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DVD-Besprechung - Das Geheimnis der drei Dschunken

Story:
Der US-Geheimagent Michael Scott (Stewart Granger) soll einen Fall in Hongkong übernehmen, bei dem einer seiner Kollegen und dessen Helferin ums Leben gekommen sind. Offensichtlich operiert dort ein Schmugglerring, der elektronische Hochtechnologie für Atomraketen nach China schmuggelt. Bei seinem Auftrag wird Scott von der Agentin Carol Eden (Rosanna Schiaffino) unterstützt, die undercover in das verdächtige Transportunternehmen eingeschleust wird. Allerdings gibt es in Scotts Organisation offensichtlich eine undichte Stelle, da bereits kurz nach seiner Ankunft der erste Anschlag auf ihn verübt wird, während er versucht den geheimnisvollen Drahtzieher zu enttarnen.

Meinung zum Film:
"Das Geheimnis der drei Dschunken" basiert auf dem Roman "La rivière des trois jonques" von Georges Godefroy. Der Produktionsleiter dieses Films war Wolf C. Hartwig ("Der Schwarze Panther von Ratana"), einer der erfolgreichsten deutschen Produzenten, der u.a. auch für "Steiner - Das Eiserne Kreuz" und sämtliche Teile des "Schulmädchen-Reports" verantwortlich war. Der Regisseur war Ernst Hofbauer ("Die Jungen Tiger von Hongkong"), der auch bei fast allen "Schulmädchen-Report"-Filmen und einigen von deren Derivaten Regie führte. Der Film ist ein Vertreter des besonders in den 60er-Jahren extrem populären Eurospy-Genres, das durch den großen Erfolg der James-Bond-Filme begründet wurde.

Die Hauptrolle in "Das Geheimnis der drei Dschunken" übernahm mit Stewart Granger ("Scaramouche - Der galante Marquis") wie so oft ein einstiger Hollywoodstar, dessen Ruhm aber leider schon längst verblasst war, und der sich daher mit Produktionen in Europa über Wasser hielt, um somit eine zweite Karriere zu starten. Weitere prominente Gesichter in dieser Produktion sind Rosanna Schiaffino ("Raubzug der Wikinger"), Harald Juhnke ("Das Testament des Dr. Mabuse") sowie Horst Frank ("Die Flußpiraten vom Mississippi"), der hier mal wieder als Fiesling brillieren darf. Wie nicht anders zu erwarten, bedient sich der Film einer exotischen Kulisse, hier Hongkongs, um den Reiz der fernen, weiten Welt auf die Leinwand zu holen. Der Geheimagent, den Stewart Granger hier verkörpert, ist wie das große amerikanische Vorbild mit allen Wassern gewaschen, stets Herr der Lage und die Frauen schmelzen angesichts seines Anblicks nur so dahin.

Leider bietet der Film nahezu keinerlei Spannungsaufbau und bewegt sich vorhersehbar auf selbst zu dieser Zeit längst ausgetretenen Genre-Pfaden. Was man im Film leider auch fast völlig vergeblich sucht, sind einfallsreiche, genre-typische Agenten-Gadgets, zwei Transistor-Uhren als ständige Funkverbindung zwischen Michael und Carol sind hier bereits das Höchste der Gefühle. Die Regie und Kameraarbeit ist hingegen recht professionell ausgefallen, der Trash-Faktor, der bei diesen Filmen oft zum Amüsement beiträgt, geht hier daher gegen Null. Auch die Actionszenen innerhalb der eher vor sich hinplätschernden Story nach Schema F sind eher rar gesät und auch deutlich zu kurz ausgefallen. Stewart Granger spielt den Helden zwar routiniert, aber wenig mitreißend.

