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DVD-Besprechung - Underground

Story:
In England hat sich ein neues Reality-TV-Konzept etabliert. Überall im Land an geheimgehaltenen Orten tragen zwölf Kämpfer Zweikämpfe ohne Regeln aus, deren letztendlicher Sieger 500.000 Pfund Preisgeld einstreicht. Die Kämpfe werden live im Internet übertragen. Im Hintergrund übernehmen sechs Sponsoren die 200.000 Pfund schwere Patenschaft für je zwei der Kämpfer und legen die Paarungen der Kämpfe fest. Auch der am Ende siegreiche Sponsor erhält 500.000 Pfund Siegprämie, während der Veranstalter ebenfalls eine erkleckliche "Bearbeitungsgebühr" einstreicht.

Meinung zum Film:
Regisseur Chee Keong Cheung wollte mit seinem Erstling "Underground" ein Kampfspektakel mit einem realistischen Härtegrad auf die Beine stellen, dass auf Sperenzchen wie CGIs oder Wire-Fu-Effekte komplett verzichtet. Bei der Rekrutierung der Darsteller setzte er weniger auf schauspielerisches Talent, als vielmehr auf einen einschlägigen Martial-Arts-Hintergrund. Produzent Mark Strange ("Displaced"), der auch eine Hauptrolle übernimmt, arbeitete vor der Kamera bereits mit Donnie Yen ("The Twins Effect") und Jackie Chan ("Das Medaillon"). Zusammen mit David Foreman, der z.B. bereits für die Kämpfe in "Batman Begins" verantwortlich zeichnete, war er hier außerdem als Stunt- und Fight-Coordinator tätig. Joey Ansah, hier als "Das Model" im Ring unterwegs, durfte bereits in "Das Bourne Ultimatum" als Attentäter Jagd auf Jason Bourne machen, während einige der Darsteller, z.B. Leon Sua oder Nathan Lewis (beide "Batman Begins"), ebenfalls einen Hintergrund als Stuntman größerer Hollywood-Produtkionen besitzen.

"Underground" ist in seiner Machart extrem minimalistisch, denn der Film bietet ein Maximum an harten, sehr professionell choreographierten Kämpfen mit einem Storyanteil, der gerade so groß geraten ist, wie es eben notwendig war, um diese Kämpfe auch in eine Storyline einzubinden. Der abgedroschene Reality-TV-Ansatz des Films, der mit dem vorhandenen, geringen Budget eh nicht glaubhaft zu realisieren gewesen wäre, wird glücklicherweise auch fast komplett ausgeblendet. Lediglich eingestreute Bilder von Überwachungskameras und S/W-Aufnahmen aus deren Perspektive sind die verbliebenen Relikte dieser nicht ernsthaft verfolgten Idee. Vielmehr erinnert "Underground" an ein Videospiel der "Street Fighter 2-Ära", jedoch im Umfeld illegaler Untergrundkämpfe, auch wenn diese im Film aus kommerziellen Gründen legalisiert wurden. Dementsprechend verläuft die Charakterisierung der Kämpfer sehr simpel, bereits ihre "Künstlernamen", wie z.B. "Der Polizist", "Der Heimatlose" oder "Der Triade" nehmen ihre optische Erscheinung vorweg. Hinzu kommt noch ihre Motivation zur Teilnahme an den Kämpfen, wie Geltungssucht, finanzielle Nöte der Familie, Wettschulden oder auch der Wunsch, den Gewinn gemeinnützig zu spenden.

