 |
DVD-Besprechung - Die Kammer der toten Kinder
Story:
Lucie Hennebelle (Mélanie Laurent) ist frisch bei der Mordkommission. Gleich bei ihrem ersten Fall bekommt sie es mit einem Killer zu tun, der ein von ihm getötetes Kind wie eine Puppe hergerichtet hat. Während ihr noch nicht alle Kollegen zutrauen, wirklich eine Unterstützung bei der Suche nach dem Mörder zu sein, trägt sie durch ihre Beobachtungen immer mehr dazu bei, ein immer deutlicheres Täterprofil zu erstellen. Kurzfristige Erfolge sind für die Ermittler von großer Bedeutung, da der Täter zwischenzeitlich ein weiteres Mädchen in seiner Gewalt hat, das ohne ihre Medizin nur noch wenige Stunden zu leben hat.
Meinung zum Film:
„Die Kammer der toten Kinder“ ist die von Charles Gassot ("Tante Daniele") produzierte, erste Regiearbeit von Alfred Lot, der zuvor als Produktionsmanager („Der Transporter“) und Second Unit Regisseur („Kiss of the Dragon“) Erfahrungen am Set sammeln konnte. Für sein erstes Regiewerk suchte er sich einen Roman von Franck Thilliez („Im Zeichen des Blutes“) als Grundlage aus, den er dann selbst zu einem Drehbuch verarbeitete. Insgesamt sind das sicherlich genügend Erstarbeiten um Sorgen beim Zuschauer aufkommen zu lassen, dass Lot sich hier ein bisschen zu viel auf einmal zugemutet hat. Doch schon kurz nach den ersten Minuten sind diese Sorgen wie verflogen und die intelligent gesponnene Geschichte entwickelt sich ohne jede Länge von Anfang bis Ende zur Killerjagd, die in einem spannenden Finale endet. Ab und an kommt zwar das Gefühl auf, dass Stellen aus dem Buch entweder gestrafft oder nicht hinreichend erklärt werden, was aber nie den Eindruck hinterlässt, dass einzelne Momente aus dem Hut gezaubert oder unlogisch erscheinen.
Die Geschichte ist gut konstruiert und weiß schon gleich zu Beginn zu fesseln. Nach dem Rückblick in das Schicksal eines Kindes werden erst einmal 2 Freunde gezeigt, die bei einer nächtlichen Raserei einen Mann überfahren, der 2 Millionen Euro bei sich trug. Sie nehmen das Geld an sich und lassen die Leiche verschwinden ohne dabei zu ahnen, dass es sich bei dem Geld um das Lösegeld für die 12-jährige Tochter des überfahrenen Vaters handelt und sie bei dem Unfall von dem Killer beobachtet wurden. Von hier an entwickelt sich die Geschichte in 2 Richtungen. Zum Einen wird der Weg der beiden Freunde betrachtet, die auf verschiedene Art mit der Situation umgehen und deren Weg sich immer wieder in unterschiedliche Richtungen bewegt, bis es zu einer dramatischen Wendung kommt. Der andere Weg ist die Suche nach dem Killer, der ein Mädchen in seiner Gewalt hat, das wegen seiner Diabeteserkrankung auch ohne Zutun des Killers nur noch begrenzte Zeit zu leben hat. Die beiden Erzählstränge laufen sehr gekonnt inszeniert lange Zeit parallel, haben dabei aber immer wieder Berührungspunkte und enden am Ende harmonisch im Finale.
Sehr zum Wohl des Films ist auch die Leistung von Hauptdarstellerin Mélanie Laurent („Keine Sorge mir geht's gut“) und der Art, in der ihre Rolle angelegt ist. Durch ihre höchst sympathische Art und der sehr menschlichen Zeichnung der Lucie, hat sie sehr schnell sämtliche Sympathien des Publikums gewonnen. Ihre Unsicherheit im neuen Job, in dem sie immer wieder zu spüren bekommt, dass sie nicht von allen ganz ernst genommen wird, kann man als Zuschauer genauso leicht annehmen wie ihre Starke Seite, die sie dazu bringt unabdingbar an den Fall zu denken und zu versuchen, das kleine Mädchen zu retten, bevor es sterben muss. Regisseur Alfred Lot hat es geschafft, um Lucie herum eine lebendig wirkende Welt entstehen zu lassen, die den Zuschauer komplett in ihren Bann zieht. Die natürlichen Charaktere, die nicht allzu abwegigen Handlungen und ein temporeicher und ereignisreicher Plot lassen, die knapp 2 Stunden wie im Fluge vergehen und die ansprechenden, nie auf Effekthascherei ausgelegten Bilder runden ein absolut empfehlenswertes Thrillerkino ab. Fans des Genres sollten sich dieses Vergnügen keinesfalls entgehen lassen.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild fällt teils sehr grobkörnig aus, was aber in erster Linie am Material gelegen sein dürfte, auf dem gedreht wurde. Davon einmal abgesehen kann es überzeugen. Der deutsche Ton in Dolby Digital 5.1 ist durchweg gut zu verstehen und auch von den hinteren Lautsprechern wird vereinzelt Gebrauch gemacht, meist durch den Soundtrack.
Das knapp halbstündige Making Of ist sehr interessant gelungen. Der Romanautor, der Regisseur und die Darsteller analysieren hierin unter anderem die Geschichte und die Änderungen zwischen Buch und Film und erzählen auch einiges über die Hintergründe bei der Entstehung. Ein zweites Feature widmet sich über rund 8 Minuten Hauptdarstellerin Mélanie Laurent, in dem die Nachwuchsschauspielerin vor allem durch ihre heitere Art zu bezaubern weiß.
Fazit:
„Die Kammer der toten Kinder“ ist ein erstklassiger Thriller, der sowohl von den natürlichen Charakteren, dem gut verflochtenen Plot und der gelungenen Inszenierung profitiert. Thriller-Fans erwartet hier knapp 2 Stunden perfekte Spannungskost, die sie sich nicht entgehen lassen sollte.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
2,35:1
|
112:49 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 5.1 | Französisch Dolby Digital 5.1 |
|
Untertitel:
|
|
Deutsch |
|
Bonusmaterial:
|
- Making Of
- Das Lachen der Mélanie Laurent
- Trailer
|
|  |
Die Kammer der toten Kinder
La chambre des morts
Ein fesselnder Krimi mit authentischen Helden
Autor der Besprechung:
Michael Tomiak
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich, 2007 Regie: Alfred Lot Drehbuch: Alfred Lot (basierend auf dem Roman von Franck Thilliez) Darsteller: Mélanie Laurent, Eric Caravaca, Gilles Lellouche, Jonathan Zaccaï, Céline Sallette, Laurence Côte, Jean-François Stévenin, Nathalie Richard, Stéphane Jobert, Antoine Oppenheim, Alexandre Carrière
Label :
Sony Pictures Home Entertainment
Verkaufsstart : 09.10.2008
|