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DVD-Besprechung - Der verzauberte Eichenwald

Story:
Die sechsjährige Lizuca (Diana Musca) ist ein naturverbundes Mädchen mit viel Phantasie. Daher genießt sie es, bei ihren Großeltern im Wald zu leben und umherzustreifen. Als ihr Vater jedoch nach dem Tod ihrer Mutter wieder heiratet, will ihre neue Stiefmutter ein wohlerzogenes, vorzeigbares Kind aus ihr machen und verbietet im daher den Umgang mit den Großeltern. Außerdem überredet sie ihren Mann den Wald zu verkaufen, in dem auch die Großeltern leben. Lizuca, die regelmäßig für ihr Temperament und die daraus resultierenden Verfehlungen geschlagen wird, flieht daher mit ihrem Dackel von Zuhause und macht sich auf den Weg durch den Wald zu den Großeltern. Als sie jedoch in der Baumhöhle einer Weide rastet, findet sie sich plötzlich in einem Zauberwald wieder.

Meinung zum Film:
"Der Verzauberte Eichenwald" basiert auf einer Kurzgeschichte aus dem Sammelband "The Wonderful Grove" des auch international bekannten rumänischen Schriftstellers Mihail Sadoveanu. Die Verfilmung des rumänischen Regisseurs Gheorghe Naghi ("Der Sohn der Berge") wurde 1981 auf dem Children Movies Festival in Gijon ausgezeichnet und gewann im selben Jahr auf dem Moskauer Filmfestival den Preis als beste Literaturverfilmung.

"Der Verzauberte Eichenwald" richtet sich an ein sehr junges Publikum, das vom Altersschnitt her in etwa der Hauptdarstellerin entsprechen dürfte. Zentral betont der Film die hohe Wertigkeit von Respekt gegenüber der Natur und ihren Lebewesen sowie die große Bedeutung von (kindlicher) Phantasie im Allgemeinen und Märchen im Speziellen. Lizuca ist ein aufgewecktes junges Mädchen, dass sich gerne in der Natur aufhält und sich von Märchen inspirieren lässt. Sie ist auch durchaus gut erzogen und respektvoll gegenüber anderen Lebewesen, es mangelt ihr aber an gesellschaftlich geschliffenen Umgangsformen. Während ihr Vater ständig geschäftlich auf Reisen geht und ihre Mutter ein "Vorzeigepüppchen" aus ihr machen möchte, mit dem sie sich vor ihren gesellschaftlich hochrangigen Freundinnen produzieren kann, schenken ihr nur ihre Großeltern die Liebe und Aufmerksamkeit, die sie wirklich benötigt. Somit ist der Entschluss von Zuhause auszureißen für Lizuca der letzte Ausweg. Auch wenn der Film dadurch zunächst einen gewissen traurigen Hintergrund bekommt, ist er stimmungstechnisch stets positiv und unterschwellig auch humorvoll angelegt. Entsprechend der Zielgruppe besitzt der Film zwar eine simple Schwarz-Weiß-Trennung, wodurch "gut" und "böse" klar unterscheidbar dargestellt werden, selbst die schlechten Menschen sind aber in ihrer Darstellung so gewählt, dass sie nicht bereits durch ihre Optik jüngere Zuschauer erschrecken.

Während der Film in der ersten halben Stunde vor allem eindrucksvolle Bilder unberührter Natur und der friedlichen Co-Existenz von Mensch und Tier beschwört sowie die häusliche Situation von Lizuca schildert, beginnt der Fantasy-/Märchenteil erst nach gut einer halben Stunde. Das Mädchen schläft in einer Baumhöhle ein und erwacht in einer Märchenwelt, in der Realität und Fantasie miteinander verschmelzen, da z.B. ihre Stiefmutter hier als "Hexe des Waldes" firmiert. In dieser Märchenwelt erwachen Pflanzen und Tiere zu menschlichem Leben und können sprechen, außerdem gibt es dort Feen und Zauberer. Leider beschränkt sich diese Märchenwelt räumlich lediglich auf ein einziges Setting, dessen Studioherkunft unübersehbar ist. Überhaupt war das Budget offensichtlich stark beschränkt und der Film wirkt bezüglich der Kulissen und einfachen Kostüme eher wie eine Schüleraufführung. Mit hochwertigen DEFA-Märchenproduktionen oder Produktionen aus der früheren CSSR kann dieser Film in keinster Weise mithalten. Auch die Inszenierung ist insgesamt eher gemächlich ausgefallen, versteht es aber immerhin die positive Stimmung sowie einen gewissen Lerneffekt für die jungen Zuschauer zu transportieren. Ein Happy End inklusive der Bestrafung der bösen Menschen darf natürlich ebenfalls nicht fehlen.  

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität ist für einen weitgehend unbekannten osteuropäischen Film aus den 80er Jahren erstaunlich gut ausgefallen. Die Schärfe ist durchaus ansprechend und das Farbspektrum ist farbenfroh, auch wenn es ein wenig ausgewaschen wirkt. Mit gelegentlichen Verschmutzungen muß man allerdings ebenso leben, wie mit leichten Beschädigungen der Vorlage. Die deutsche Tonspur ist zwar gut verständlich, wirkt aber etwas schwach auf der Brust und ein wenig verzerrt. Ein leichtes Hintergrundrauschen ist ebenfalls allgegenwärtig. Die rumänische Tonspur ist leider nur für Muttersprachler eine Option, da keinerlei Untertitel mitgeliefert werden. Ansonsten klingt sie etwas kräftiger, allerdings auch noch ein wenig verzerrter. Das Hintergrundrauschen ist ebenfalls vorhanden.

Auf der DVD befinden sich keinerlei Extras.  

Fazit:
"Der Verzauberte Eichenwald" ist für sehr junge Semester ein ansprechender, fantasievoller Film mit simpler, leicht nachzuvollziehender Aussage, der die Bedeutung der Natur und der menschlichen Phantasie betont. Für ältere Märchenfreunde ist der Film aber eindeutig zu eindimensional ausgefallen und enttäuscht hinsichtlich der simplen Kulissen und unspektakulären Kostüme auch ein wenig. Die DVD ist technisch zufriedenstellend ausgefallen, zumal sie zu einem sehr günstigen Preis angeboten wird.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
1,33:1
1,33:1
74:40 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Rumänisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • -
Der verzauberte Eichenwald - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Der Verzauberte Eichenwald
Dumbrava minunata

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Osteuropäischer Märchenfilm für junge Semester mit stark eingeschränktem Budget


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Rumänien, 1980
Regie:
Gheorghe Naghi
Drehbuch:
Draga Olteanu Matei (basierend auf einer Geschichte von Mihail Sadoveanu)
Darsteller:
Diana Musca, Ernest Maftei, Elena Dragoi, Florina Cercel, Matei Alexandru, Draga Olteanu Maltei

Label Deutschland :
MiG Film
Verkaufsstart Deutschland :
15.08.2008