Eine großartige Charakterentwicklung sollte man dann im weiteren Film auch nicht mehr erwarten. Ein wenig gepfeffert werden die Auseinandersetzungen der Kämpfer noch durch die Sponsoren, die sich ebenfalls untereinander im Wettstreit befinden, verschiedenste Motive verfolgen und außerdem die Kampfpaarungen durch gegenseitige Herausforderungen festlegen. Das Highlight des Films sind unbestritten die Kämpfe, die größtenteils in Lagerhallen oder Industriekomplexen, aber z.B. auch in einer Kirche oder einer Bar stattfinden, und später auch unter freiem Himmel ausgetragen werden. Bei den Kämpfen bemerkt man sofort, dass vor und hinter der Kamera Experten am Werk waren. Die Kämpfer glänzen durch unterschiedlichste Kampfstile wie Capoeira, Kung Fu, Kickboxen oder militärische Nahkampftechniken, gebieten über ein ansehnliches Repertoir unterschiedlichster Moves und müssen während der Kämpfe mächtig einstecken. Zwar verlaufen die Kämpfe, trotz des Verzichts auf Regeln, größtenteils sauber, die Kampfspuren sind aber stets deutlich sichtbar an den Gesichtern der Kämpfer abzulesen und mit Blut wird hier wahrlich nicht gespart. Die Kämpfe selbst sind sehr professionell geschnitten, die Kamera ist stets auf der Höhe des Geschehens und sie verdienen sich allesamt das Prädikat "Kurz aber knackig". Unüblich für dieses Genre sind übrigens die nicht vorhersehbaren Resultate der Kämpfe, der Gewinner steht hier keineswegs bereits durch die Charakterisierung der Opponenten fest und es gibt so manche Überraschung.   

Digitale Aufarbeitung:
Den Low-Budget-Hintergrund dieser Independent-Produktion sieht man ihr auch an. Das Bild wird von einem starken Rauschen begleitet und der Kontrast überstrahlt in einigen Szenen heftig. Die Farben sind eher zurückhalten und düster gewählt, was aber ein bewusstes Stilmittel darstellt. Die Schärfe bewegt sich in eher durchschnittlichen Gefilden und auch die Kompression macht sich hin und wieder bemerkbar. Schweigen ist bei diesem Film Gold, die wenigen Dialoge sind aber gut verständlich, allerdings wirkt die Synchronisation außer bei dem professionellen Erzähler aus dem Off, der fast schon zu dick aufträgt, teilweise ziemlich amateurhaft. Räumliche Effekte gibt es erwartungsgemäß vor allem bei den Fights, die dann akustisch auch sehr kraftvoll und lebendig herüberkommen.

Der Bonusbereich bietet zwei Trailer, fünf Teaser, zwölf relativ uninteressante Deleted Scenes (10:23) und eine Bildergalerie zum Film. Zudem erlaubt "Anatomie einer Kampfszene" (2:59) den Vergleich einer Kampfszene in der Entstehung mit dem integrierten Endergebnis im Film und das kurze, englische "Behind the Scenes"-Feature (8:10) gibt vor allem dem Produzenten Mark Strange und den Darstellern die Gelegenheit, sich kurz zum Film zu äußern.

Fazit:
"Underground" erreicht genau das, was sich die Verantwortlichen des Films vorgenommen haben, knallharte, realistisch anmutende und kompromisslose Action. Story und Charakterentwicklung sind extrem minimalistisch ausgefallen, bieten aber gerade soviel an Substanz, dass sie den Zuschauer von Kampf zu Kampf bei der Stange halten. Genrefans sollten auf jeden Fall zuschlagen, auch wenn die DVD qualitativ, bereits durch das Ausgangsmaterial bedingt, technisch limitiert daher kommt.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 18
1,78:1
1,78:1
87:14 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Zwei Trailer
  • Fünf Teaser
  • Zwölf Deleted Scenes
  • Anatomie einer Kampfszene
  • Behind the Scenes
  • Bildergalerie
Underground - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Underground
Underground

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Knallharte, gut choreographierte Kämpfe überspielen die Schwächen des simplen Drehbuchs


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien, 2007
Regie:
Chee Keong Cheung
Drehbuch:
Chee Keong Cheung, Oliver Morran
Darsteller:
Mark Strange, Nathan Lewis, Joey Ansah, Leon Sua, Glenn Salvage, Beau Fowler, Shane Steyn, Liang Yang, Zara Phythian, William Mickleburgh, Scott Houston, Chris Smith

Label Deutschland :
Sunfilm Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
26.09.2008