon der Film hervorragend gelungen ist, gilt dies auch für die DVD-Umsetzung. Erfreulicherweise hat Jacquet diesmal nicht wie bei "Die Reise der Pinguine" auf stark grobkörniges Filmmaterial zurückgegriffen, so dass man einen glasklaren, sehr sauberen Transfer geboten bekommt. Allerdings ist beständiges leichtes Rauschen wahrnehmbar. Die Farben wirken satt und kraftvoll, ebenso gefällt der Kontrast, wobei das Bild jedoch insgesamt minimal zu dunkel wirkt. Die Schärfe ist nicht optimal, bewegt sich aber auf einem guten Niveau. Auf die Originaltonspur wurde bei der DVD leider verzichtet, dies fällt aber aufgrund der wenigen Textzeilen nicht zu stark ins Gewicht. Dafür enthält die DVD noch eine zusätzliche Hörfilmfassung für Sehbehinderte. Generell macht der Ton seine Sache gut, die Musik verteilt sich stimmungsvoll im Raum.

Ein besonderes Lob hat das Bonusmaterial der Special Edition von Arthaus verdient. Neben dem Teaser und Trailer auf Deutsch und Französisch gibt es Interviews mit dem Regisseur, der Hauptdarstellerin, der französischen Sprecherin sowie der deutschen Sprecherin Esther Schweins. Letztere sieht man zudem in einem kurzen Clip von den Synchronaufnahmen. Disc zwei bietet ein Musikvideo sowie ein sehr ausführliches Making Of, das in zwei Teilen vorliegt und insgesamt rund 51 Minuten dauert. Dieses wurde direkt bei den Dreharbeiten mitproduziert, so dass man nicht mit einem billigen Promoclip abgespeist wird, sondern einen sehr umfassenden und interessanten Einblick in die Entstehung des Films bekommt. Erfreulich ist zudem, dass das Making Of ebenfalls in anamorphem Breitbild vorliegt. Schließlich bietet die DVD dann noch die umfangreiche Dokumentation "Auf den Spuren des Fuchses", die die Tierfilmcrew um Jérôme Maison, der auch schon "Die Reise der Pinguine" auf Film bannte, bei ihren Naturaufnahmen zu "Der Fuchs und das Mädchen" begleitet.

Fazit:
"Der Fuchs und das Mädchen" ist eine bezaubernde Mischung aus Dokumentation und Märchenfilm, die uns die fasznierende Natur vor unserer Haustür vor Augen führt. Das sowohl inhaltlich als auch optisch eindrucksvolle Werk wird von Arthaus als Special Edition präsentiert, die nicht nur mit guter Bild- und Tonqualität aufwartet, sondern auch überaus umfangreiches Bonusmaterial bietet, das so gut wie keine Wünsche offen lässt. Absolute Empfehlung!  

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
2,35:1
2,35:1
91:32 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial:
  • Booklet
  • Making of
  • Dokumentation: "Auf den Spuren des Fuchses"
  • Musikvideo "Windy Whistle"
  • Interviews u.a. mit Luc Jacquet und Esther Schweins
  • Die Erstellung der deutschen Synchronisation
  • Deutsche Hörfilmfassung für Sehbehinderte
  • Texte zum Film
  • Fotogalerie
  • Teaser und Trailer
Der Fuchs und das Mädchen (Special Edition) - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Der Fuchs und das Mädchen
Le renard et l'enfant

Bild unseres Mitarbeiters Jano Rohleder
Bezaubernde Mischung aus Doku und Fiktion


Autor der Besprechung:
Jano Rohleder

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich, 2007
Regie:
Luc Jacquet
Drehbuch:
Luc Jacquet, Eric Rognard
Darsteller:
Bertille Noël-Bruneau, Isabelle Carré, Thomas Laliberté

Label Deutschland :
Arthaus
Verkaufsstart Deutschland :
11.07.2008