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DVD-Besprechung - Anamorph - Die Kunst zu töten

Story:
Stan Aubray (Willem Dafoe) hat vor fünf Jahren den Serienmörder "Onkel Eddie" gefasst, der seine Tatorte regelmäßig unter Einbeziehung der Leichen in Kunstwerke verwandelte. Psychisch hat dieser Fall Stan aber schwer mitgenommen. Er hat sich seitdem aus dem aktiven Dienst zurückgezogen und hält nur noch Vorträge an der Polizeischule. Plötzlich wird allerdings ein neuer Serienkiller aktiv, der "Onkel Eddie" zu imitieren scheint, worauf sich Stan bereitwillig auf ihn ansetzen lässt. Auf der Jagd nach dem geheimnisvollen Killer wird Stan jedoch von seinen inneren Dämonen gequält, so dass er von Schuldgefühlen und Selbstzweifeln beinahe zerfressen wird.

Meinung zum Film:
Der Regisseur und Drehbuchautor von "Anamorph - Die Kunst zu töten", Henry Miller, gab sein Langfilmdebüt im Jahr 2004 mit der Komödie "Late Watch", zu der er ebenfalls auch das Drehbuch schrieb, danach folgten nur noch zwei Kurzfilme. Co-Autor Tom Phelan schrieb zuvor lediglich das Drehbuch zu dem Science-Fiction-Kurzfilm "Pollinator" aus dem Jahr 2002. Thriller-Erfahrungen besaß somit keiner der beiden Hauptverantwortlichen. Für die Hauptrolle des Films konnte man mit Willem Dafoe ("Platoon") einen sehr erfahrenen Charakterdarsteller gewinnen und auch in den weiteren Nebenrollen finden sich bekannte Namen wie Scott Speedman ("Dark Blue"), Peter Stormare ("Brothers Grimm") und Clea DuVall ("Faculty - Trau keinem Lehrer").

"Anamorph" wirkt optisch und thematisch zunächst als hätten ein paar Kunststudenten zusammen mit dem "Plastinator", Gunther von Hagens, ein kleines Brainstorming veranstaltet. In dem Film dreht sich vieles um Kunstformen und ihre Herstellungstechniken, beispielsweise in Form der titelgebenden Anamorphose, der Camera Obscura oder der Pantographie. Die Optik des Films selbst wirkt auch eher so als würde er auf den Arthaus-Bereich abzielen und entwickelt anlässlich der Tatorte, die eher dem Werk eines Installationskünstlers entspringen als dem eines normalen Serienkillers, eine gewisse Ästhetik des Mordens und des Todes. Die Morde selbst bekommt der Zuschauer nie zu sehen. Das Ergebnis selbst ist jedoch grundsätzlich ziemlich herb ausgefallen, aufgerissene Brustkörbe oder ein regelrechtes Menschenpuzzle sind trotz ihres künstlerischen Anspruchs nichts für schwache Mägen. Das ist aber leider auch schon die einzige Innovation des Films, der es ansonsten nicht versteht genretypische Elemente des Psychothrillers sinnvoll zusammenzusetzen.

