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DVD-Besprechung - Der Mann ohne Gedächtnis
Story:
Nach dem spurlosen Verschwinden ihres Mannes Ted (Luc Meranda) lebt Sara (Senta Berger) in einem kleinen Dorf in Italien. Eines Tages bekommt sie jedoch ein Schreiben, dass sie ihren Mann an der örtlichen Bahnstation abholen soll. Ted wurde ebenfalls in einem Brief angewiesen, sich in den Zug zu setzen und zu seiner Frau zu fahren. Er selbst kann sich allerdings an nichts mehr erinnern, seine gesamte Vergangenheit ist für ihn nicht mehr als ein schwarzes Loch. Doch schon bald wird seiner Erinnerung auf die Sprünge geholfen – offensichtlich ist er der Kopf hinter einem Millionen-Verbrechen und nur er weiß, wo das Geld versteckt ist.
Meinung zum Film:
Regisseur Duccio Tessari gehört sicherlich zu den bekannteren Drehleitern bei den Anhängern des Italo-Kinos. Fans des Italo-Westerns schenkte er Filme wie „Eine Pistole für Ringo“, während er Giallo-Freunden mit Werken wie „Blutspur im Park“ zu unterhalten wusste. „Der Mann ohne Gedächtnis“ ist ganz sicher ebenfalls ein Highlight aus der Schaffensphase von Tessari, das durchweg ohne Längen und vor allem mit guten Darstellern zu gefallen weiß. Hauptdarstellerin in dem Film ist Senta Berger, die 7 Jahre zuvor in „Mit teuflischen Grüßen“ schon einmal einen Ehemann mit Gedächtnisverlauf zu betreuen hatte. Ihr erinnerungsloser Ehemann ist diesmal der Franzose Luc Merenda, der in den 70er-Jahren vor allem ein gern gesehener Gast im Poliziescho war, wo er als harter Ermittler den bösen Buben Paroli bot. Der dritte Hauptdarsteller im Bunde, Umberto Orsini war nur begrenzt in Genre-Produktionen zu sehen, hat aber unter anderem mit seinem Auftritt in Sergio Sollimas „Brutale Stadt“ durchaus Referenzen zu bieten. In einer Nebenrolle ist noch Anita Strindberg zu sehen, die in einigen sehr beliebten Gialli wie z.B. Fulcis „Lizard in a Woman's Skin“ zu sehen war.
Beim Giallo ist es in Regel so, dass das „Style over Story“-Prinzip gilt, also die stilistische Ausarbeitung wichtiger ist als die Geschichte. In den Filmen macht sich dies oft dahingehend bemerkbar, dass nicht nachvollziehbare Wendungen oder vollkommen an den Haaren herbeigezogene Auflösungen präsentiert werden. In diesem Punkt unterscheidet sich „Der Mann ohne Gedächtnis“ erfreulicherweise von der üblichen Genrekost. Von Anfang bis zum Ende hat man als Zuschauer nie das Gefühl, dass wesentliche Fakten konstruiert werden, bzw. dass Entwicklungen geschehen, die nicht mit dem bisherigen Plot vereinbar sind. Wenn überhaupt, dann kann dem Film das Gegenteil nachgesagt werden, da Genre-Kenner sicherlich schon recht früh ahnen werden, wie der immer wieder angesprochene Schmuggel durchgeführt wurde und wer der mysteriöse dritte Mann im Bunde ist. Der Spannung an sich tut dies jedoch keinen Abbruch, die Krimihandlung bietet hinreichend Abwechslung und Tempo, um ohne jede Länge bis zum Ende durch zu kommen.
Optisch hat der Film ebenfalls einiges zu bieten. Duccio Tessari ist immer wieder um die perfekte Einstellung bemüht. Er spielt ausgiebig mit dem Blickwinkel auf das Geschehen, der immer wieder wechselt zwischen einem entfernten Blick aus der Totalen und einem Close Up einzelner Gesichtspartien. Teilweise wird dabei die Schraube allerdings immer mal wieder überdreht und die Spielereien wirken aufgezwungen und störend. So zum Beispiel gleich zu Beginn, wenn einem Ganoven genau auf den Mund geschaut wird. Sind diese unpassenden Einstellungen zu Beginn noch häufiger zu sehen, lassen sie im späteren Verlauf deutlich nach. Als äußerst gelungen können auch die teils herrliche Landschaftsaufnahmen angesehen werden, die zusammen mit dem eingängigen Soundtrack von Gianni Ferrio („Blutspur im Park“) eine atmosphärische Stimmung erzeugen. Für Giallo-Freunde ist der Film sicherlich ein kleines Fest, aber auch allgemeine Krimifreunde werden hier auf ihre Kosten kommen und es sicherlich nicht bereuen, die DVD in den Player gelegt zu haben.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild macht einen sehr guten Eindruck und dürfte bereits das bestmögliche Ergebnis darstellen, das aus dem betagten Material rauszuholen ist. Der deutsche Ton in Dolby Digital 2.0 ist durchweg gut zu verstehen, allerdings gibt es teilweise leichte Verzerrungen in den Höhen zu hören.
Als Extra gibt es ein eigens durch Koch Media produziertes Interview mit Hauptdarsteller Luc Merenda, der seine Erinnerung an den Dreh und die damalige Zeit zum Besten gibt. Ebenfalls zu finden sind auf der DVD noch der englische Trailer und eine Bildergalerie. In der DVD-Box, die im gleichen Format wie „Der Killer von Wien“ erscheint, gibt es noch ein Booklet mit einem Text von Christian Kessler, das ein paar Hintergrundinformationen zum Film enthält.
Fazit:
Giallo-Freunde werden ihre große Freude an „Der Mann ohne Gedächtnis“ haben. Doch selbst wer ansonsten keinen großen Gefallen an dem Genre hat und einfach nur einen guten Krimi aus den 70er-Jahren sehen möchte, ist bei diesem wirklich gut gelungenen Genre-Beitrag bestens aufgehoben.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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87:49 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 | Italienisch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Featurette: Labyrinthus
- Englischer Trailer
- Bildergalerie
- Booklet
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Der Mann ohne Gedächtnis
L'uomo senza memoria
Ein gelungener Giallo, der auch Krimifreunde bestens unterhalten dürfte
Autor der Besprechung:
Michael Tomiak
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Italien, 1974 Regie: Duccio Tessari Drehbuch: Ernesto Gastaldi, Duccio Tessari, Bruno di Geronimo Darsteller: Senta Berger, Luc Merenda, Umberto Orsini, Bruno Corazzari, Duilio Cruciani, Anita Strindberg, Rosario Borelli
Label :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart : 29.08.2008
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