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DVD-Besprechung - Cocaine Cowboys
Story:
"Cocaine Cowboys" erzählt die Geschichte der Stadt Miami und ihren "Auf-" oder auch "Abstieg" zum Drogenmekka für kolumbianische sowie kubanische Dealer und Gangsterbosse in den 1980er Jahren. Aufgrund der günstigen geographischen Lage und lascher Kontrollen war Miami das optimale Einfallstor für riesige Drogenlieferungen aus Lateinamerika. Ohne diese Vorgeschichte wäre Miamis berühmte Skyline heute wohl undenkbar, denn die Stadt war auch das Zentrum der Geldwäsche für die hier erwirtschafteten Drogengelder, mit denen auch gigantische Bauvorhaben realisiert wurden.
Meinung zum Film:
Die Dokumentation "Cocaine Cowboys" stammt aus der Feder von Billy Corben ("Raw Deal: A Question of Consent") und feierte in den USA so große Erfolge, dass dort bereits der zweite Teil, "Hustlin` with the Godmother", vor der Tür steht. Offensichtlich wird hier das enthaltene Special-Feature der DVD zu einer vollwertigen Dokumentation aufgearbeitet. Der Werbeslogan "Die Wahre Geschichte hinter Scarface und Miami Vice" bekommt "Cocaine Cowboys" leider gar nicht gut. Die Parallelen oder Anmerkungen zu der filmischen Aufarbeitung dieser Zeit umfassen lediglich Oberflächlichkeiten und werden nur in Nebensätzen abgehandelt. Der Stil der Dokumentation selbst ist aber offensichtlich von "Scarface" und "Miami Vice" beeinflusst. Jan Hammer, der eben jener Serie ihren unverwechselbaren musikalischen Charakter verlieh, lieferte auch hier den gelungenen Soundtrack.
Ansonsten versucht "Cocaine Cowboys" aber auch möglichst stylisch daherzukommen und es gelingt der Dokumentation dadurch auf ziemlich spektakuläre Art und Weise das unverwechselbare Flair von Miami einzufangen. Die Dokumentation besteht grob aus zwei Teilen und setzt neben dem nur beschränkt vorhandenen Archivmaterial, immerhin dreht sich hier alles um schwere Straftaten die begangen wurden lange bevor Videoportale das Internet eroberten, vor allem auf Interviews mit ehemaligen Gangstern. Das Archivmaterial wird dabei möglichst passend aufbereitet um die in den Interviews vermittelten Sachverhalte zu unterstützen. Den ersten Teil bestreiten vor allem Jon Roberts, der Kokain im Wert von zwei Milliarden Dollar für das Medellin-Kartell verkaufte, und sein Partner Mickey Munday, der insgesamt 38 Tonnen Kokain in die Vereinigten Staaten schmuggelte. Im zweiten Teil kommt schwerpunktmäßig der ehemalige Profikiller Jorge "Rivi" Ayala zu Wort, der einer von Griselda Blancos wichtigsten Handlangern war. Ergänzt wird diese "Gangster-Perspektive" durch zeitgenössische Ausschnitte von Nachrichtensendungen oder auch einige Zeitzeugen der anderen Seite, der zuständigen Polizeibehörden.
"Cocaine Cowboys" funktioniert vor allem wenn es darum geht die Aufbruchsstimmung dieser Zeit für das organisierte Verbrechen greifbar zu machen sowie das schnelle Geld und den Luxus als treibende Kraft für einen korrumpierten amerikanischen Traum, vom Drogendealer zum Millionär, in den Mittelpunkt zu stellen. Die Erzählungen der ehemaligen Gangster bieten so manche interessante Anekdote und wirken sehr authentisch. Leider bedienen deren Aussagen und die Machart der Dokumentation auch so ziemlich alle Stereotypen die man sich über diese Zeit vorstellen kann. Letztendlich wählte man als Form der Selbstdarstellung eine Mischung aus Coolness und eiskaltem Auftreten, übersieht dabei aber die Tatsache, dass letztendlich alle Beteiligten den optimalen Zeitpunkt verpassten um mit vollen Taschen aus dem Geschäft auszusteigen. Besondere Schwächen der Doku treten zu Tage wenn der internationale Drogenhandel stärker in den Fokus gerät, da in dieser Richtung offensichtlich nur wenig recherchiert wurde. Die (Macht-)Verhältnisse vor Ort in Kolumbien oder Panama kommen dabei eindeutig zu kurz. Weiterhin wirkt die Darstellung der polizeilichen Aktivitäten zu dieser Zeit sehr unzureichend. Zu Beginn der Dokumentation wird die Polizei einfach als inaktiv und/oder korrupt dargestellt, an deren Ende blasen die staatlichen Behörden der gesamten Drogenszene in Miami in kürzester Zeit das Licht aus, ohne dass eigentlich geschildert wird, wie das plötzlich bewerkstelligt werden konnte.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild der aktuellen Sequenzen wirkt ein wenig weich und farblich blass, insgesamt ist das Bild aber so wie man sich das von einer aktuellen Dokumentation erhoffen kann. Das beigefügte Archivmaterial hat naturgemäß eine deutlich schlechtere Bildqualität, unterstreicht aber auch die Stimmung dieser Zeit und wirkt somit keineswegs wie ein Fremdkörper. Die Dokumentation bietet wahlweise die englische Originaltonspur oder die deutsche Voice-over Fassung, optional sind außerdem auch noch deutsche Untertitel zuschaltbar. Die akustische Verständlichkeit ist stets gut.
Bei den Extras finden sich sieben Deleted Scenes mit Mickey Munday und Jon Roberts (13:53) sowie acht Deleted Scenes mit Jorge "Rivi" Ayala (16:55), die alle ziemlich interessant ausgefallen sind und den Hauptfilm sinnvoll ergänzen. Neben dem deutschen Trailer gibt es außerdem noch das Special Feature "Die Patin" (14:54), Originaltitel "Godmother - The Charles Cosby Story". Es stützt sich vor allem auf Aussagen von Charles Cosby, dem Liebhaber von Griselda Blanco, der "Schwarzen Witwe", während ihrer Zeit im Gefängnis. Das Kurzfeature erweitert das Portrait des Schreckens, das bereits die Dokumentation zeichnet um weitere Details und Nuancierungen ihres verdorbenen Charakters.
Fazit:
"Cocaine Cowboys" bietet einen interessanten Einblick in das Lebensgefühl des Miamis der 80er Jahre aus der Perspektive bedeutender Köpfe des organisierten Drogenhandels. Mit der Coolness übertreibt es die Dokumentation allerdings genauso wie mit der Laufzeit und gerade das unzureichende Archivmaterial sowie die fehlende globale Perspektive auf den Drogenhandel stellen weitere Schwächen dar. Technisch kann die Veröffentlichung weitestgehend überzeugen und bietet zudem sehr lohnenswertes Bonusmaterial.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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118:20 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Deleted Scenes
- Trailer
- Special Feature - "Die Patin"
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Cocaine Cowboys
Cocaine Cowboys
Miamis Geschichte als Nabel des internationalen Drogenhandels
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2006 Regie: Billy Corben Drehbuch: Billy Corben Darsteller: Jon Roberts, Al Sunshine, Sam Burstyn, Mickey Munday, Bob Palumbo, Toni Mooney, Edna Buchanan, Joseph Davis, Al Singleton, Louis Caruso, Raul Diaz, Jorge Ayala
Label :
Ascot Elite
Verkaufsstart : 17.07.2008
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