Getragen wird der Film neben seiner ansprechenden, stylischen Optik vor allem durch Willem Dafoe, der hier als gebrochener, einsilbiger Cop erneut eine eindrucksvolle Demonstration seines Könnens ablegt. Leider ist das Drehbuch im Grunde eine Katastrophe und bietet zahlreiche Verfehlungen. Das psychologische Duell zwischen Killer und Jäger wird nur angerissen. Die direkte Interaktion der beiden über die Tatorte, die stets etwas verbergen, was Aubray erst ans Tageslicht befördern muss, oder andere Hinweise des Killers, funktioniert leider gar nicht. Zwischen den beiden zentralen Figuren entsteht kein Duell auf der Ebene des Intellekts, wie beispielsweise in "Das Schweigen der Lämmer". Vielmehr ist Aubray vor allem mit sich selbst und seiner düsteren Vergangenheit beschäftigt, während man über den Killer während des gesamten Films überhaupt nichts erfährt. Er wird gegen Ende plötzlich wie das berühmte Kaninchen aus dem Hut gezaubert, hat eigentlich gar keine echte Verbindung zu Aubray, obwohl uns das der Film die ganze Zeit vorgaukelt, und gibt auch keinen einzigen Satz zum Besten. Die Motivation für seine Morde, sein Charakter, die Durchführung und Planung seiner Taten, einfach alles bleibt völlig im Dunkeln. Alle anderen vorkommenden Nebenfiguren werden zudem zu einfachen Stichwortgebern degradiert. Besonders schlimm hat es hier Aubrays Kollegen Scott Speedman erwischt, der von ihm konsequent durch den ganzen Film hindurch völlig ignoriert wird. Das ruhige Erzähltempo, ohne die ganz großen Spannungsmomente, und die dürftigen Actionszenen sind weitere Schwächen von "Anamorph".

Digitale Aufarbeitung:
Die Tonspuren bieten zu jeder Zeit eine sehr gute Verständlichkeit und warten mit einer sehr stimmungsvollen, klangintensiven Musikuntermalung auf. Der dialoglastige und eher ruhige Film ist ansonsten aber sehr frontlastig ausgefallen. Die DVD bietet eine gute Bildschärfe, einen ausgewogenen Kontrast und eine sehr kräftige, teils durch Filter verfremdete Farbgebung. Wirkliche Schwächen bei der Bildqualität sind nicht auszumachen.

Die Extras sind eher spärlich ausgefallen, neben einer Bildergalerie, dem deutschen und dem englischen Trailer sowie einem Behind the Scenes-Feature gibt es noch einige Interviews mit den Beteiligten. Regisseur Henry Miller (7:50) ergeht sich dabei vor allem in endlosen Lobeshymnen über die Darsteller sowie die Produzentin, die Produzentin Marissa McMahon (7:30) selbst redet hingegen vor allem über die Auswahl der Schauspieler. Am interessantesten ist das Interview mit Hauptdarsteller Willem Dafoe (8:00) der seiner Figur dabei allerdings irgendwie mehr Tiefe verleiht als das Drehbuch es vermochte. Den Abschluss bildet ein kurzes Interview mit Scott Speedman (4:35) der offensichtlich nichts zu sagen hat, aber irgendwie muss die DVD ja voll werden. Das Behind the Scenes-Feature (15:26) ist leider ebenfalls sehr enttäuschend, da es lediglich vollkommen unkommentierte Einblicke in die Dreharbeiten gewährt und somit völlig verzichtbar erscheint.

Fazit:
"Anamorph" verfolgt mit seiner Optik eher einen Arthaus-Anspruch, das Drehbuch wird aber was Cleverness und Tiefgründigkeit betrifft nichtmal einem durchschnittlichen Thriller gerecht. Willem Dafoe liefert eine eindrucksvolle One-Man-Show ab, alle anderen Charaktere bleiben aber völlig blass und der Killer ist eine Black Box ohne ablesbare Motivation und ohne wirkliche Verbindung zu seinem Jäger. Diese wird nur künstlich konstruiert und durch eine mehr als mißlungene Auflösung gekrönt.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
98:56 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Bildergalerie
  • Deutscher und Englischer Trailer
  • Interviews mit Regisseur Henry Miller, Produzentin Marissa McMahon, Willem Dafoe und Scott Speedman
  • Behind the Scenes
Anamorph - Die Kunst zu töten - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Anamorph
Anamorph

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Willem Dafoe in Bestform verschwendet sich an ein maues Drehbuch ohne Spannung und glaubwürdige Auflösung


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2007
Regie:
Henry Miller
Drehbuch:
Henry Miller, Tom Phelan
Darsteller:
Willem Dafoe, Scott Speedman, Peter Stormare, Clea DuVall, James Rebhorn, Amy Carlson

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
11.07.2008