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DVD-Besprechung - Tattooist - Das Böse geht unter die Haut

Story:
Jake Sawyer (Jason Behr) ist ein amerikanischer Tattoo-Künstler, der den Glauben seiner Kunden an übernatürliche Kräfte für seine Tätigkeit kommerziell ausschlachtet. Eines Tages begegnet er eher zufällig in Singapur Sina (Mia Blake) und einer samoanischen Tätowierer-Gruppe. Die samoanische Tätowierkunst Tatau fasziniert ihn, ebenso wie Sina selbst, und er lässt eines ihrer Tätowier-Werkzeuge mitgehen, mit dem er sich kurz danach schneidet. Als er Sina näher kommt und ihr das Werkzeug wiedergeben möchte, muss er leider feststellen, dass es offensichtlich einen bösen Geist beherbergt. Seine gesamte Kundschaft scheint diesem grausamen Fluch zum Opfer zu fallen.

Meinung zum Film:
Regisseur Peter Burger ("Turangawaewae") trat bisher vornehmlich mit in unseren Gefilden völlig unbekannten Fernseharbeiten in Erscheinung. "Tattooist - Das Böse geht unter die Haut" ist sein Kinodebüt und eine offizielle Co-Produktion zwischen Neuseeland und Singapur. Drehbuchautor Jonathan King debütierte mit dem neuseeländischen Fun-Splatter "Black Sheep", an dem auch Co-Autor Matthew Grainger beteiligt war. In der Hauptrolle findet sich mit Jason Behr ("Skinwalkers") zwar ein amerikanischer Darsteller, der Rest des Cast besteht aber größtenteils aus Darstellern, die aus Neuseeland, Samoa oder Singapur stammen. Allein in Neuseeland leben rund 130000 Samoaner, was die Verantwortlichen zum Anlass nahmen, um sich bei der samoanischen Mythologie und Tätowierkunst für den Hintergrund der Geschichte zu bedienen. In neuseeländischen Kinos war "The Tattooist" der erfolgreichste Horrorfilm des Jahres 2007. Die Rechte für den US-Markt sicherte sich Sam Raimis "Ghost House Pictures" ("30 Days of Night").

Zu Beginn weiß man als Zuschauer noch nicht so recht, welche Genre-Pfade "Tattooist" eigentlich einschlagen möchte, der Diebstahl des Werkzeugs und die sehr oberflächlich ausgefallenen Ausflüge in die samoanische Mythenwelt deuten zunächst eher auf einen Mystery-Thriller hin, nach fast 40 Minuten entpuppt sich der Film dann aber endgültig als klassischer Geisterfilm asiatischen Einschlags, im Fahrwasser von Filmen wie "Ring" oder "Ju-on: The Grudge". Leider ist der Film zwar, was die Hintergründe der Geschehnisse, plausible Erklärungen für die Phänomene oder einen logischen Storyaufbau angeht, ähnlich schwach auf der Brust wie seine großen Vorbilder, über deren Stärken, wie eine stimmungsvolle, unheilschwangere Atmosphäre oder gezielt eingesetzte, subtile Schockmomente verfügt er aber leider auch nicht. Trotz der eher mageren Spielzeit von rund 80 Minuten, ohne Vor- und Abspann, passiert in den ersten 40 Minuten quasi gar nichts und auch danach hält der Film sein extrem gemächliches Tempo. Es dauert etwa 39 Minuten, bis der Geist zum ersten Mal mordet und das auch noch stets, bis auf eine Ausnahme, völlig unblutig. Auf Effekthascherei wurde nämlich bewusst verzichtet, was bei diesem Werk aber definitiv übertrieben wurde.

Das einzige, was den Zuschauer in diesem spannungsfreien, stimmungslosen Grusler lange Zeit vor dem Tiefschlaf bewahrt, ist keineswegs die zusätzlich verschleppend eingebundene oberflächliche Romanze zwischen Jake und Sina, die vergeblich mehr Dramatik in das Finale tragen soll, sondern vielmehr der knallige, unterschiedliche Musikstile vereinende Soundtrack mit Werken von The Mint Chicks, King Kapisi oder Don McGlashan. Kann schon die Inszenierung in ihrer Trägheit nicht überzeugen, ist das Ende ebenfalls enttäuschend uneigenständig und den bekannten Vorbildern entliehen.  

Digitale Aufarbeitung:
Die DVD bietet eine sehr gute Schärfe mit ausdrucksstarken Farben, auch wenn diese stilistisch verfremdet werden, einen ausgewogenen Kontrast und ein lediglich minimales Bildrauschen. Bei allen drei Tonspuren ist die Verständlichkeit einwandfrei, die hinteren Boxen werden aber fast gar nicht eingesetzt, daher ist der enervierende Soundtrack im akustischen Bereich noch das herausragendste Merkmal.

Der Hauptteil des Bonusbereichs sind die Interviews mit den Darstellern Jason Behr (5:23), Mia Blake (4:24), David Fane (2:16), Robbie Magasiva (1:56), Caroline Cheong (1:34), Regisseur Peter Burger (5:20), Produzent Robin Scholes (2:30) und dem samoanischen Meistertätowierer Tuifa' Asisina Soafaga Letelemaaana (4:24). Leider sind die Interviews jeweils sehr kurz ausgefallen und bieten auch keinerlei nennenswerte Hintergrundinformationen, die für den Zuschauer von Interesse sein könnten und somit absolut entbehrlich. Auch die B-Roll (6:45) bietet lediglich ein paar unkommentierte Szenen vom Dreh, die auch noch sehr unglücklich gewählt wurden, da es sich vornehmlich um unspektakuläre Dialogszenen handelt. Den Abschluss der Extras bildet der deutsche Originaltrailer zum Film. Leider kann der Bonusbereich überhaupt nicht überzeugen und in diesem Zusammenhang muss auch die Frage erlaubt sein, wieso beispielsweise der Audiokommentar oder die Deleted Scenes ausländischer Veröffentlichungen gestrichen wurden.

Fazit:
"Tattooist - Das Böse geht unter die Haut" ist ein schwacher Geisterfilm nach asiatischem Vorbild, der sich dabei oberflächlich der Tätowierkunst und samoanischer Folklore bedient, aber auch mit diesen Motiven keine besonderen Duftmarken setzen kann. Das liegt vor allem an der trägen, spannungsarmen Inszenierung ohne echte Schockmomente oder Effektspielereien sowie einem Hauptdarsteller, der sich mit Steven Seagal ein hartes Rennen um die ausdruckloseste Mimik liefert. Technisch ist die DVD sehr gut geworden, die Extras sind aber sehr enttäuschend ausgefallen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
87:25 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Interviews mit Jason Behr, Mia Blake, David Fane, Robbie Magasiva, Caroline Cheong, Regisseur Peter Burger, Produzent Robin Scholes und dem samoanischen Tätowierkünstler Tuifa' Asisina Soafaga Letelemaaana
  • B-Roll
  • Deutscher Originaltrailer
Tattooist - Das Böse geht unter die Haut - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Tattooist - Das Böse geht unter die Haut
The Tattooist

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Müder Geisterfilm, der vergeblich asiatischen Vorbildern nacheifert


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Neuseeland / Singapur, 2007
Regie:
Peter Burger
Drehbuch:
Matthew Grainger, Jonathan King
Darsteller:
Jason Behr, Mia Blake, David Fane, Robbie Magasiva, Caroline Cheong, Michael Hurst

Label Deutschland :
Bronson Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
08.08.2008