Digitale Aufarbeitung:
Die aufwendige Restauration und Rekonstruktion des Films hat sich offensichtlich gelohnt. Das Bild im Originalformat 2,40:1 verfügt über eine gute Schärfe und bietet einige Details, während Verschmutzungen oder Beschädigungen so selten sind, dass sie kaum ins Gewicht fallen. Ein leichtes Rauschen begleitet den Film, das einzige wirkliche Manko ist allerdings der extrem steile Kontrast. Helle Flächen überstrahlen stark und schwarze, bzw. sehr dunkle Flächen verfügen über so gut wie keine Details oder Konturen mehr. Die Farben wirken zwar nicht immer ganz natürlich, sind aber dafür sehr kräftig ausgefallen. Insgesamt ist das Endergebnis für einen über 40 Jahre alten Film, und angesichts der schwierigen Materiallage, mehr als überzeugend ausgefallen. Die deutsche Tonspur klingt klar und gut verständlich. Die Abmischung von Dialogen und Musikuntermalung ist ebenfalls sehr ausgewogen. Somit bietet auch die Tonspur keinen echten Anlass zur Kritik.

Die DVD befindet sich in einem ansprechend gestalteten Pappschuber. Außerdem liegt der DVD ein 12-seitiges Booklet in Form einer Repro des zeitgenössischen Filmprogrammhefts "Illustrierter Film-Kurier" bei. Auf der DVD befindet sich eine Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, der Originaltrailer zum Film sowie Informationsmaterial "Über die Restauration" im Umfang von sieben Bildschirmseiten. Außerdem enthält die DVD das letzte Interview mit Horst Frank aus dem Jahr 1999 (37:10), das für Anhängers des Schauspielers einen echten Mehrwert darstellt, auch wenn es ursprünglich nicht zur Veröffentlichung vorgesehen war und deshalb nur in verminderter Bild- und Tonqualität vorliegt. In diesem sowohl informativen als auch unterhaltsamen Interview plaudert Horst Frank aus dem Nähkästchen und offeriert so manche amüsante Anekdote. Schwerpunktmäßig geht es hier um seine Erlebnisse bei den Dreharbeiten zu Produktionen wie "Der Fluch des schwarzen Rubins" sowie seine Erfahrungen mit diversen Kollegen aus dem Filmbusiness, wie Wolf C. Hartwig oder auch Klaus Kinski. Das Thema des eigentlichen Hauptfilms wird allerdings nur mit wenigen Zeilen bedacht.

Fazit:
Für die DVD-Fassung von "Das Geheimnis der drei Dschunken" wurde ein immenser technischer und zeitlicher Aufwand betrieben, der sich qualitativ deutlich sichtbar niederschlägt. Leider steht der gelungenen technischen Präsentation aber ein sehr durchschnittlicher Vertreter des Eurospy-Genres gegenüber. Der Film ist zwar handwerklich durchaus gefällig ausgefallen, kommt aber gerade auf inhaltlicher Ebene sehr vorhersehbar und weitgehend spannungsfrei daher. Innovationen sucht man ebenfalls vergeblich und alles verströmt den Geruch einer routinierten aber uninspirierten Auftragsproduktion, weshalb der Film nur begeisterten Genrefreunden empfohlen werden kann.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
2,40:1
2,40:1
85:18 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • Horst Frank: Sein letztes Interview
  • Originaltrailer
  • Bildergalerie
  • Über die Restauration
  • 12-seitiges Booklet (Repro "Illustrierter Film-Kurier")
Das Geheimnis der drei Dschunken - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Das Geheimnis der drei Dschunken
Das Geheimnis der drei Dschunken

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein durchschnittlicher Eurospy-Vertreter im aufwendig restaurierten, technischen Gewand


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland / Italien, 1965
Regie:
Ernst Hofbauer
Drehbuch:
Hannes-Karl Kubiak, Werner P. Zibaso (basierend auf einem Roman von Georges Godefroy)
Darsteller:
Stewart Granger, Rosanna Schiaffino, Paul Klinger, Sieghardt Rupp, Margit Saad, Helga Sommerfeld, Horst Frank, Harald Juhnke

Label Deutschland :
e-m-s
Verkaufsstart Deutschland :
04.09.2008