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DVD-Besprechung - Das Projekt des Ingenieurs Pright

Story:
Der Ingenieur Mack Pright will sein Diplomprojekt in Form eines revolutionären Elektrizitätswerkes mit Torfbetrieb realisieren. Das würde billigen Strom für Jedermann, überall auf der Welt, bedeuten und ruft deshalb den Widerstand des reichen Erdölmagnaten Orville Ross, der seinen Wohlstand in Gefahr sieht, hervor. Mit Hilfe von Prights Jugendfreund Ham Torrynwall will er das Projekt sabotieren. Dieser ist nämlich seinerseits an Orvilles Tochter Betsy interessiert, deren Mitgift bei einem Erfolg Prights erheblich geringer ausfallen würde. Betsy selbst kann ausgerechnet Pright jedoch seit ihrer Zufallsbegegnung nicht mehr vergessen.  

Meinung zum Film:
"Das Projekt des Ingenieurs Pright" ist das Regiedebüt des russischen Regisseurs Lew Kuleschow ("Die seltsamen Abenteuer des Mr. West im Lande der Bolschewiki"), der später gemeinsam mit Sergej M. Eisenstein ("Panzerkreuzer Potemkin") an der ältesten Filmhochschule der Welt, der "VGIK", die Leitung des Lehrstuhls für Regie bekleidete. Er gilt als Pionier der Montagetechnik und begründete den sogenannten "Kuleschow-Effekt". Dabei wird erst durch filmische Wahrnehmung des Zuschauers Bedeutung generiert, indem z.B. der gleiche Gesichtsausdruck eines Schauspielers mit verschiedenen Betrachtungsgegenständen kombiniert wird. Der Zuschauer liest als Folge des Effekts verschiedene Gefühlsreaktionen aus dem immer gleichen Gesichtsausdruck des Darstellers ab.

Neben diesen Montagetechniken überzeugt der Stummfilm besonders mit seiner rasanten Schnittechnik und temporeichen Erzählweise. Dabei nimmt man gerne in Kauf, dass die handelnden Figuren ein wenig zu kurz kommen und beispielsweise der symbolischen Kontrastierung von moderner Industriegesellschaft (Ingenieur im feschen Lederoutfit) und vorrevolutionärer, traditioneller Klassengesellschaft (Industriemagnat im feinen Zwirn, leidenschaftlicher Jäger) geopfert werden. Die relativ einfache Geschichte mit ein wenig Romantik und einem Schuss Drama reißt dann auch eher durch ihre hohe Schlagzahl mit, als durch die etwas unterkühlt wirkende Dramaturgie.

Bezeichnenderweise spielt dieser sowjetische Vorzeigefilm ausgerechnet in den Vereinigten Staaten und übertraf die dortige Konkurrenz bezüglich der Schnittfrequenz letztlich deutlich. Gemäß westlicher Vorbilder bekommt es Pright aber auch hier mit Spionen zu tun, hat sich eines Verräters zu erwehren und darf am Ende aller Mühen seine Herzensdame verdientermaßen in die Arme schließen. Der Einsatz von Laiendarstellern, u.a. Lews Bruder Boris, macht sich dabei in keinster Weise negativ bemerkbar.  

Digitale Aufarbeitung:
"Das Projekt des Ingenieurs Pright" wurde zeitaufwendig rekonsturiert und auch restauriert. Das sieht man der DVD dieses 90 Jahre alten Films auch deutlich an. Die Bildschärfe ist gut, der Kontrast weist zwar gewisse Schwankungen auf, ist ingesamt aber relativ ausgewogen, und der Bildstand ist erstaunlich ruhig. Natürlich gibt es immer noch altersgemäße Spuren in Form diverser kleinerer Verschmutzungen und Beschädigungen sowie eine stärkere Körnung, insgesamt ist das Bild aber für einen Film dieses Alters wirklich überzeugend ausgefallen. Der Stummfilm verfügt über russische Zwischentitel mit deutschen Untertiteln und bietet wahlweise zwei verschiedene Musikuntermalungen. Die erste Version stammt von Dmitri Matow und wurde im Jahr 2004 in Moskau als Improvisation eingespielt. Die zweite Fassung stammt von Jiří Hradil, der im Jahr 2007 eigens für diese DVD einen Soundtrack komponierte. Aufgrund des neueren Datums der beiden eingespielten Instrumentaltonspuren wird hier ein sehr überzeugendes Klangbild geboten und somit auch im Tonbereich ein hohes technisches Niveau erreicht.

