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DVD-Besprechung - Drachenläufer
Story:
Amir (Zekeria Ebrahimi) und Hassan (Ahmad Khan Mahmoodzada) wachsen in den 70er-Jahren in Afghanistan auf und sind die besten Freunde. Amirs Vater Baba (Homayoun Ershadi) ist ein reicher, geachteter Paschtune, Hassans Vater ist hingegen dessen Diener und ein Hazara. Eines Tages läßt Amir Hassan im Stich, als dieser übel misshandelt wird. Amir kann aufgrund seiner Schuldgefühle Hassans Anwesenheit nicht länger ertragen und es gelingt ihm, Hassan aus dem Haus zu vertreiben. Mit dem Einmarsch der Sowjets sind Amir und sein Vater gezwungen, in die USA zu fliehen. Dort gelingt es Amir (Khalid Abdalla) endlich, seinen Traum zu erfüllen und Geschichtenerzähler zu werden. Ein aufrüttelnder Anruf lockt ihn aber schließlich in seine alte Heimat zurück.
Meinung zum Film:
"Drachenläufer" basiert auf dem gleichnamigen Roman des afghanisch-amerikanischen Schriftstellers Khaled Hosseini aus dem Jahr 2003, wobei dessen Hauptfigur Amir auch autobiographische Züge trägt. Dieser Debütroman avancierte zum Bestseller, erschien in 38 Ländern und verkaufte sich bisher insgesamt rund acht Millionen Mal. Adaptiert wurde das Drehbuch von dem Amerikaner David Benioff, der bisher vor allem durch sein Drehbuch zu "Troja" von Wolfgang Petersen bekannt wurde und bei "Stay" bereits mit Regisseur Marc Forster ("Schräger als Fiktion") zusammenarbeitete. Der Wahlschweizer Forster drehte zuvor u.a. das semi-fiktionale Drama "Wenn Träume fliegen lernen" mit Johnny Depp und Kate Winslet in den Hauptrollen, das für sieben Oscars und fünf Golden Globes nominiert wurde. Momentan führt er Regie bei dem neuesten James-Bond-Abenteuer "Ein Quantum Trost" mit Daniel Craig.
"Drachenläufer" ist ein biographisch angelegtes Drama aus der Perspektive der Titelfigur Amir. Zentrale Themen des Films sind Freundschaft, bedingungslose Liebe, Schuld und Erlösung. Der Film legt ein sehr ruhiges Erzähltempo an den Tag und ist stark poetisch und emotional angelegt. Während die Kinderdarsteller von Amir und Hassan grundsätzlich sehr natürlich wirken, leidet deren Authentizität ein wenig unter ihren weisen, unkindlichen Dialogen. Der Film selbst leidet darunter, dass es für den Zuschauer schwierig ist, zu dem Antihelden Amir, der sich durch sein schäbiges Verhalten selbst in diese Rolle drängt, eine emotionale Bindung einzugehen. Es bleibt immer eine Distanz, die dann besonders im biographischen Teil, der komplett in den USA spielt, deutlich hervortritt. Der Film verfügt über eine sehr ansprechende Optik, professionelle Kameraarbeit, überzeugende Darsteller, bei denen der Iraner Homayoun Ershadi ("Der Geschmack der Kirche") klar herausragt, und transportiert eine gute Absicht, nämlich ein freundlicheres, aufgeschlosseneres Gegenbild von Afghanistan zu erzeugen, das im Westen in letzter Zeit vor allem als trümmerübersätes Schlachtfeld wahrgenommen wird.
