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DVD-Besprechung - Im Land der langen Schatten
Story:
Der Eskimo Inuk (Anthony Quinn) ist ein hervorragender Jäger, tritt jedoch in seiner Familienplanung auf der Stelle, da in der Nähe des Nordpols nur eine sehr begrenzte Zahl von Frauen lebt. Und als er endlich seine vermeintliche, zukünftige Frau gefunden hat, schnappt sie ihm ausgerechnet ein anderer weg. Bei der Verfolgung des "Frauenräubers" kommt er jedoch der Schwester seiner Auserwählten, Asiak (Yoko Tani), immer näher und entscheidet sich schließlich für sie. Auf ihrer ersten gemeinsamen Jagd auf einen Eisbären erlebt Inuk dann eine Demonstration der Macht eines Gewehrs. Fortan ist er von dem Gedanken besessen, selbst ein Gewehr zu besitzen und macht sich auf die Reise zum Handelsposten der Weißen, um Felle dafür einzutauschen.
Meinung zum Film:
"Im Land der langen Schatten" liegt mit dieser DVD in Deutschland erstmals ungekürzt vor. Zwei weggefallene Passagen wurden im Originalton beibehalten und mit deutschen Untertiteln versehen. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman des Schweizer Autoren Hans Ruesch aus dem Jahr 1958, der auch am Drehbuch beteiligt war. Die Regie übernahm der Amerikaner Nicholas Ray ("...denn sie wissen nicht, was sie tun"). Im Jahr 1960 wurden er und sein Assistent aufgrund dieser Arbeit in Cannes für die Goldene Palme nominiert. Die Hauptrolle übernahm mit Anthony Quinn ("Alexis Sorbas") ein verdienter Charakterdarsteller, der auch durch sein exotisches Aussehen eine gute Wahl darstellte. An seiner Seite spielt die japanisch-stämmige Französin Yoko Tani ("Der Schweigende Stern") die weibliche Hauptrolle, während Peter O'Toole ("Lawrence von Arabien") erst nach 80 Minuten in die Handlung eingeführt wird und dementsprechend wenig Spielzeit erhält.
"Im Land der langen Schatten" beschäftigt sich mit dem Zusammenstoß zweier Kulturen, einerseits den naturverbundenen Eskimos und andererseits dem "Weißen Mann", der in ein Land eindringt, dessen Regeln er nicht versteht. Der Stil des Films ist dabei semi-dokumentarisch und nimmt die Perspektive der Ureinwohner ein, die er bei ihrem täglichen Überlebenskampf begleitet und dem Zuschauer dabei ihre Riten und Bräuche, bzw. allgemein ihren kulturellen Hintergrund, näherbringt. Der Film kommt dabei keineswegs rührselig-verklärt daher. Die Eskimos sehen sich mit einer unbarmherzigen Natur konfrontiert, die harte Regeln erfordern. Der Film stellt keine Idealisierung dieser Lebensweise dar, sondern vermittelt deren durch die äußeren Umstände geprägte Notwendigkeit. So wird zum Beispiel Asiaks Mutter zurückgelassen, weil ihr Tod nahe ist und sie die anderen Familienmitglieder nur noch belasten würde. In einer anderen Szene erklärt sie ihrer schwangeren Tochter, dass ihr Erstgeborenes zwingend ein Junge sein müsse, da dieser die Familie später zu ernähren habe. Die Konsequenz wäre die Tötung des Kindes bei der Geburt einer Tochter.
Letztendlich ist der semi-dokumentarische Ansatz sowohl die Stärke als auch die Schwäche des Films. Dieser bietet beeindruckend fotografierte Naturaufnahmen und wirkt sehr authentisch. Die Ereignisse bilden aber häufig eher einen Rahmen, als eine wirkliche Handlung und wirken somit eher wie erläuternde Episoden. Letztendlich konzentriert sich der Film aber auf den Zusammenstoß der Kulturen, der den "Weißen Mann" nicht gerade in ein sehr freundliches Licht rückt. Neben dem ernsten Unterton und der gegen Ende dramatischen Zuspitzung der Ereignisse bietet der Film aber auch humorvolle Sequenzen, beispielsweise als die Eskimos im Handelsposten zum ersten Mal mit einem Radio in Kontakt kommen und zu Rock`n`Roll-Klängen das Tanzbein schwingen. Insgesamt überwiegen aber klar die kulturellen Mißverständnisse mit negativen Folgen. So muss Inuk miterleben, dass er von den Weißen gejagt wird, obwohl er keines der Gesetze seines Volkes gebrochen hat. In der von Peter O' Toole verkörperten Figur eines seiner Jäger klingen aber auch versöhnliche, völkerverständende Klänge an, die vor allem an die Aufgeschlossenheit der eigenen Perspektive appellieren und die westlichen Maßstäbe als blinde Richtschnur in Frage stellen.
Digitale Aufarbeitung:
Die DVD präsentiert den Film anamorph im korrekten Bildformat 2,35:1. Die Bildschärfe der DVD ist eher durchschnittlich ausgefallen und wird von einem deutlichen Rauschen begleitet. Die Farbgebung wirkt zurückgenommen aber durchaus natürlich, der Kontrast ist ebenfalls relativ ausgewogen. Beschädigungen oder Verschmutzungen des Ausgangsmaterials sind nur selten auszumachen und fallen nicht ins Gewicht. Die deutsche Tonspur bietet eine gute Verständlichkeit, lediglich in ruhigeren Szenen ist ein leichtes Hintergrundrauschen hörbar. Die englische Tonspur ist ebenfalls gut verständlich, klingt aber deutlich unnatürlicher.
Die einzigen Extras auf der DVD sind der deutsche Vorspann (2:15) und eine Bildergalerie mit Werbematerial.
Fazit:
"Im Land der langen Schatten" ist ein interessanter, lehrreicher Film über den Zusammenstoss der Kulturen, der jedoch auf Idealisierung und Rührseligkeit verzichtet und dadurch an Authentizität gewinnt. Die eingeschlagene Perspektive bietet dabei interessante Einblicke in das Leben der Ureinwohner mit ansprechenden Naturaufnahmen und überzeugenden Darstellern. Die Qualität der DVD ist zufriedenstellend, ohne großartig zu glänzen.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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108:39 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 1.0 | Englisch Dolby Digital 1.0 |
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Untertitel:
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Keine Untertitel vorhanden. |
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Bonusmaterial:
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- Deutscher Vorspann
- Bildergalerie
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Im Land der langen Schatten
The Savage Innocents
Der Zusammenstoß der Kulturen aus der authentisch wirkenden Perspektive einer Eskimo-Familie
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich / Großbritannien / Italien, 1960 Regie: Nicholas Ray Drehbuch: Nicholas Ray, Franco Solinas, Hans Ruesch (basierend auf einem Roman von Hans Ruesch) Darsteller: Anthony Quinn, Yoko Tani, Peter O'Toole, Andy Ho, Francis De Wolff, Marie Yang
Label :
WGF Verkaufsstart : 21.08.2008
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