Auf der DVD befindet sich auch eine kürzere Fassung des Films (16:02), in verminderter Bildqualität, als stumme Version und ohne Zwischentitel. Sie entspricht der Fassung des russischen Staatsarchivs GFF. Bei der Fassung, die von Nikolai Izvolov, die in den Jahren 2001 bis 2007 rekonstruiert wurde, gibt es außerdem die Möglichkeit, den HYPERKINO-Modus zu aktivieren. Dadurch sind direkt während des Films an den entsprechenden Stellen interessante Hintergrundinformationen in Form von Fußnoten anwählbar, die durch Multimedia-Elemente wie Fotos, gescannte Dokumente oder sogar Filmausschnitte ergänzt werden. Diese 27 Annotationen, zusammengestellt von N. Izwolow und N. Drubek-Meyer, sind aber auch direkt über das Menü anwählbar. Der Schwarz-Weiß-Dokumentarfilm "Der Kuleschow-Effekt" (53:48) aus dem Jahr 1969 von Semyon Raitburt, im russischen Originalton mit deutschen Untertiteln, bietet u.a. seltene Originalaufnahmen von Lew Kuleschow sowie des russischen Schriftstellers und Filmtheoretikers Viktor Schklowski. In dieser Dokumentation erzählt Kuleschow von den wichtigsten Stationen seiner Karriere und bedeutenden Ereignissen in seinem Privatleben, wie z.B. seiner Beziehung zu der Schauspielerin Alexandra Chochlowa. Neben dem titelgebenden Kuleschow-Effekt stehen aber eigentlich weniger Kuleschows konkrete Arbeitstechniken im Mittelpunkt, sondern vielmehr ausführliche Filmausschnitte seiner weiteren Werke wie "Die seltsamen Abenteuer des Mr. West im Lande der Bolschewiki", "An der roten Front", "Die Journalistin", oder "Horizont". Die Dokumentation bietet somit einen guten Überblick über das filmische Schaffen und Werk von Kuleschow, bietet aber auch Eindrücke der Persönlichkeit dieses Mannes.  

Fazit:
"Das Projekt des Ingenieurs Pright" ist eine filmhistorische Pionierarbeit für die russische Montagetechnik und lebt von seiner hohen Schrittfrequenz sowie seinem enormen Erzähltempo. Die DVD offeriert den Film technisch aufwendig restauriert und rekonstruiert. Außerdem befindet sich im Bonusbereich der DVD lohnenswertes Hintergrundmaterial mit einem hohen Informationswert.  

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 0 - ohne Altersbeschrae~nkung
1,33:1
1,33:1
30:28 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Instrumental
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Erste Fassung des Films (16:02)
  • Dokumentation "Der Kuleschow-Effekt" (53:48)
  • Hyperkino-Annotationen
  • Zwei Musikfassungen (1. Jiří Hradil / 2. Dmitri Matow)
Das Projekt des Ingenieurs Pright - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Das Projekt des Ingenieurs Pright
Proekt inzhenera Prayta

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein Klassiker des russischen Avantgarde-Films im aufwendig rekonstruierten Gewand


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Russland, 1918
Regie:
Lew Kuleshow
Drehbuch:
Boris Kuleschow
Darsteller:
B. Kuleschow, L. Polewoj, N. Gardi, E. Komarowa, E. Kulganek, L. Kuleschow

Label Deutschland :
absolut MEDIEN
Verleihstart Deutschland :
27.06.2008
Verkaufsstart Deutschland :
27.06.2008

Vertrieb Schweiz :
Kein Verleih bekannt
Verleihstart Schweiz :
Noch kein Termin bekannt
Verkaufsstart Schweiz :
Noch kein Termin bekannt