Leider verfügt der Film bei aller Poesie und metapherngeschwängerten Bildlichkeit auch über unübersehbare Schwächen. Zunächst ist an dieser Stelle die Illusion von einem zutiefst afghanischen Film zu zerstören. Die Figur des Amir wächst in einer sehr liberalen, pro-westlichen Umgebung auf, sein Vater "pisst auf die Mullahs" und der Fluchtweg führt logischerweise in die USA und eben nicht in eines der islamisch geprägten Nachbarländer. Auch der Autor der Buchvorlage, Khaled Hosseini, der Sohn eines Diplomaten, verfügt über eine ähnliche Biographie und lebte die meiste Zeit in Frankreich oder den USA. Bei den wichtigsten Produktionsverantwortlichen dieses amerikanischen Films findet sich ebenfalls kein einziger Vertreter aus Afghanistan. Die vermeintlich afghanischen Drehorte lagen in China und der Hauptdarsteller ist ein Ägypter. Dementsprechend dominiert auch beim Blick auf die Geschichte und Gesellschaft des Landes eine eher westliche, liberale Perspektive. Fundiertes Hintergrundmaterial zu gesellschaftlichen oder politischen Umwälzungen des Landes sucht man vergebens, während Sozialkritik meist an der Oberfläche verbleibt und dem Effekt geopfert wird. Bei dem Filmende handelt es sich schließlich um übelsten Hollywood-Kitsch.
Digitale Aufarbeitung:
Die DVD bietet eine gute Bildschärfe, prächtige Farben und einen ausgewogenen Kontrast. Ansonsten sind neben einem minimalen Rauschen lediglich seltene leichte Doppelkonturen auszumachen. Die Tonspuren überzeugen zu jeder Zeit mit guter Verständlichkeit, einem kraftvollen Soundtrack und bieten außerdem gelungene Raumklangeffekte z.B. im Rahmen der Drachenwettkämpfe.
Auf der DVD befindet sich ein ausführlicher Audiokommentar mit Regisseur Marc Forster, dem Autor Khaled Hosseini und Drehbuchautor David Benioff, wahlweise auch mit deutschen Untertiteln. Er bietet einige interessante Hintergrundinformationen und wird engagiert vorgetragen, lediglich Forsters überschwengliches Vokabular wirkt ein wenig übertrieben. "Dialoge von: Drachenläufer" (14:27) gibt Autor Khaled Hosseini ausführlich die Gelegenheit, sich zu seiner Biographie, dem Roman und zum Film zu äußern. Die Umsetzung des Buches ist ebenso ein Thema wie die Metaphern des Films. "Bilder aus: Drachenläufer" (24:41) ist quasi eine Art Making Of, bietet Bilder von den Dreharbeiten und setzt sich u.a. mit der Besetzung der Hauptrollen oder der Wahl des Drehorts auseinander. Die "Öffentliche Bekanntmachung von Khaled Hosseini" (1:19) ist eine kurze Filmeinleitung und zudem ein Spendenaufruf zu Gunsten des zerstörten Afghanistans.
Fazit:
"Drachenläufer" überzeugt mit seiner ausdrucksstarken Bildsprache und seiner idealistisch-poetischen Herangehensweise, die ihm auch einen gewissen Tiefgang verleiht, sowie starken darstellerischen Leistungen. Die emotionale Bindung zum Hauptcharakter gelingt jedoch nicht wirklich, der Film ist zu langatmig inszeniert, bietet zuwenig landesspezifische Hintergrundinformationen und ist außerdem offensichtlich stark westlich geprägt, was der Authentizität des Films schadet und in ein überflüssiges Kitsch-Ende mündet.Technisch ist die DVD sehr gelungen und bietet interessantes sowie ausführliches Bonusmaterial.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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122:40 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 | Türkisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch, Englisch, Türkisch |
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Bonusmaterial:
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- Audiokommentar mit Regisseur Marc Forster, Autor Khaled Hosseini und Drehbuchautor David Benioff
- "Dialoge von: Drachenläufer"
- "Bilder aus: Drachenläufer"
- Öffentliche Bekanntmachung von Khaled Hosseini
- Original Kinotrailer
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Drachenläufer
The Kite Runner
Ein optisch ansprechendes Drama über Schuld und Sühne mit unübersehbaren Schwächen
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2007 Regie: Marc Forster Drehbuch: David Benioff (basierend auf einem Roman von Khaled Hosseini) Darsteller: Khalid Abdalla, Atossa Leoni, Shaun Toub, Homayoun Ershadi, Zekeria Ebrahimi, Ahmad Khan Mahmoodzada
Label :
Paramount Home Entertainment
Verkaufsstart : 18.09.2008
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